Solothurn
An Ideen mangelt es im Buch «Chargé pour Soleure» nicht

Im Buch «Chargé pour Soleure» sind 11 Geschichten rund um Solothurn aus der Feder von Reto Stampfli, Reto Sperisen, Sven Witmer und Ilia Rohde zu finden. Aber Achtung: Es gibt nur 1111 Ausgaben. An der Buchvernissage im Landhaus gab es Leseschmaus.

Jaqueline Müller
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Neues Buch mit 11 Solothurner Geschichten wird vorgestellt
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Sven Witmer, Zahnarzt und Buchautor, liest eine seiner Geschichten.
Auch Reto Stampfli liest vor

Neues Buch mit 11 Solothurner Geschichten wird vorgestellt

Jacqueline Müller

Wessen Geist haust in einer leeren Flasche im Keller der Öufi-Brauerei? Wie könnte die Solothurner Torte entstanden sein? Und warum fürchteten einst Schnecken und Biber die Solothurner Kapuzinermönche?
Im Landhaus wurden am Dienstagabend Geheimnisse und Legenden rund um Solothurns Ess- und Trinkkultur gelüftet.

Vor geladenen Gästen präsentierte die Regio Energie Solothurn den jüngsten Spross ihres literarischen Langzeitprojekts: «Chargé pour Soleure», ein Buch mit elf Geschichten aus der Feder der lokalen Autoren Reto Stampfli, Reto Sperisen, Sven Witmer und Ilia Rohde, bebildert durch Illustrationen von Rolf Imbach. Es ist die zweite Ausgabe einer elfteiligen Serie alter und neuer Solothurner Geschichten.

Bisher wurde diese Erzählform kulturell etwas vernachlässigt - dem will nun die Buchreihe Abhilfe schaffen. «Geschichten begleiten uns von Kindesbeinen an», meinte Felix Strässle, Direktor der Regio Energie Solothurn, zur Begrüssung. «Wir wollen dazu beitragen, diese Kultur lebendig zu halten.»

Beschwipste Schiffsleute

«Chargé pour Soleure» - diesen Ausdruck könnte man fälschlicherweise auch dem Stromgeschäft zuordnen. Er stammt aber aus früheren Zeiten, als Weinladungen aus der Romandie auf dem Schiffsweg nach Solothurn transportiert wurden. Während einer solchen Reise floss oft ein respektabler Teil der Fracht als «Lohn» in die Kehlen der Schiffsbesatzung, so dass diese ebenfalls ein wenig «verladen» am Zielort ankam.

Oft haftet auch Schriftstellern das Klischee an, eine Liaison mit dem Flaschengeist zu pflegen. Muss man als Autor selbst ein bisschen «chargé» sein, um sich die nötige Inspiration für solche Geschichten zu holen? Ilia Rohde schüttelt den Kopf: «Hinter einer Geschichte steckt viel Arbeit», sagt der Jungautor. «Ich feilte mehrere Wochen daran herum, hatte immer wieder neue Ideen für einzelne Passagen.»

An Ideen mangelt es dem Buch wahrhaftig nicht. Von modernem SMS-Slang zu Goethe-Zitaten, von Prosa bis zu einem gereimten Bouillabaisse-Rezept decken die Autoren das ganze Spektrum der Sprache ab. An der Vernissage erweckten sie ihre Figuren zum Leben und setzten dabei künstlerische Freiheit vor historische Genauigkeit, sodass ein mit Bierdose ausgerüsteter Aareschwimmer auch mal auf Schiffsleute aus vergangenen Zeiten trifft. Eine gute Portion Schalk und Humor war den Autoren beim Projekt wichtig: «Wir sind sehr lebensfrohe Menschen», sagt Reto Stampfli und zwinkert.

Die 1111 Exemplare der aktuellen Ausgabe sind aktuell in der Auslage des Buchhaus Lüthy zu finden. Auch auf die nächste Ausgabe darf man schon gespannt sein - das Thema des kommenden Jahres trifft einen zentralen Nerv der Kulturstadt. Soviel sei verraten: Es geht nach Honolulu.