Kunden können beim Monopolisten jetzt auch Lampen kaufen

Die Aare Energie AG lanciert einen Onlineshop für energieeffiziente Produkte – das stösst auf Kritik bei Politik und Gewerbe.

Rebecca Rutschi/Fabian Muster
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Kürzlich schaltete die Aare Energie AG (A.en) einen Onlineshop auf. Angeboten werden von der Tochterfirma der Städtischen Betriebe Olten, die im Besitz der Einwohnergemeinde ist, verschiedene Artikel, die das Wohnen smarter und ökologisch nachhaltiger machen sollen. Beat Erne, Vorsitzender der Geschäftsleitung und Leiter Marketing und Vertrieb, sagt auf Anfrage: «Der Shop wurde als Ergänzung unserer Dienstleistungen lanciert, und um mehr Kundennähe zu schaffen. Mit Einzelprodukten, wie etwa LED-Lampen, hatten wir bereits früher Einzelaktionen durchgeführt.» Die A.en kenne man als Kunde sonst vor allem dann, wenn man zum Beispiel eine Energierechnung bekomme. Mit dem Onlineshop biete sich nun eine neue und digitale Möglichkeit der Kundenansprache.

Diese Idee sei an sich nichts Neues, berichtet Erne. Früher sei es normal gewesen, dass Elektrizitätswerke kleine Fachhandelsgeschäfte in ihre Räumlichkeiten eingegliedert hätten. Und auch heute böten verschiedene Energieversorger neben ihrer Haupttätigkeit ergänzend Produkte im Onlinehandel an. Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) oder Energie Wasser Bern (EWB) haben ihren virtuellen Shop beispielsweise nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch sehr ähnlich aufgebaut wie die A.en. Das liegt daran, dass diese Shops von demselben «White Label»-Anbieter betrieben werden. Im Falle der Onlineshops der EKZ, EWB und A.en ist dieser Anbieter Primeo Commerce. Der Begriff «White Label» wird gebraucht, wenn Produkte eines Herstellers unter verschiedenen Namen vermarktet werden. Der Hersteller tritt dabei nicht in Erscheinung. Für die Shops bedeutet das also, dass Primeo Commerce eine Webstruktur entwickelt und in Zusammenarbeit mit Produktanbietern im Bereich Strom, Wasser und Sicherheit ein Standardangebot für die Shops zusammengestellt hat. Der Umsatz, den der Shop abwirft, geht direkt an den Betreiber, welcher auch die Abwicklung und die Logistik übernimmt. Die Energieversorger werden erst anschliessend über einen Schlüssel daran finanziell beteiligt.

Das neue Geschäftsfeld der A.en stösst auf Kritik. SVP-Parlamentarier Matthias Borner schreibt auf Anfrage, dass zwar in einer freien Wirtschaft nichts gegen Wettbewerb einzuwenden sei. Die Spiesse sollten jedoch gleich lang sein. Die Energieversorger lieferten aufgrund des gesetzlichen Auftrages keine Steuern ab. «Die A.en darf ihre Monopolstellung nicht dazu nutzen, steuervergünstigt private KMU zu konkurrenzieren.» Die Frage ist, die sich gemäss Borner für Parlamentarier stellt, ob diese Ausdehnung des Geschäftsfelds im Interesse der Stadt und des Gewerbes ist. Auch Andreas Jäggi, Co-Präsident von Gewerbe Olten und Geschäftsführer der Elektro- und Telematikfirma Käser AG, zeigt sich nicht nur erfreut über das Engagement der A.en. Persönlich habe er Mühe damit, wenn öffentliche Unternehmen in die Privatwirtschaft eingriffen, sagt Jäggi. Die A.en falle in diesem Aspekt aber zum ersten Mal auf. Sie habe sich zuvor immer strikt auf ihre Dienstleistungen Wasser- und Energielieferung beschränkt. Konkurriert wird in seinen Augen vor allem der Fach- und der Onlinehandel.