Kirche

Solothurner Abt fordert Rücktritt von Bischof Huonder

Abt Peter von Sury fordert Bischof Vitus Huonders Rücktritt

Abt Peter von Sury fordert Bischof Vitus Huonders Rücktritt

Der Churer Bischof Vitus Huonder eckt immer mal wieder an. Jetzt fordert mit Abt Peter von Sury erstmals ein hoher kirchlicher Würdenträger den Bischof zum Rücktritt auf. Zudem stellt er die Praxis der Bischofsernennung in Frage.

Die konservativen Ansichten von Bischof Vitus Huonder veranlassten ihn in der Vergangenheit dazu, in einem Hirtenbrief zu schreiben, das göttliche Recht gehe den Menschenrechten voraus. In einem Interview im März sagte er, Eltern sollte es möglich sein, ihre Kinder vom Sexualkundeunterricht zu dispensieren - Aufklärung über Aids sei in Ordnung, aber die Empfehlung, Kondome zu verwenden, sei ein Eingriff des Staates in die religiöse Freiheit. Auf die Frage, ob ein homosexuelles Paar ein Kind ebenso gut aufziehen könne wie ein Heterosexuelles, sagte er: «Die Ordnung der Natur, die wir Christen als von Gott gegeben betrachten, spricht dagegen.»

Jetzt fordert mit Abt Peter von Sury erstmals ein hoher kirchlicher Würdenträger den Bischof zum Rücktritt auf. Der 62-jährige Peter von Sury ist Abt des solothurnischen Benediktinerklosters Mariastein und somit des wichtigsten spirituellen Zentrums für Katholiken der Nordwestschweiz.

«Der Bischof ist ein Spaltpilz»

In einem Interview mit der «Spatzzeitung» forderte Peter von Sury, Bischof Huonder in Chur sei seiner Ansicht nach moralisch verpflichtet, das Amt niederzulegen. Denn ein Bischof habe eine zentrale Stellung, er sei ein Brückenbauer und müsse eine integrierende Persönlichkeit haben. Dies sei beim Bischof nicht der Fall. «Er ist offensichtlich nicht ein Brückenbauer, sondern ein Spaltpilz.» Dies sei in jeder Hinsicht verheerend.

Für Abt Peter von Sury ist ein Teil des Problems nicht nur der Bischof selbst, sondern das System, das ihn gewählt hat. Eine ungelöste Frage betrifft die Bischofsernennungen. Heute ernennt ausschliesslich der Papst die Bischöfe. «Diese Praxis muss geändert werden.» Denn durch die exklusive Ernennung durch den Papst halte sich das System selbst aufrecht und erneuere sich nicht. Der Abt fordert somit, dass Bischöfe nicht mehr durch den Papst ernennt werden, sondern durch die Gläubigen, den Klerus und benachbarte Bischöfe. So wurde es während dem ersten Jahrtausend der Kirche gehandhabt. «Dieses Verfahren ist sinnvoll», sagt von Sury.

Keine Stellungnahme aus Chur

Gemäss kanonischem Recht der katholischen Kirche haben die Gläubigen das Recht, ihren Bischöfen die Meinung zu sagen. Dies sei zwar eine gute Absichtserklärung, aber sie funktioniere nicht, da in Rom zu viele Themen einfach schubladisiert würden, so Peter von Sury. «Das heute in der Kirche angewendete Verfahren steht sowohl kirchengeschichtlich als auch theologisch auf schwachen Füssen.»

Die medialen Äusserungen des Abts aus dem Kloster Mariastein gelangten auch nach Chur zum Bischof. Dort will man den Ruf nach Öffnung in der Kirche allerdings nicht kommentieren. «Wir nehmen dazu keine Stellung», sagt Mediensprecher Giuseppe Gracia.

Abt Peter von Sury ist nicht der einzige, der die Kirche aufzurütteln versucht. Kürzlich sorgte Abt Martin Werlen vom Kloster Einsiedeln für Aufsehen. In einer Broschüre mit dem Titel «Miteinander die Glut unter der Asche entdecken» forderte er, dass sich die Kirche dringend öffnen müsse.

Meistgesehen

Artboard 1