Olten SüdWest
Stadtplaner Lorenz Schmid: «Die Stadt muss ihre Vision des Quartiers anpassen»

Die Oltner Stadtbehörden wollen den Gestaltungsplan des Areals Olten SüdWest anpassen. Nun sagt der Oltner Stadtplaner Lorenz Schmid, dass die Stadt ihre Vision vom neuen Quartier anpassen muss. Als man die Entwicklung des Areals anging, sei man zu optimistisch gewesen.

Fabian Muster
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Herr Schmid, die von der Stadt gewünschte Gestaltungsplanänderung könnte man wie ein nachträgliches Eingeständnis lesen, dass die Stadt das Areal damals, als es ihr angeboten wurde, hätte kaufen müssen.

Lorenz Schmid: So würde ich das nicht sehen. Das erste Baufeld steht. Nun müssen wir daraus lernen. Die Stadt und Areal-Besitzer Sigmund Bachmann wollen nun gemeinsam verbessern, was möglich ist. Wir reden hier von einem Fünftel der Stadtfläche, die in den nächsten Jahren überbaut wird. Da dürfen wir ruhig schlauer werden.

Die Stadt und nun sogar der Bauherr geben mittlerweile zu, dass die bisherigen Gebäude zu eintönig wirken. Olten als Besitzerin und Bauherrin hätte viel mehr Einfluss gehabt als jetzt nur über einen Gestaltungsplan.

Das ist sicher so. Man hätte besonders die Möglichkeit gehabt, verschiedene Bauträger auf den Platz zu holen, da die Stadt die Überbauung sicher nicht selbst hochgezogen hätte. Eine mögliche Trägerschaft wäre beispielsweise eine gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft gewesen.

Die Gestaltungsplanänderung löste bei gewissen Architekten Überraschung und Erstaunen aus vor allem punkto Rechtssicherheit.

Der bisherige Gestaltungsplan stammt aus dem Jahr 2008. Nach fünf Jahren ist es per Gesetz wieder möglich, eine Änderung vorzunehmen. Zudem hatten wir damals aus heutiger Warte betrachtet eine zu optimistische Sicht: Die Vision von Olten SüdWest als einem neuen urbanen Stadtteil mit innerstädtischem Flair war zu überzeichnet – mit Gewerbe- und Dienstleistungsnutzungen im Parterre und Wohnungen in den darüberliegenden Geschossen. Nun müssen wir eingestehen, dass es wohl einfach ein neues Wohnquartier wird. Das Ziel muss jetzt sein, ein Quartier mit hoher Wohnqualität und möglichst vielen Grünflächen zu realisieren, in dem es auch Gewerbe gibt.

Die Änderung des Gestaltungsplans soll möglichst rasch über die Bühne, damit Sigmund Bachmann weiterbauen kann. So ein Prozess kann aber ruhig mal mehrere Jahre dauern, sagen Fachleute.

Nach dem groben Zeitplan rechnen wir damit, dass Areal-Besitzer Bachmann in drei Jahren weiterbauen kann. Gibts Einsprachen oder sonstige Verfahrensverzögerungen wie beim letzten Mal, als das Gemeindeparlament noch Nachbesserungen beim Gestaltungsplan wollte, gehts länger. Auch ein Mitwirkungsverfahren wird es zum Beispiel wieder geben.

Bei der Ausarbeitung des Gestaltungsplans wurde der Stadt vorgeworfen, dass es für den Bauherrn keine Pflicht zu einem Architekturwettbewerb oder keinen Zwang zum Minergiestandard gibt. Will man das nun nachholen?

Diese Themen müssen wir mit dem Areal-Besitzer diskutieren. Zugleich müssen wir uns aber auch bewusst sein, dass wir die Zügel nicht zu eng schnall dürfen. Zudem ist ein Architekturwettbewerb kein Heilsversprechen für gute Qualität.

Kritisiert wird von einigen Architekten nun auch, dass von der gleichmässigen fünfstöckigen Geschosshöhe abgerückt werden soll, obwohl dies gut mit der Gäu-Ebene korrespondiere.

Dieser Einwand ist verständlich. Doch wir haben nicht primär den städtebaulichen Aspekt im Fokus, sondern die gesamte Entwicklung des Areals. Oberstes Ziel ist Vielfalt, baulich und gesellschaftlich, und davon ausgehende Lebendigkeit und Lebensqualität im Quartier. So ergeben sich mehr Chancen, in dem etwa mal verdichtete Studentenwohnungen möglich sind, daneben aber auch höherwertige Wohnangebote in den oberen Etagen oder in durchgrünten dreigeschossigen Häusern.

Wie läuft das Vorgehen bei der Gestaltungsplanänderung genau ab?

Angedacht ist eine erste Phase mit der Erstellung eines Masterplans. Dabei wird in Modellen gearbeitet und bestimmt, wie viel Freiräume es zwischen den Gebäuden gibt, wie viele Geschosse zugelassen werden und ob die Dichte so beibehalten werden soll wie bisher. In einer zweiten Phase wird der Gestaltungsplan mit den Sonderbauvorschriften erstellt. Vorgesehen ist, dass beim ganzen Verfahren vermehrt Oltner Architekten involviert werden.

Wie soll in Ihren Augen das Areal
Olten SüdWest in 20 Jahren aussehen?

(Überlegt lange.) Olten SüdWest wird als Wohnquartier – mit Büros in der Nähe des Hammerbahnhofs – mehrheitlich überbaut und gut angebunden sein an die Innenstadt mit der Personenunterführung Hammer. Das Areal weist Gebäude mit verschiedenen Geschosshöhen und einen hohen Grünanteil auf. Die Bewohner stammen aus allen Altersschichten. Als Vorbild ziehen wir manchmal das Quartier Vauban im deutschen Freiburg heran.

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