Solothurn
Schwere Themen weichen witzigen Sprüchen und mitreissenden Tanzeinlagen

Im reformierten Kirchgemeindehaus in der Solothurner Weststadt ging die Premiere des Jugendmusicalstücks «Hanna» über die Bühne. Diese war ein voller Erfolg.

Lara Enggist
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Jugendmusical «Hanna» der Reformierten Kirchgemeinde Solothurn
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Musical Hanna Solothurn 040
Aufführung Jugendmusical «Hanna» der Reformierten Kirchgemeinde Solothurn

Jugendmusical «Hanna» der Reformierten Kirchgemeinde Solothurn

Hansjörg Sahli

Einige Stühle, eine Kommode, eine Mauer mit Graffiti und einige Pflanzen, ansonsten ist auf der Bühne nicht viel zu erkennen. Die letzten Besucher nehmen ihre Plätze im mit Vorfreude gefüllten Saal des Kirchgemeindehauses ein, als die ersten Schauspielerinnen die Bühne betreten. Junge Lehrerinnen beschweren sich gleich zu Beginn über Vorurteile, welche die Gesellschaft ihnen gegenüber hat, und die Anforderungen, die an sie gestellt werden.

Aber auch das Leben der Hauptprotagonistin Mela, welche von ihren Eltern an das Mädchen-Internat geschickt wurde, ist von Kummer und Selbstzweifel geprägt. Ein Mädchen, das sich von den anderen missverstanden fühlt und darauf mit Rebellion antwortet. Mit melancholischem Gesang lässt sie die Zuschauer an ihrer Verletzlichkeit und ihrem Gefühlschaos teilhaben.

Anschaulich werden die verschiedenen Charaktertypen sowohl der Schülerinnen als auch der Lehrpersonen und die mit den unterschiedlichen Haltungen verbundenen Konflikte dargestellt. So, wie sie auch im echten Leben anzutreffen sind: Von der impulsiven und nicht besonders einfühlsamen Mathematiklehrerin über die desinteressierte Englischlehrerin bis zur ausgeflippten Theater-Pädagogin ist alles dabei.

Jugendsorgen

Angst, Schuldgefühle, Vorurteile und Einsamkeit. Das Stück «Hanna» thematisiert Gefühlslagen, denen wohl jeder junge Mensch im Verlauf seines Erwachsenwerdens einmal ausgeliefert ist. Es geht aber auch um Gruppendynamiken und darum, wie schnell es passiert, dass jemand aus einer Gruppe ausgeschlossen wird und welche Gefühle dies bei der oder dem Betroffenen auslösen kann.

Immer wieder werden auch die Hoffnung und der Glaube an das Gute im Menschen in den Mittelpunkt gerückt und die doch etwas schweren Themen weichen immer wieder witzigen Sprüchen und mitreissenden Tanzeinlagen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Wird in der einen Szene mit Schirm, Charme und Melone (und zwar mit der Frucht) getanzt, schwingt man in der nächsten Tanzeinlage das Glätteisen. Es wird mit Taschenlampen durch das Publikum spaziert und auf der Bühne mit Äpfeln geworfen, dann wird wieder eine Mathematikprüfung geschrieben und über das andere Geschlecht gelästert.

In kürzester Zeit passiert sehr viel, man weiss nie, was im nächsten Moment geschieht. So, wie es eben auch im Kopf und Herzen eines jungen Erwachsenen aussieht. Liebe, Geborgenheit, Zusammenhalt und Glaube. Den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern gelang es bereits zur Premiere, all diese Emotionen authentisch an das Publikum weiterzugeben. Sie konnten die Zuschauer von Anfang an in ihren Bann ziehen und bis zum Schluss unterhalten.

Herzblut und Freude

In kürzester Zeit stellten alle Beteiligten des Musicals auch dieses Jahr wieder ein unglaubliches Projekt auf die Beine. Das Herzblut und die Freude war sowohl bei den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern als auch im Chor und bei der Liveband zu spüren. Das Gleichnis des Sämanns aus der Bibel, welches dem Stück als Grundlage dient, scheinen sich alle Beteiligten dieses Projekts auch selbst zu Herzen genommen zu haben. Wer auf guten Boden sät und mit viel Liebe giesst, kann auch eine gute Ernte geniessen – in diesem Fall den tosenden Applaus des Publikums.

Weitere Aufführungen: Fr, 18. August, 19.30 Uhr; So, 20. August, 10.30 Uhr; Mi, 23. August, 19.30 Uhr; Fr, 25. August, 19.30 Uhr; Sa, 26. August, 18.30 Uhr; Fr, 1. September, 19.30 Uhr; Sa, 2. September, 18.30 Uhr; Kirchgemeindehaus Weststadt.

Infos: www.jugendmusical.ch