Aus Gäuer Sicht
Wie sieht denn eigentlich gutes Wetter aus?

Pascal Froidevaux
Pascal Froidevaux
Drucken
Teilen
«Wann ist schönes Wetter schönes Wetter?», fragt sich Kolumnist Pascal Froidevaux.

«Wann ist schönes Wetter schönes Wetter?», fragt sich Kolumnist Pascal Froidevaux.

Bruno Kissling

Wir leben in einer digitalisierten Welt, können die Augenfarbe unserer Babys in vitro bestimmen, das Päckli kommt manchmal mit der Drohne herbeigeflogen und Beziehungen werden per WhatsApp aufgelöst.

Aber was wir nicht können, ist das Wetter beeinflussen. Natürlich wird immer lauter skandiert, dass die Klimaveränderung mit der Umweltbelastung zusammenhängt, aber eben – einen aktiven Einfluss auf das Wetter haben wir nicht. Dieser Sommer ist – bis jetzt zumindest –nass, und als Einwohner des Berner Mattequartiers kenne ich die Tücken und Risiken von «zu vielem» Wasser nur zu gut.

Ich möchte aber gar nicht die immensen Schäden, die überlaufenen Keller und die Hagelschäden thematisieren. Sondern unsere Einstellung zum Wetter oder vielmehr, was das Wetter mit uns macht. Jetzt ist es «schön» – ist doch eine sehr relative Darstellung. Ein Landwirt erfreut sich über regelmässigen Niederschlag. Spricht man in der Morgenpause aber mit Menschen, folgt kurz nach den neusten Corona-Delta-News die Empörung über den verregneten Sommer. Spannender ist es, darüber nachzudenken, welches Wetter wirklich schön ist und wie es sich auf unsere Stimmung auswirkt. Ist doch ein Sommergewitter mit dem Duft, der anschliessend aus dem Boden strömt, etwas Wunderbares. Ober ein Nebeltag im Herbst beispielsweise umhüllt uns mit einer Mystik, wie sie das beste Bühnenbild nicht nachstellen kann.

Ich verspüre ein leichtes Mitleid mit den Wetterfröschen in den Medien. Wenn sie leicht bewölktes Wetter mit Gewitterrisiko melden und es strahlend blau wird, sind alle glücklich und erkennen, dass es doch noch Gutes gibt im Leben. Wird jedoch ein Postkartentag angekündigt, tatsächlich ziehen aber doch mehr Wolken auf als erwartet, dann wird Meteo-Schweiz mit Klagen und verärgerten Kommentaren zugespamt.

Meines Erachtens ist es mit dem Wetter wie bei allem im Leben: Die Abwechslung macht es aus. Immer maledivische Verhältnisse würden uns schneller langweilen, als wir denken. Wir haben in der Schweiz das Glück, wirkliche Jahreszeiten zu erleben, und eben: Wetter. Wetter, das ausgenommen in Extremsituationen, immer etwas Positives mit sich bringt und unsere Mine nicht trüben sollte. Nehmen wir doch etwas vom wenigen, das wir noch nicht manipulieren und beeinflussen können, und geniessen jeden Tag mit der Kulisse, die gerade vor uns liegt. Unser Tagesprogramm auch in den Ferien entsprechend anzupassen, sollte an der Fülle von Möglichkeiten kaum problematisch sein. Dementsprechend wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, schöne Regentage, Morgendunst, Wolkenhimmel und Sonnenschein.

Aktuelle Nachrichten