Neuendorf
Aus dem Schandfleck wird 2017 ein 12-Familien-Haus

Die Tage der von einem Berner Generalbauer hinterlassenen Bauruine an der Fulenbacherstrasse in Neuendorf sind gezählt. Im Frühjahr 2017 soll mit dem Bau des 12-Familien Hauses begonnen werden.

Erwin von Arb
Merken
Drucken
Teilen
Das unschöne Betonskelett an der Fulenbacherstrasse soll bald der Vergangenheit angehören.

Das unschöne Betonskelett an der Fulenbacherstrasse soll bald der Vergangenheit angehören.

Bruno Kissling

In die schon fast unendliche Geschichte um die Neuendörfer Bauruine an der Fulenbacherstrasse 40 kommt wieder Bewegung. Das dort geplante 12-Familien-Haus war im Sommer 2012 im Rohbau stecken geblieben, weil die Lieferung der aus Bosnien stammenden Holzbaufertigelemente eingestellt wurde.

Der Generalbauer aus dem Kanton Bern geriet deshalb in finanzielle Schieflage und liess in der Folge die ungeschützten Holzbauelemente am Rohbau während zweier Jahre völlig verrotten. Die Firma schaffte zwar Mitte 2014 noch den vom Gemeinderat verlangten Rückbau der maroden Holzelemente, ging aber im April 2015 in Konkurs.

Neues Baugesuch ausgestellt

Damit wurde die Bauruine zu einem Fall für das Konkursamt Bern-Mittelland in Ostermundigen, welches die Bauruine samt dem 1294 Quadratmeter grossen Areal im Freihandverkaufsverfahren im März 2016 an die ROC Immobilien AG ins aargauischen Oberentfelden veräusserte.

Diese hat die ebenfalls in Oberentfelden ansässige Archicard AG im Mandat damit beauftragt, auf der Basis des damals von der Gemeinde bewilligten 12-Familien-Hauses neue Pläne zu erarbeiten. Dies mit dem Ziel, die abgelaufene Baubewilligung für das Projekt zu erneuern.

Das ist in der Zwischenzeit geschehen, wie Roberto Corbacio von der Archicard AG auf Anfrage erklärt. «Das neue Baugesuch liegt seit letzter Woche vor», sagt Corbacio mit dem Verweis auf die bedeutendste Änderung gegenüber dem ersten Projekt. Anstelle der Fertigbauelemente soll nun der Aufbau der Aussenwände mit Backsteinen und einer Aussendämmung erfolgen.

Ob dafür wegen des höheren Gewichts Nachbesserungen statischer Natur im Kellergeschoss vorgenommen werden müssen, sei derzeit in Abklärung. Der Rohbau insgesamt befinde sich in einem guten Zustand. Dies auch dank der guten Vorarbeit des damaligen Baumeisters. Ausser einigen kosmetischen Arbeiten und der Erneuerung von Abdichtungen gebe es keinen Handlungsbedarf.

Derzeit läuft die Ausführungsplanung, danach folgt die Detailplanung, wie Corbacio erwähnt. Bis Ende Jahr sollen sämtliche Submissionen für die Ausschreibung der Arbeiten erstellt sein. Exklusive des Kaufpreises für den Rohbau und das Land wird mit Kosten zwischen 4 bis 5 Mio. Franken gerechnet.

Die 12 Wohnungen sollen einen durchschnittlichen Ausbaustandard aufweisen und als Eigentumswohnungen verkauft werden. Die Aufnahme der Bauarbeiten soll etwa im Frühling 2017 erfolgen. Für die Ausführung sollen vor allem in der Region ansässige Firmen berücksichtigt werden, so Corbacio.

Noch genügend Schulraum

Mit der jüngsten Entwicklung sehr zufrieden ist Gemeindepräsident Rolf Kissling. «Mit der Realisierung des Projekts endet für die Gemeinde ein langer Leidensweg.» Damit rücke das Ende der im Dorf als Schandfleck empfundenen Bauruine in greifbare Nähe.

Angesprochen auf den aktuellen Bauboom in Neuendorf und damit mögliche Schulraumprobleme gibt Kissling Entwarnung. Aktuell bestehe kein Handlungsbedarf. Der Gemeinderat beurteile die Situation aber laufend.

Der mögliche Kauf der Raiffeisen-Liegenschaft mit dem Volg-Laden als Mieter an der Dorfstrasse durch die Bürgergemeinde könnte sich für die Einwohnergemeinde auszahlen. Bei einem allfälligen Umzug der Gemeindeverwaltung in die ehemaligen Bankräume könnten im alten Primarschulhaus sechs bis acht Schulzimmer eingerichtet werden. Noch sei aber nichts entschieden, so Kissling.