Kulturfabrik Kofmehl
«Einer Band wegen ihrer Herkunft den Auftritt zu verbieten wäre falsch»

Der Band Hamferd, welche am Dienstag im Kofmehl auftritt, wird vorgeworfen, mit Walfang in Verbindung zu stehen. Beweise dafür finden sich - abgesehen von ihrer Herkunft - aber nicht. Die Kulturfabrik distanziert sich klar von solchen Praktiken.

Joshua Villing
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Die Band Hamferd wird am Dienstagabend in der Kulturfabrik Kofmehl auftreten.

Die Band Hamferd wird am Dienstagabend in der Kulturfabrik Kofmehl auftreten.

om/facebook

Am Dienstagabend tritt die finnische Band «Amorphis» in der Kulturfabrik Kofmehl auf. Als Vorband wird die Band «Hamferd» von den Färöer-Inseln spielen.

Leser Dominic Haldi fordert, dass der Auftritt dieser Band verboten werden soll, wie er der Solothurner Zeitung schreibt. «Diese Band steht zu Walfleischkonsum und ist sicher auch bei den Walschlachtungen mit dabei.» Familienmitglieder der Musiker seien definitiv direkt am Walfang beteiligt.

Er fordert deshalb, dass sich die Kulturfabrik Kofmehl von «solchen Greueltaten» distanziert.

Kofmehl distanziert sich

Die Kulturfabrik Kofmehl nimmt auf Anfrage klar Abstand von illegalem Walfang und anderen tierquälerischen Praktiken. Hinweise darauf, dass die Band Hamferd mit solchen Praktiken in Verbindung stehe, oder diese unterstütze, habe man keine gefunden, sagt Booker Chrigu Stuber.

«Wenn wir eine Band buchen, welche wir noch nicht kennen, überprüfen wir diese immer eingehend. Wir wollen Bands, welche klar gewaltverherrlichende Texte haben, eine extreme politische Gesinnung haben, oder sich für tierquälerische Praktiken einsetzten, keine Plattform bieten.»

Ob es sich dabei um eine Hauptband oder eine Vorband handle, mache keinen Unterschied. «Wenn eine Band eine Gesinnung vertritt, welche diskriminierend oder anderweitig nicht vertretbar ist, buchen wir diese auch nicht», so Stuber.

Ein Teil der Kultur

Unsere Recherchen zur Band lieferten keine Hinweise auf eine Verbindung zum Walfang. Auch Leser Dominic Haldi kann eine solche nicht nachweisen.

Für ihn ist die Herkunft der Band bereits Beweis genug für die Verbindung zur Waljagd. «Die Band ist stark in der Tradition der Färöer-Inseln verankert. Der Walfang ist auf diesen Inseln ein fester Bestandteil der Kultur. Zu Zeiten der Waljagd sind die Strassen und Geschäfte auf der Insel praktisch leer, weil alle in der Bucht sind», meint er.

Es sei also praktisch sicher, dass eine so traditionell ausgerichtete Band wie Hamferd sich auch an der Waljagt beteilige, oder diese zumindest unterstütze. Weiter habe die Band engen Kontakt zu anderen Bands, welche den Walfang offen unterstützen und diesen sogar in ihren Texten verherrlichen würden.

«Die Polizei sollte die Bandmitglieder definitiv durchsuchen. Ich könnte mir denken, dass sie sogar Walfleisch oder Schmuck aus Walknochen bei sich haben», so Haldi weiter.

Ausserdem habe ihm der Sänger der Band als Antwort auf seine Vorwürfe auf Facebook geschrieben, dass ihm «ein wenig Walfleisch auch gut tun würde». Mittlerweile sei diese Aussage aber schon wieder gelöscht worden.

Bei der Kulturfabrik Kofmehl findet man in der Herkunft der Band keinen Grund, ihr den Auftritt zu verbieten. Chrigu Stuber: «Sonst müssten wir ja auch Auftrittsverbote gegen alle spanischen Bands aussprechen, weil in diesem Land Stierkampf betrieben wird. Und auch die vielen guten Bands aus England dürften nicht mehr in die Schweiz kommen, weil dort Hetzjagden auf Füchse ausgetragen werden.»

Das Management von Hamferd dementierte am Dienstag gegenüber der Kulturfabrik eine Verbindung der Band zum Walfang.