Voller Tatendrang ist sie, die neue Präsidentin des Vereins Freunde Schloss Neu-Bechburg. Und jung. Mit 32 Jahren ist sie das jüngste Mitglied im achtköpfigen Vorstand. Dabei ist sie erst seit gut einem Jahr im Vereinsgeschehen involviert und bekleidet bereits das oberste Amt. Sie hat Ideen. Und auch die notwendige Energie und Motivation für deren Umsetzung. «Es braucht einen frischen Wind, um junge Leute für das Schloss zu begeistern», sagt sie.

Fabienne Neuhaus ist seit je her fasziniert von alten Bauten. «Ich bin auch immer gerne in Museen gegangen», erzählt sie. Doch bis vor einigen Jahren verbrachte die gelernte Kauffrau ihre Freizeit am liebsten auf dem Fussballfeld. Die Leidenschaft für den Sport liege in der Familie, sagt sie. Mittlerweile aber hängen ihre Fussballschuhe am Nagel. Nicht jedoch ihre Leidenschaft. Für diese brauchte die Bankangestellte ein anderes Ventil. «Ich wollte mir ein neues Hobby zutun und habe begonnen Schlossführungen anzubieten», erzählt sie weiter. Nach einer ausführlichen Einführung in das Schlossleben und seine Geschichte durch den Schlosswart, kam sie im Winter 2018 in den Besitz des Passepartouts für das Schloss und begann, Gäste durch die Geschichte des Schlosses zu führen.

«Ich bin jemand, der gerne macht», sagt sie selbstbewusst. Nach dem unerwarteten Tod des ehemaligen Vereinspräsidenten Franz Kamber letztes Jahr habe sie dem Vorstand ihre Unterstützung angeboten. «Da haben sie gemerkt, dass sich da jemand engagiert, der etwas ‹Pfupf im Füddle› hat», sagt sie lachend. Und prompt sei sie als Präsidentin vorgeschlagen worden. Der Vorstand sei sich nämlich einig gewesen: Es muss jemand junges ins Amt. Denn dem Verein droht die Überalterung. «Ich glaube der Verein und die Stiftung sind im Moment in einem Umbruch», sagt Fabienne Neuhaus. Das Ziel heute sei es vor allem, neue und junge Mitglieder in den Verein zu holen, damit dieser eine gute Altersdurchmischung hat. Ein Entfallen der Mitgliederbeiträge aufgrund des Alters könne der Verein finanziell nicht tragen.

Neues Vereins-Konzept

Der Vorstand hat stille, jedoch hohe Erwartungen an die junge Präsidentin. Doch Fabienne Neuhaus schreitet lieber gleich zur Tat, als sich Zeit für Sorgen und Ängste zu lassen. In einem sportlichen Tempo geht sie die nächsten Schritte im Verein an. «Wir wollen Traditionelles beibehalten, aber frische Akzente setzen, die in die heutige Zeit hineinpassen», erklärt sie. Entstehen soll ein einheitliches Konzept für das Schloss. Traditionelle Veranstaltungen, wie der Tag der offenen Tür mit dem ökumenischen Gottesdienst oder das «Schlosszmorge» sollen bestehen bleiben, aber durch neue Ideen ergänzt werden. Am diesjährigen Tag der offenen Tür beispielsweise, sei zum ersten Mal ein Wettbewerb durchgeführt worden. «So kommen wir gezielt an Adressen und können die Besucher als Mitglieder gewinnen», sagt Neuhaus. Auch neu sei eine Märchenlesung an der Veranstaltung gewesen. «Das ist sehr gut bei den jungen Familien angekommen.» Des Weiteren möchte die Präsidentin bis im Herbst gemeinsam mit der Stiftung ein neues Jahresprogramm für 2020 auf die Beine stellen. Ebenfalls bemüht sich die 32-Jährige um eine stärkere Social Media Präsenz und um ein Marketing, das möglichst alle Altersgruppen anspricht.

Der Vorstand lasse ihr dabei viele Freiheiten und unterstütze sie laufend mit neuen Ideen. Dafür sei sie sehr dankbar. «Sie sind in erster Linie froh, dass jemand da ist, der Ideen hat und macht. Das wollen sie nicht mit Vorgaben einschränken.» Der Verein sei auch bestrebt, neue Gelder zu beschaffen. Einige Mansardenzimmer seien ausbaufähig. Überhaupt: «Das Schloss hat noch viel Restaurierungspotential», sagt Neuhaus. Sie würde sich freuen, wenn sie bei ihren Führungen, ein paar Zimmer mehr zeigen könnte. Doch die aktuellen Einnahmen würden nicht mehr als das Nötigste zulassen.

Trotz des Aufgabenberges vor ihr: Fabienne Neuhaus tritt ihr Amt mit voller Leidenschaft an. «Ich habe das Schloss immer im Hinterkopf, egal wo ich bin», sagt sie. Ob zu Hause oder unterwegs: Wo auch immer sie Inspiration für neue Ideen findet, macht sie sich eine Notiz. «Es braucht sehr viel Herzblut und Begeisterung für das Schloss.» Und dies hat sie.