Stadtbummel Solothurn

Was wir nicht zu denken wagen

Der Solothurner Monatsmäret im Februar bot wegen des grüseligen Wetters ein trauriges Bild.

Der Solothurner Monatsmäret im Februar bot wegen des grüseligen Wetters ein trauriges Bild.

Angenommen, in Solothurn würde wegen des Corona-Virus eine Ausgangssperre verhängt. Nur angenommen ...

Die Tore dicht gemacht. Die Plätze menschenleer, das Geschäftsleben stillgelegt. So geht es derzeit elf Ortschaften im Norden Italiens: Die Landesregierung schnitt sie von der Aussenwelt ab, um das Virus im Innern zu halten. Corona schafft Geisterstädte. Und das gar nicht so weit weg von uns: Die Stadt Codogno in der Lombardei etwa, die ziemlich genau so gross ist wie Solothurn, liegt nur 386 Kilometer von hier entfernt. Wie lebt es sich dort gerade, wie geht es den Menschen?

Hoffen wir, dass uns Covid-19 verschont. Noch ist in Solothurn glücklicherweise kein Fall von Ansteckung bestätigt. Das mag noch kommen. Weniger wahrscheinlich ist, dass unserem Stedtli italienische Verhältnisse drohen.

Doch angenommen, es hiesse irgendwann doch von oben: „Daheim geblieben!“ und uns ereilte das gleiche Schicksal wie Codogno? Ein Gedankenspiel.

… von der positiven Seite her betrachtet: Wir hätten Zeit für die Steuererrklärung, fürs Zeitunglesen, für die Beziehung … Im Garten warten die Bäume auf einen neuen Schnitt, drinnen der Frühlingsputz. Und vielleicht täten so ein paar leergefegte Strassen auch der (Alt-)Stadt ganz gut. Nach den veranstaltungsreichen ersten zwei Monaten des neuen Jahres klebt das Konfetti noch wie Kleister in den Bsetzistei-Ritzen, die Stadtarchitektur hat nicht nur viel Wind, sondern auch viele Menschen ertragen die letzten Wochen. Die Ghüder leisteten volle Arbeit, der eine oder andere Hauseingang hielt einmal mehr für feuchtfröhliche Geschäfte her. Gestern noch halbvolle Bierdosen auf Fenstersimsen entdeckt! Auch alte Gemäuer haben zwischendurch eine Pause verdient.

Wenn Menschen nicht mehr draussen wären, bedeuteten lädierte Bäumen keine Gefahr mehr, auch auf dem Friedhof St. Katharinen nicht. Wenn keine Liefer- und Handwerker-Wagen mehr auf dem Friedhofplatz stünden, gäbe es niemanden mehr zu büssen – ganz von alleine hätte Solothurn keinen einzigen Verkehrssünder mehr! Und wenn der Monatsmarkt gar nicht erst stattfinden würde, gäbe es nie zu wenige Marktfahrer, die für ein lückenhaftes Solothurn-Bild sorgen könnten.

… von der negativen Seite betrachtet, die schnell erzählt ist: Solothurn müsste ohne seine Menschen auf den Strassen und in den Gassen auf so ziemlich alles verzichten, was die Stadt lebenswert macht.

Darum: Immer schön die Hände waschen.

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