Schönenwerd
Karl Hengartner: «Jugendliche sollen etwas fürs Leben lernen»

24 Jahre lang bildete er beim Pontonierverein Schönenwerd-Gösgen Jungpontoniere aus, sechs Jahre beschäftigte er sich mit jugendlichen angehenden Feuerwehrleuten. Jugendarbeit ist für Karl Hengartner kein Fremdwort. Jetzt, möchte er kürzer treten.

Beat Wyttenbach
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Ein letztes Mal macht Karl Hengartner Werbung für die Jugendfeuerwehr Schönenwerd.

Ein letztes Mal macht Karl Hengartner Werbung für die Jugendfeuerwehr Schönenwerd.

Beat Wyttenbach

Hengartner ist der «geistige Vater» der Jugendfeuerwehr Schönenwerd und «nur» ihr Vize-Kommandant, «aus Altersgründen», grinst er. Die Vorbereitungen zur Gründung begannen 2007, nach einigen Verzögerungen konnte sie am 24. Januar 2009 ins Leben gerufen werden; dies unter dem Motto: «Die Jugend von heute – die Retter von morgen.» «Das Ziel war und ist Jugendarbeit und gezielte Nachwuchsförderung.

Obwohl die Schlagwörter Kameradschaft, Abenteuer, Lebensschule und Technik sind, weise ich klar darauf hin, dass Disziplin, Respekt, Sorgfalt im Umgang mit dem Material und Ordnung ebenso wichtig sind», umschreibt Hengartner kurz zusammengefasst, worauf es bei der Jugendfeuerwehr ankommt. «Die Jugendlichen sollen nicht nur die Technik für ihre spätere Zukunft als Feuerwehrangehörige erlernen, sondern auch etwas fürs Leben», hält er fest.

Mit 36 Jugendlichen aus den Gemeinden Eppenberg-Wöschnau, Gretzenbach und Schönenwerd wurde damals gestartet, im Juni desselben Jahres erhielten sie ihre offizielle Brandschutzbekleidung. Die Ausbildung, die sie erfahren, ist laut Hengartner fast dieselbe wie bei der «grossen» Feuerwehr. Rettungs-, Lösch-, Pionier-, Schaden- und Samariterdienst gehören ebenso dazu wie die Ausbildung in Erster Hilfe. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Jugendliche dürfen nicht im Bereich Atemschutz ausgebildet werden.

Arbeit und Plausch

Dass Arbeit und Plausch gleichermassen zu den Tätigkeiten der Jugendfeuerwehr dazugehören und Anklang finden, offenbarte sich von Anfang an, erzählt Hengartner. Zunächst unter dem Kommando des jetzigen Feuerwehrkommandanten Hptm Alessandro Klaiber und seit drei Jahren unter dem Kommando von Lt Daniel Süss, eignen sich die Jugendlichen nicht nur das entsprechende Wissen im Rahmen von zwölf Samstagvormittag-Übungen pro Jahr an, sondern sie wenden das Gezeigte auch an im Rahmen der alljährlich stattfindenden zweitägigen Ausbildungsweekends mit Arbeit am ersten und Geselligkeit am zweiten Tag.

Schon 2009 besuchten die Jugendlichen und ihre Betreuer die Gotthardtunnel-Feuerwehr in Airolo und unternahmen am zweiten Tag eine Velofahrt hinunter nach Biasca. 2010 übten sie in Arosa einen Löschangriff auf das Hotel Prätschli sowie das Verhalten bei einem Lawinenunglück. Am zweiten Tag war Schlitteln angesagt. 2011 gings ins Berner Oberland nach Thun, wo die gemeinsame Arbeit mit der dortigen Feuerwehr im Vordergrund stand.

Am zweiten Tag winkte eine Schlauchboot-Fahrt von Thun nach Bern. Letztes Jahr unternahm man eine Angriffsübung mit Seilbahnrettung in Engelberg OW, der zweite Tag wurde mit Grillieren und einem Spaziergang ausgefüllt. Und dieses Jahr schliesslich erfolgte eine Rettungsübung mit Bergung aus einem Fahrzeug und Abseilen in Wald ZH, angereichert durch einen Besuch im Freizeitpark Atzmännig am Tag darauf.

Rund 20 bis 25 Angehörige

«Es ist klar: Der Start mit 36 interessierten Jugendlichen war euphorisch. Ich habe von Anfang an gesagt: Wenn wir uns bei 15 bis 20 Jugendlichen im Bestand einpendeln, ist das gut», bilanziert Hengartner. Heute machen zwischen 20 bis 25 Jugendliche aus den drei Gemeinden bei der Jugendfeuerwehr Schönenwerd mit. Und die Arbeit trägt Früchte: 2011 konnten Remo Lingg (Schönenwerd), Bianca Gilgen (Schönenwerd) und Tim König (Gretzenbach) zu den «Grossen» übertreten.

Letztes Jahr folgten ihnen Cléa Blattner und Chiara Gilgen (beide Schönenwerd) und dieses Jahr Carmelo Carlino (Gretzenbach). «Nächstes Jahr dürften weitere drei bis vier Jugendliche dazustossen», so Hengartner, der eine positive Bilanz der ersten knapp fünf Jahre Jugendfeuerwehr Schönenwerd zieht.

Aufs Altenteil zurückziehen wird er sich aller Voraussicht nach aber nicht. Viele Kameraden hätten ihn angesprochen und ihrem Wunsch Ausdruck verliehen, dass er der Feuerwehr Schönenwerd noch in irgendeiner Form erhalten bleiben soll. In welcher Form dies sein wird, lässt Karl Hengartner aber noch offen.

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