Solothurner Filmtage

Schauspieler mimen Schauspieler: Protagonisten von «Moskau Einfach!» diskutieren in der ersten Runde

Am «Film Brunch» am Donnerstagmorgen gaben die Hauptakteure von «Moskau Einfach!» Einblicke in ihre Film-Arbeit.

Während der Solothurner Filmtage findet im Barock Café und Bar der sogenannte Film Brunch statt. Veranstalter ist die Société Suisse des Auteurs SSA und die Schweizer Filmvermarktungsorganisation Suisseimage. Den Auftakt zur Diskussionsreihe machten gestern wesentliche Protagonisten des Eröffnungsfilms «Moskau Einfach!». Auf dem Sofa nahmen Regisseur Micha Lewinsky und die Schauspieler Philipp Graber, Miriam Stein und Markus Maertens Platz. Das Gespräch leitete der Zürcher Film- und Kulturschaffende Thomas Krempke.

Zuerst umkreiste der Moderator die Schauspieler mit ein Paar allgemeinen Fragen. Wie er den Regisseur gefunden habe, wurde Markus Maertens gefragt: «Micha Lewinsky erinnert mich ein bisschen an Woody Allen. Er ist ein sensibler, humorvoller, wunderbarer Regisseur». Und wie er sich auf die Rolle, die vor 30 Jahren spielt, vorbereitet habe, wollte Krempke von Philipp Gerber wissen. «Wir haben immer mal diskutiert, ob man dieses oder jenes Wort damals auch gesagt hat», erzählte dieser.

Zehn Jahre von der Idee bis zum fertigen Film

Zehn Jahre zogen ins Land, von der Idee bis zur Realisation des Films, warum? Dazu Lewinsky: «Wir waren ja nicht zehn Jahre ununterbrochen daran; die Idee hat in der Zwischenzeit auch mal Staub angesetzt. Vor drei Jahren wurde es dann ernst. Ich wollte etwas über ein Leben machen, das verdeckt geführt wird.» Eigentlich mache er immer den gleichen Film, wenn er es sich jetzt so überlege, so Lewinsky lachend. «Es geht immer darum, dass jemand etwas verheimlichen muss.» Die Geschichte ins Theatermilieu zu verlagern, daran sei Max Frischs Fiche schuld. Frischs letztes Stück war eine Theater-Aufführung seiner Fiche.

Graber erzählte dann, wie er mit einem richtigen Spitzel der Kantonspolizei Zürich zur Vorbereitung auf die Rolle gesprochen habe. Lewinsky hakte nach. «Als junger Polizist wurde dieser Mann gezwungen, sich mit John-Lennon-Brille in der alternativen Szene zu bewegen. Nicht mal seine Frau wusste, was er arbeitete.» Der Deutsche Maertens wollte wissen, ob denn auch Privatpersonen ihre Nachbarn damals ausspionierten. «Lehrer machten Meldungen über ihre Schüler, Eltern über ihre Kinder», sagte Lewinsky. «Noch bis ins Jahr 2030 bleiben aber diese Informanten geschwärzt in den Dokumenten.»

«Die Spitzel fühlten sich doch auch als kleine James-Bonds», so Graber. «Ihnen wurde gesagt: Ihr seid die Verteidiger der Schweiz.» Der Film «Moskau Einfach!» ist ein Genre-Mix und das sei auch seine Stärke, wurde gesagt. «Es ist kein historischer Film, keine reine Komödie, kein Liebesfilm, da es keine wirkliche Liebesszene gibt und es ist auch kein politischer Film. Aber es ist alles davon mit drin», sagte Lewinsky.

Schlüsselszene als Gilberte de Courgenay

Miriam Stein, die weibliche Hauptrolle, wandte sich ans Publikum. «Wie hat denn Euch der Film gefallen, ganz ehrlich», und sie erntete viel Zustimmung. Sie habe den Film insbesondere auch wegen der «Schlüsselszene» mit ihrem Auftritt als Gilberte de Courgenay machen wollen. «Eine so tolle Szene mit einem so klugen Text. Da konnte ich mich richtig reinsteigern, meiner Spielfreude freien Lauf lassen - auch körperlich.»

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