CO2-Ausstoss
Transport mit Null Emissionen: Zwei Solothurner Unternehmen wollen in Zukunft mit Wasserstoff ausliefern

Zwei der ersten sieben serienmässig hergestellten Wasserstoff-Lastwagen gehören der G. Leclerc Transport AG und der F. Murpf AG im Kanton Solothurn.

Gülpinar Günes
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Wasserstoff LKW

Wasserstoff LKW

zvg
 René Leclerc präsentierte das neue Fahrzeug an einer Medienkonferenz. Es unterscheidet sich äusserlich nur minimal vom Dieselfahrzeug im Hintergrund.

René Leclerc präsentierte das neue Fahrzeug an einer Medienkonferenz. Es unterscheidet sich äusserlich nur minimal vom Dieselfahrzeug im Hintergrund.

Gülpinar Günes

Fast lautlos fährt er an. Nur ein Zischen entweicht dem tonnenschweren Koloss dabei. Dann summt er, ähnlich wie Strommasten. Das tiefe Brummen eines Dieselmotors bleibt aus. Äusserlich aber unterscheidet sich der neue Lastwagen der G. Leclerc AG in Egerkingen nur leicht von den gängigen Dieselfahrzeugen: Das Firmenlogo am Anhänger ist neu grün statt rot. Auch der Kühlaufbau an der Front hat ein neues wabenartiges Muster. Darin präsentiert sich ein komplett neues Logo: Hyundai.

Zwei von sieben LKWs sind im Kanton Solothurn

Der neue Lastwagen ist einer von insgesamt sieben Wasserstoff-Lastwagen, die der koreanische Autohersteller für die Schweiz produziert hat. Es ist weltweit die erste Serienproduktion dieser Art, wie der Geschäftsführer der G. Leclerc Transport AG, René Leclerc, an einer vergangenen Medienkonferenz mitteilte. Er ist seit rund zwei Jahren Mitglied des Fördervereins H2-Energy, der die neue Entwicklung vorantreibt und finanziert.

Der Verein zählt diverse namhafte Persönlichkeiten der Transport-, Auto- und Treibstoffbranche zu seinen Mitgliedern, darunter Coop-Manager Jörg Ackermann als Präsident. «Ich habe mich dem Verein aus Eigeninitiative angeschlossen, um den Wasserstoffantrieb zu fördern», sagt Leclerc auf Nachfrage. Das Ziel der Branche ist es, CO2-Vorgaben für den Schwerverkehr umzusetzen. Die EU beispielsweise verlangt, dass der CO2-Ausstoss von Lastwagen bis 2030 um 30 Prozent gesenkt wird. «Ich möchte alle Möglichkeiten dazu prüfen», so Leclerc.

Wasserstoff-Antrieb

Der Wasserstoff für die LKWs wird mit Strom aus erneuerbaren Energien im Wasserkraftwerk Gösgen hergestellt. Er reagiert in der Brennstoffzelle des LKW mit Sauerstoff aus der Umgebungsluft und setzt wieder Energie in Form von elektrischem Strom frei. Dabei entsteht nur Wasserdampf, der wieder entweichen kann. Dieser geschlossene Kreislauf macht den Antrieb in der Schweiz CO2-neutral. Damit spart der neue LKW bis zu 80 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr. (gue)

Auch das Transportunternehmen F. Murpf AG in Hägendorf ist Mitglied des Fördervereins und konnte Anfang Oktober eines der sieben Fahrzeuge in Empfang nehmen. «Wir sind täglich unterwegs für die Gesellschaft», sagt Geschäftsleitungsmitglied Thomas Murpf auf Anfrage. «Es ist daher wichtig, dass wir neue Technologien für unsere Zukunft testen.» Der Lastwagen werde derzeit für seinen ersten Einsatz Anfang November vorbereitet. «Unser Ziel ist es, jährlich rund 100'000 Kilometer damit zurückzulegen und Erfahrungen für zukünftige Investitionen zu sammeln», sagt Murpf.

Die G. Leclerc Transport AG hingegen konnte bereits letzte Woche erste Erfahrungen mit dem Wasserstoff-Lastwagen machen und Waren in die Region Basel ausliefern. «Es lief alles problemlos», sagt der Geschäftsführer. «Uns ist nichts Negatives aufgefallen.» Er plane bis Ende Jahr zwei weitere Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb in Auftrag zu geben und damit je 80'000 Kilometer pro Jahr zurückzulegen.

Wasserstoff ist noch nicht mit Diesel vergleichbar

Der Wasserstoff-Lastwagen hat bisweilen aber noch viele Nachteile gegenüber dem herkömmlichen Dieselantrieb, der sich nach wie vor im Transportwesen durchsetzt: Das Tankstellennetz ist mit drei Anbietern in Zofingen, Hunzenschwil und St. Gallen noch sehr dünn. Mit einer Reichweite von etwa 400 Kilometern mit 36 Tonnen Last müssen die Strecken für den Einsatz gut geplant sein. Ein Dieselfahrzeug kann im Vergleich mit einer Tankfüllung rund 1'500 Kilometer zurücklegen. Der Förderverein plant daher weitere Tankstellen in der ganzen Schweiz.

Selbst dann ist der Antrieb noch keine Konkurrenz zum Diesel, wie die Unternehmer wissen: Leclerc beispielsweise rechnet mit 35 Prozent Mehrkosten für sein Unternehmen, unter anderem wegen der höheren Treibstoff- und Anschaffungskosten der Lastwagen. Das bedeute rund 15 Prozent höhere Preise für seine Kunden. Und das, obwohl die neuen Fahrzeuge keine Schwerverkehrsabgaben machen müssen.
René Leclerc und Thomas Murpf hoffen daher, dass mit wachsendem Wettbewerb zu Hyundais Modell die Preise fallen werden und sich das Blatt für den Dieselantrieb wenden wird. Bis erste Konkurrenzprodukte auf dem Markt sind, könnte es laut den beiden Transporteuren aber noch zwei, drei Jahre dauern. Sie sind sich aber einig, dass in den nächsten fünf Jahren ein Wechsel stattfinden wird: Vom Diesel- auf den Wasserstoffantrieb.

Auch der Nutzfahrzeugverband ist erfreut über die Entwicklung

Der Präsident der Solothurner Sektion des Nutzfahrzeugverbands ASTAG und SVP-Nationalrat Christian Imark begrüsst die Entwicklung in der Solothurner Transportindustrie. «Die Immatrikulation von Lastwagen mit alternativen Antrieben ist sehr erfreulich», schreibt er auf Anfrage. Er sei überzeugt, dass der Pioniergeist dieser Solothurner Unternehmen sowohl für sie selbst als auch für andere Unternehmen einen grossen Mehrwert mit sich bringen wird. «Ich bin der festen Überzeugung, dass die Wasserstoff-Technologie – gerade im Bereich des Schwerverkehrs – in Zukunft eine wichtige Rolle übernehmen wird. Elektrofahrzeuge haben ihren Durchbruch im Personenverkehr und eher bei Kurzstrecken, bei schweren Fahrzeugen und Langstrecken braucht es Alternativen.» Er sieht in der Entwicklung ein Argument gegen das CO2-Gesetz, wogegen unter anderem auch die ASTAG das Referendum ergreift. «Die Investitionstätigkeit der Schweizer Wirtschaft, des Transportwesens und der Bevölkerung in saubere Technologien ist der Beweis, dass es keine übertriebene staatliche Bürokratie und zusätzlichen Steuern und Abgaben in Form des neuen CO2-Gesetzes braucht», so Imark. (gue)