Kaminfeger
Trotz vielen technischen Entwicklungen: Glücksbringer klagen nicht

Regelmässig meldet sich der Kaminfeger für Kontrolle und Unterhalt an. Man hat keine Wahl, man muss den Service annehmen. Doch neue Heizungstechniken bedrohen den traditionsreichen Beruf.

Hans Peter Schläfli
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Kaminfeger Manuel Rüfenacht bei seiner Arbeit. Hanspeter Bärtschi

Kaminfeger Manuel Rüfenacht bei seiner Arbeit. Hanspeter Bärtschi

Ist der Kaminfeger wirklich ein Glücksbringer, wie der Volks(aber)glaube meint? Oder dann wenigstens ein «Glücksholer», nämlich der seines eigenen Glücks? Wer ein Haus mit einer Ölheizung besitzt, könnte jedenfalls den Eindruck erhalten, Kaminfeger sei der letzte wirklich sichere Beruf auf dieser Erde. Regelmässig meldet sich der «schwarze Mann» für die periodische Kontrolle und den Unterhalt an – und man hat keine Wahl, als den Service anzunehmen und zu bezahlen.

Problem Fernwärmenetz

Doch die Entwicklung der Technik geht auch an diesem traditionsreichen Berufsstand nicht spurlos vorbei. Mit den modernen Wärmepumpen haben die Kaminfeger gar nichts mehr zu tun, und dank den in der Region entstehenden Fernwärmenetzen werden nach und nach viele Heizungen aus dem Verkehr genommen. Manuel Rüfenacht ist wohl am meisten vom Trend betroffen: Er betreut als Kaminfeger den Kreis 4, zu dem Solothurn Süd und Zuchwil Nord gehören – und wohnt selber in einem Haus, das am Fernwärmenetz der Regio Energie angeschlossen ist.

Auch Gas- und Pelletheizungen

«Dass man mit der überschüssigen Wärme aus der Kehrichtverbrennung etwas Vernünftiges macht, finde ich gut», sagt Rüfenacht. Trotzdem stimme ihn die Entwicklung manchmal nachdenklich. Angst um seine Zukunft habe er aber nicht. «Es heisst zum Beispiel immer, Gasheizungen sind sauber und brauchen keinen Unterhalt. Was gut klingt, ist nicht ganz richtig», sagt Rüfenacht.

«In den Kaminen der Gasheizungen bilden sich zwar tatsächlich kaum Rückstände, aber dafür müssen die Lamellen der Wärmetauscher gewaschen werden. Ohne regelmässige Kontrollen und Service sinkt der Wirkungsgrad und die Menge der gefährlichen Abgase nimmt zu.»

Die trendigen Pellet-Heizungen machen sogar noch mehr Arbeit als Ölheizungen, erklärt er, und für den Fall, dass es in Zukunft wirklich immer weniger Kamine zu entrussen geben sollte, hat Manuel Rüfenacht bereits Ideen: «Es gibt immer mehr technisch anspruchsvolle Komfortlüftungen. Die müssen auch unterhalten werden. Ich könnte mir gut vorstellen, in ein paar Jahren in diese Richtung zu diversifizieren. Aber vorläufig habe ich als Kaminfeger noch genug zu tun.»

Flexibel auf Trends reagieren

Der Solothurner Kaminfegerverband, dem derzeit 13 Betriebe angeschlossen sind, die das Kantonsgebiet unter sich aufgeteilt haben, erwartet insgesamt ein rückläufiges Arbeitsvolumen. Seit in der Region Solothurn Grossabnehmer wie Borregaard oder Sappi ihren Betrieb eingestellt haben, erschliessen AEK und Regio Energie immer mehr auch Wohnquartiere mit ihren Fernwärmenetzen. «Wir stehen diesem Trend nicht negativ gegenüber», sagt Heinz Glauser, Präsident des Kaminfegerverbandes.

«Wir könnten ihn ja auch gar nicht stoppen. Die Fernwärmenetze nehmen uns zwar immer ein paar kleine Heizungen weg, dafür gibt es in den Grossanlagen wieder neue, interessante Arbeit.» Und aus Sicht des Umweltschutzes seien grosse Feuerungen sinnvoll. «Ein einzelner Haushalt kann niemals so viel in die Nachreinigung der Abgase investieren wie eine Gemeinschaft. Zudem haben die Grossfeuerungen einen sehr guten Wirkungsgrad», sagt Glauser.

Neuverteilung der Kreise

Damit die bestehenden Betriebe weiterhin gut ausgelastet werden, können zum Beispiel bei Pensionierungen die Kreise neu verteilt werden. Das wurde im Thal bei der Pensionierung von Hans Kurmann so durchgeführt. «Ich könnte mir vorstellen, dass bald einmal auch in der Umgebung der Stadt Solothurn eine neue Aufteilung der Kreise in Betracht gezogen werden könnte», meint Glauser, der selber im Gäu den Kreis 9 betreut. Dass es in der Region bald arbeitslose Kaminfeger geben wird, sei nicht zu befürchten.

«Im benachbarten Bernbiet sind die Solothurner Kaminfeger gesucht, weil dort die Ausbildung vernachlässigt wurde. Wir sind dagegen in den Schulen gut verankert und finden immer genügend Nachwuchs. Einen Überschuss an Kaminfegermeistern gibt es aber nicht.»

Im Dienst des Umweltschutzes

Und dann gibt es ja auch Wachstumsmärkte: Im Dienst für den Umweltschutz sieht Glauser viel Potenzial. Immer mehr Einfamilienhausbesitzer lassen sich einen kleinen Holzofen oder ein Cheminée einbauen – sei es, um das gemütliche, offene Feuer zu geniessen, oder um Heizkosten zu sparen. «Wir arbeiten sehr gut mit dem Amt für Umwelt zusammen», erklärt Glauser. «Wir kontrollieren nun auch die Kleinholzfeuerungen, denn wenn diese schlecht eingestellt sind, dann können sie mit viel Rauch und Russ zu einem echten Umweltproblem werden.»

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