Stadttheater Olten
Stargeiger Daniel Hope reisst das Oltner Publikum mit barocker und spätromantischer Musik mit

Das Zürcher Kammerorchester gastierte mit dem charismatischen Geiger und Musikdirektor Daniel Hope im Oltner Konzertsaal.

Peter Kaufmann
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Daniel Hope - Zürcher Kammerorchester im Stadttheater Olten

Daniel Hope - Zürcher Kammerorchester im Stadttheater Olten

zvg/Stadttheater Olten

Wie berichtet man über ein Konzert, das aus lauter Höhepunkten besteht? Das Zürcher Kammerorchester unter Daniel Hope machte auf seiner kurzen Herbsttournee am Mittwochabend Halt in Olten und stellte mit einer Mischung aus seltenen, fast völlig unbekannten Werken und beliebten Musikstücken ein überaus besonderes Programm vor. Das Publikum jubelte und eine Standing Ovation war Pflicht.

«Es ist schön, wieder vor richtigen Menschen auftreten zu können und das in einem völlig gefüllten Saal»,

meinte denn auch der irisch-deutsche Stargeiger Daniel Hope – seine Bescheidenheit im persönlichen Auftritt ergänzt das Charisma, das er als Solist ausstrahlt. Gewiss, er brillierte im Concertino op.42 von Mieczyslaw Weinberg als Violinvirtuose und rührte das Publikum mit seinen Kadenzen im langsamen 2. Satz zu Tränen. Hope ist ein Meister der feinen, leisen Töne. Schnelle Tempi aber geht er energisch und zielbewusst an, gefolgt von einem gut eingespielten Orchester, das er in den letzten fünf Jahren auf sich zugeschnitten hat.

Weinberg? Dies dürfte ein Komponistenname sein, den nur wenige kennen. Als polnischer Jude vor den Nazis nach Russland geflüchtet und vom Komponisten Dmitri Schostakowitsch gefördert, war Weinberg auch dort vor Verfolgung nicht sicher. Sein spätromantisches Concertino entstand 1948, im selben Jahr, indem sein Vater von stalinistischen Schergen ermordet wurde.

In seinen spätromantischen Klängen ist – anders als bei Schostakowitsch – aber wenig von der politischen Unbill jener Jahre zu merken. Lyrisch-träumerischer Wohlklang träufelt angenehm ins Ohr. Und doch lauert hinter einer vermeintlich leichten, ja unterhaltenden Oberfläche eine gedankentiefe Schwere, die berührt und nachdenklich macht. Ein grossartiges Stück Musik, das in Olten exklusiv zu hören war: Diesen Freitagabend erklingt nämlich das sonst genau gleiche Programm in der Dresdener Frauenkirche, allerdings mit einem anderen modernen Werk.

Zwei barocke Werke machten den Auftakt zum Oltner Konzert – beide ungewöhnlich besetzt und eher selten gespielt. Zwei Violinsolisten verlangt nämlich das Concertino G-Dur TWV 52:G1 von Georg Philipp Telemann. Oft wird es als Dresdner Konzert bezeichnet, ist aber am Eisenacher Hof entstanden, wo Telemann einige kurze Jahre angestellt war. Gleich vier Violinen in solistischer Funktion prägen das Concerto h-Moll op. 3 Nr. 10 RV 580 von Antonio Vivaldi: Die Solo-Instrumente geben jeweils eigene Themen vor, finden dann aber nach kurzem Wettstreit zu gemeinsamen Klängen. Auch wenn gelegentlich mal ein Tönchen nicht ganz an der richtigen Stelle zu sein schien, zeigte das Zürcher Kammerorchester, wie viel Spass und Freude diese über 300 Jahre alten Musikstücke machen können. Ein Live-Erlebnis halt.

Mit wunderschöner Musik und ohne allzu viel Zuckerguss: Die «Souvenir de Florence» von Iljitsch Tschaikowsky interpretierten das Zürcher Kammerorchester gleich nach der Pause. Zwar meisterte Stargeiger Daniel Hope mit viel Gefühl ein grösseres Solo und einen stimmigen Zwiegesang mit dem Cello, aber sonst ist das Streichsextett d-Moll op. 70 in dieser Fassung ganz auf das Streichorchester mit zwei Kontrabässen zugeschnitten.

Das Publikum zeigte sich zurecht begeistert, und so gaben die Zürcher Musiker sogar drei ungewöhnliche Zugaben. Packend erklangen zum Abschluss der lebhafte erste Satz aus der Holberg-Suite op. 40 von Edvard Grieg und anschliessend das gefühlvolle Air, gewissermassen als Zückerchen für den Nachhauseweg. Zuvor aber zeigten sich Daniel Hope und das Zürcher Kammerorchester von ihrer jazzigen, swingenden Seite: Zwar tanzte niemand zu George Gershwins «I’ve Got Rhythm», obwohl Hope dazu aufforderte, aber zumindest summte hie und da jemand diesen unsterblichen Musicalsong zaghaft mit.