Curling
30 Jahre nach dem WM-Titel greifen die Aarauer Golden Girls wieder an

Ab Samstag spielen die Seniorinnen des CC Aarau in Kanada um den WM-Titel. Die Formation um Skip Erika Müller ist exakt die selbe, die bereits vor 30 Jahren für Furore sorgte und mit einem 18:3-Finalsieg WM-Gold in die Schweiz holte.

Andreas Fretz
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Aarauer Curlerinnen: 1983 und heute

Aarauer Curlerinnen: 1983 und heute

2013: Coach Mike Müller, Skip Erika Müller, Barbara Gurini, Barbara Sieber, Cristina Lestander und Anna Müller wollen erneut Weltmeister werden. Foto: afr

2013: Coach Mike Müller, Skip Erika Müller, Barbara Gurini, Barbara Sieber, Cristina Lestander und Anna Müller wollen erneut Weltmeister werden. Foto: afr

Pierre Aubert ist Bundespräsident der Schweiz, eine Firma Namens Microsoft kündigt das Betriebssystem Windows 1.0 an, Motorola bringt das erste, 800 Gramm schwere Handy auf den Markt, Michael Jackson stürmt mit «Thriller» die Hitparaden und vier junge Frauen aus der Schweiz werden in Kanada Curling-Weltmeister. Das war 1983.

Seitdem hat sich vieles verändert. Doch die vier Frauen curlen noch immer. Sie spielen wieder um den WM-Titel. Erneut in Kanada. Diesmal in der Kategorie der Seniorinnen.

Als sich Skip Erika Müller und ihr Team vom CC Aarau im Februar für die Weltmeisterschaften qualifizierten, schlug das hohe Wellen. Kennern fiel sofort auf: Es handelt sich um das exakt gleiche Team wie vor 30 Jahren. «So etwas gibt es äusserst selten», sagt Erika Müller.

1983 spielten die vier Frauen für Bern-Egghölzli. Im WM-Halbfinal schlugen sie Schweden mit dem letzten Stein. Im Endspiel wurde Norwegen mit dem Rekordresultat von 18:3 vom Eis gefegt.

Seit dieser Saison spielt das Team wieder in der alten Besetzung. Erst als das jüngste Mitglied 50-jährig wurde, war der gemeinsame Übertritt in die Seniorinnen-Kategorie möglich. Heute sind die WM-Gewinnerinnen von 1983 zwischen 50 und 62 Jahre alt.

Die meisten sind berufstätig, Erika Müller ist Grossmutter. Mit ihrem Ehemann und Coach Mike Müller wohnt sie, wie auch Barbara Gurini, in Lenzburg. Die anderen Teammitglieder stammen aus der Region Bern. Neu gehört auch Anna Müller zum Team.

Curling sei ein faszinierender Sport, schwärmt Erika Müller, «es geht nicht alleine um Fitness und Power, auch der Geist ist gefragt. Curling ist vor allem mental anspruchsvoll», sagt Müller, «keine Situation ist wie die andere. Dieser Sport wird nie langweilig.»

Doch wie Handys und Betriebssysteme hat sich auch das Curling in den letzten 30 Jahren verändert. «Das Eis, die Steine ... Heutzutage ist alles perfekt», sagt Müller. Und wer würde das – hypothetische – Direktduell gewinnen, das Team von 1983 oder die Ausgabe von 2013?

«Ein solches Spiel würde wohl erst im Zusatz-End entschieden», sagt Barbara Gurini mit einem Lachen, «aber am Ende gewinnt wahrscheinlich das Team von 1983, obwohl wir heute noch besser harmonieren und noch mehr Erfahrung haben.»

Am vergangenen Sonntag absolvierten die Aarauer Seniorinnen in Baden ihr letztes gemeinsames Eistraining. Am Mittwoch machten sie sich auf den Weg ins kanadische Fredericton, wo die Senioren und Mixed-Doubles-Weltmeisterschaften stattfinden (13. bis 20. April).

Der erste Gegner am Samstag heisst Finnland. Gespielt wird in zwei Gruppen à sieben Teams. Die ersten zwei pro Gruppe qualifizieren sich für die Halbfinals.

«Die Halbfinals sind unser Ziel», sagt Erika Müller, «danach beginnt ein neues Turnier.» Trotz WM-Gold von 1983 glaubt Müller nicht, dass die Seniorinnen-WM ein Selbstläufer wird. «Auch die Konkurrenz ist erfahren», weiss sie. «Aber wir alle sind Kämpfernaturen», wirft Barbara Gurini ein, «das war vor 30 Jahren so und ist heute noch so.»