Solothurn
Ein Jahr seit Party-Ende - und noch immer ohne «Eleven»-Ersatz

Markus Moerler und Olcay Sahin haben bis vor einem Jahr das Eleven an der Fabrikstrasse geführt. Seither haben sie viele Locations angeschaut, sind aber noch nicht fündig gefunden.

Wolfgang Wagmann
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An diesen Standorten kann kein Club Eleven weitergeführt werden
6 Bilder
Ein Baugesuch für das Bucher-Areal in Langendorf steiss auf eine Einsprachenflut
Leere Etage in der ehemaligen Hauptpost - doch kein Platz für einen Club
Loeb und die Post sind ausgezogen, doch ein neues Eleven hat keinen Platz
Die Fabrik an der Grenchenstrasse wird Moschee statt Partytempel
Die Offerten im Delta-Areal lagen für Markus Moerler zu hoch

An diesen Standorten kann kein Club Eleven weitergeführt werden

Wolfgang Wagmann

«Eigentlich dachten wir, zweieinhalb Jahre würden reichen:» Nun, ein weiteres Jahr später, weiss es Markus Moerler besser: Noch immer fehlt ein neuer Standort für seinen Club Eleven, der am 15. Juni 2014 nach der letzten Party an der Fabrikstrasse die Türen für immer geschlossen hat. Vor besagten dreieinhalb Jahren hatten sich Moerler und sein Partner Olcay Sahin, zusammen Inhaber der Eleven Management AG, nach der Kündigung des Mietvertrags durch die Sasolim AG gesagt: «Das ist doch kein Problem. Da finden wir schon etwas.»

Es war ein Problem. Schon bald dachten die Beiden, sie seien im Delta-Areal fündig geworden. «Das Objekt hätte uns gepasst.» Dann der Schock: Quadratmeterpreise, weit über den in der Industrie gängigen Ansätze. «Die Parkplätze kosteten sogar noch mehr als das vorgesehene Clublokal.» Die Erklärung des potenziellen Vermieters: Man könne keine tieferen Mietzinse eingehen als damals bei der Kreditvergabe durch die Bank. Sonst würde diese auf Rückzahlung der Hypothek pochen oder die Zinsen erhöhen.

Lieber lasse man das Objekt deshalb leer stehen. Markus Moerler schüttelt den Kopf. Das ist das, was er nicht verstehen kann: Überall in der Stadt und näheren Region stünden Abertausende Quadratmeter Gewerbe- und Industrieflächen leer. «Alle warten auf einen Sawiri, der alles nimmt und zahlt», so sein Eindruck.

Das Spiessrutenlaufen

Kurz nach der «Eleven»-Schliessung sah es wieder nach einer Lösung im Süden von Langendorf aus: Doch ein Baugesuch für den neuen Club erntete eine Flut von Einsprachen, laut Moerler lanciert durch den ehemaligen Besitzer des Objekts. «Dabei hätten wir alle Auflagen erfüllen können.» Doch Angst, Neid, Missgunst und «Gärtli-Denken» seien stärker gewesen. Unverzagt klopften die Standortsucher alle in Frage kommenden, erdenklichen Liegenschaften ab. «Stand heute haben wir alles abgegrast». Aus einer ins Auge gefassten Fabrik an der Grenchenstrasse soll nun eine Moschee werden; auch wollte Ypsomed nichts von einer Nutzung der nachts brachliegenden Parkplätze wissen.

In der Vorstadt wurden die Club-Interessenten zuletzt mit einem 11-Mio-Umbau konfrontiert. «Unmöglich», so Moerler. Im ehemaligen Post- und dann Swisscom-Gebäude am Postplatz verhandelte man lange mit der Eigentümerin, einer Stiftung. «Ein ganzes Stockwerk steht dort seit fünf Jahren immer noch leer.» Ein Konzept, im ehemaligen Post- und Loeb-Standort an der Wengistrasse – heute weitgehend leer und zu vermieten - tagsüber ein Restaurant und nachts einen Club einzurichten, sind beim Vermieter einfach versandet.

