Stadtbummel
Wenn dich der Monstertrucker weckt

Christina Varveris
Christina Varveris
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Das Vorstadt-Schulhaus. Hier noch vor Beginn der Sanierungsarbeiten.

Das Vorstadt-Schulhaus. Hier noch vor Beginn der Sanierungsarbeiten.

Fabio Vonarburg (13. Februar 2020)

Es piept, dröhnt, kracht und knattert. Ist schon wieder Morgen? Mit Ausschlafen ist nichts in diesen Ferien, pünktlich um 7 Uhr donnern die ersten Monstermaschinen an unseren Fenstern vorbei. Die Scheiben klirren, die Betten surren, der Boden zittert. Gähn. Na ja, auch gut, los geht es mit dem Tag. Ab ins Homeoffice. Aber auch das gestaltet sich kompliziert. Bei geschlossenen Fenstern erschlägt dich die Hitze, bei offenen Fenstern wäre ein Hörschutz nötig.

Vis-à-vis wird das Vorstadtschulhaus umgebaut. Erst entstand aus dem Nichts ein Kindergarten, Bäume schnellten in die Höhe, ein netter Vorplatz wurde gebaut, und als wir dachten, so, jetzt ist fertig, begann die eigentliche Sause. Das Schulhaus ist morsch, – aus den 50er-Jahren – und die Grosssanierung dringend nötig. Aber dass die so laut sein wird?

Während ich diese Zeilen schreibe, zittert das Haus wieder. Ein 40-Tönner oder so – also zumindest etwas sehr, sehr Grosses – zwängt sich vor den Gartenzaun, um eine Betonmischung abzuladen. Etwas weiter hinten leisten derweil Bagger und kleinere Geräte Zerstörungsarbeiten.

Faszination Baustellen... Die Schule hatte die Umbauarbeiten im Unterricht aufgenommen, ein löblicher Versuch, dem Lärm und Staub etwas Gutes abzugewinnen. Es ist tatsächlich auch faszinierend, die Entstehung eines Hauses hautnah und tagtäglich acht Stunden lang mitzuerleben. Nur schon zu sehen, wie gut organisiert und sauber Schweizer Baufirmen arbeiten und abends ihren Schutt immer wieder schön aufräumen. Aber auch das Geschick der Bauarbeiter, die mit den groben Maschinen Millimeterarbeit leisten. Wie jener, der mit der Schaufel des Baggers liebevoll die ausgehobene Erde andrückte, wo später Gras wachsen wird.

Grundsätzlich hat sich die Faszination aber bereits ziemlich abgenutzt und auch wenn wir Buben hätten, die Baustellen lieben, sie würden nicht mehr ständig aus dem Fenster gucken. Die Grosse zuckt kaum mehr mit der Wimper, wenn wieder ein Monster von einem Lastwagen herandonnert. Und die Kleine kann jetzt Bagger sagen, Betonschleifer und Presslufthammer. Sie hat den Schrecken vor den Riesenkraken vor den Fenstern verloren.

Was lese ich da online? Erst 2024 wird das alte Schulhaus im neuen Glanz erstrahlen. Hoffen wir, dass die Zerstörungsphase bald zum Abschluss kommt und die sanfteren Maler-, Garten- und Sanitärarbeiten den Rest der 2 Jahre in Anspruch nehmen.

Eben habe ich einen Bauarbeiter gefragt, wann denn die lärmintensive Phase vorbei sein wird. Am Freitag hat er gesagt. Haha. Ich bin nicht sicher, ob er meine Frage verstanden hat. Aber Recht hat er, zumindest kurzfristig. Denn morgen ist Wochenende. Dann kann ich ausschlafen.