Und auf dem Sulzer-Areal habe die Swiss Prime Site sogar vier Machbarkeitsstudien auf eigene Kosten durchgeführt, denn eine Durchmischung des Areals auch mit einem Kulturbetrieb sei dort ein Ziel. Am Schluss hiess es aber wieder: «Leider haben wir kein Plätzchen für Euch.»

Die Geschichte des Eleven-Clubs in Bildern:

Die Geschichte des Eleven-Clubs 2008 - Pioniergeist, Markus Moerler, wie Eleven begann.
15 Bilder
2008 - Eröffnungsparty
2008 - Eröffnungsparty
2009 - Maskenball - Auch zur Fasnachtszeit war das Eleven beliebt
2009 - Maskenball - Der Partymacher Moerler im Afrolook
2009 - Maskenball - eine Krankenschwester und ein kleiner Teufel
2009 - Maskenball - auf dem «Motorrad» im Eleven
2010 - Barracuda-Disco - Auch Nostalgie wurde gepflegt
2010 - Barracuda-Disco - Die Tanzfläche war meistens voll.
2013 - Auch Prominenz stand am Eleven-DJ-Pult - Giulia Siegel
Die Geschichte des Eleven-Clubs
2014 - Die letzten Tage des Eleven - Markus Moerler Olcay Oruç Sahin
2014 - Die letzten Tage des Eleven
2014 - Die letzten Tage des Eleven - Hier werden in Zukunft keine Drinks mehr ausgeschenkt.
2014 - Die letzten Tage des Eleven - Und hier wird in Zukunft nicht mehr getanzt.

Die Geschichte des Eleven-Clubs 2008 - Pioniergeist, Markus Moerler, wie Eleven begann.

Felix Gerber

Nett, aber unverbindlich

Auch von der Politik und Behördenseite können Markus Moerler und Olcay Sahin kaum Hilfe erwarten. Für das Anliegen der Bevölkerung ab 20 Jahren, am Wochenende in einem Club ausgehen zu können, gebe es keine Lobby. Und die vielen Kontakte mit Vertretern von Stadt oder Kanton zur Nutzung von städtischen Sälen für Einzelanlässe oder eine Standortvermittlung in Luterbach seien ergebnislos geblieben. Zwar «nett und hilfsbereit» schildert Moerler seine Ansprechpartner - aber letztendlich seien alle auf der unverbindlichen Seite ohne konkrete Zusagen geblieben. «Wir bräuchten einen Unternehmer, der rasche Entscheide zu unseren Gunsten fällt und bereit ist, mitzumachen.» Auch grosse Konzerne mit ihren trägen Entscheidungsketten seien dafür eher ungeeignet.

Wenigstens können Moerler und Sahin im «Solheure» ab und zu eine Party veranstalten, damit das «Eleven» nicht vergessen geht. «Wir haben noch ein Jahr Zeit», glaubt der ehemalige Clubbetreiber. «im ganzen Kanton gibt es keinen Club mehr, der regelmässig geöffnet hat. Ein solcher ist aber wichtig für die Attraktivität einer Region.»

Hohe Investitionen

Markus Moerler glaubt daran, dass sich doch noch eine Bleibe für einen neuen Klub finden lässt. Sonst gehe es so wie überall weiter, wo diese Ausgangsmöglichkeiten fehlen: «Irgendwann fangen Leute wieder mit einem Underground-Angebot abseits der Legalität und Kontrolle der Behörden an. Sie fragen gar nicht erst», weiss der 47-jährige Event-Organisator aus langer Erfahrung.

Auch warnt er vor Illusionen, was den Geldsegen aus einem Club-Betrieb anbelangt: «Zuerst müssen mindestens 800 000 Franken in die Sicherheits- und Sanitär-Infrastruktur eines Gebäudes investiert werden.» Aktuell hat Markus Moerler mit dem Oktoberfest in der Reithalle noch ein Party-Pferd am Laufen. «Dafür ist die Reithalle ideal und authentisch.» Ansonsten hat er im März bei Feldschlösschen als temporärer Event-Coach für grosse Sommer-Openairs angeheuert. Immer in der Hoffnung, in der Region Solothurn wieder das machen zu können, was ihm im Blut liegt: einen Club mit grosser Anziehungskraft zu betreiben.

Der Kommentar zum Thema finden Sie hier

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