Katharina Muff
«Grosse Chance für Stadt Olten»: Neues Schulhaus im Kleinholz soll nach einer wichtigen Frauenrechtlerin benannt werden

Ein Komitee aus elf Frauen schlägt vor, dem neuen Schulhaus im Kleinholz den Namen der Oltner Frauenrechtlerin Katharina Muff zu geben. Sie geben mehrere Gründe an für diese Idee, die sie dem Stadtrat überreichten.

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Katharina Muff (1868-1951).

Katharina Muff (1868-1951).

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Kürzlich wurde der Metzina-Wächter-Platz an der Mühlegasse unterhalb der Oltner Altstadt eingeweiht. Ein Frauenkomitee namens «Oltnerinnen sichtbar machen» will nun aber mehr: Die elf Frauen schlagen vor, dem neu entstehenden Schulhaus im Kleinholzquartier den Namen der Oltner Pionierin Katharina Muff zu geben.

Es wäre das erste öffentliche Gebäude in Olten, das den Namen einer historischen Persönlichkeit erhalten würde und somit ein Novum in der Stadt. Das eigens dafür gegründete Komitee will so eine Oltner Frau würdigen, die sich zeitlebens für die Rechte der Frauen eingesetzt hat, obwohl Muff damals weder wählen noch abstimmen konnte.

«Für die Stadt Olten ist es eine grosse Chance, das neue Schulhaus im Kleinholz nach dieser mutigen, hart arbeitenden Frau, Politikerin und Mutter zu benennen»,

heisst es in der Mitteilung des Komitees. Am Montagmorgen wurde dem zuständigen Stadtrat und Bildungsdirektor Nils Löffel der entsprechende Vorschlag übergeben. Das Komitee besteht aus Historikerinnen, Lehrerinnen, vor allem rot-grünen Gemeinde- und Kantonsrätinnen sowie aus der Enkelin der Pflegetochter Katharina Muffs.

Katharina Muff war eine Kämpferin für Frauenrechte

Die Lebensgeschichte von Katharina Muff (1868–1951) stehe exemplarisch für den Kampf für die Chancengleichheit von Frauen in Politik, Beruf und Bildung im frühen 20. Jahrhundert, heisst es in der Mitteilung des Komitees. Mit einer nur rudimentären Schulbildung für Mädchen in Rechnen, Schreiben und Lesen hatte sich die 16-Jährige als Tochter einer armen und kinderreichen Kleinbauernfamilie aus Altbüron LU nach Olten aufgemacht, um bei einer angesehenen Arztfamilie als Hausmädchen zu arbeiten. Ab 1890 lebte sie mit ihrer Familie im Kleinholzquartier. Sie führte mit ihrem früh verstorbenen Mann während 30 Jahren eine Gärtnerei und war als Samenhändlerin auf Märkten unterwegs. Politisch wurde sie 1911 aktiv: Sie gründete den ersten Arbeiterfrauenverein, die spätere SP-Frauengruppe, und weitere Frauengruppen. Muff trat auch als Rednerin auf und hielt Bildungsvorträge. Zu ihrer Zeit sei sie «die bekannteste Kämpferin für die Gleichstellung von Frau und Mann im Kanton» gewesen. (fmu)

«Auslöser für die Idee war der Spatenstich zum neuen Schulhaus», sagt Rita Lanz, die als Historikerin federführend war im Komitee. Diese Chance wollte man packen: So sei jemand aus dem Komitee auf die Idee gekommen, dass Katharina Muff, die laut Lanz «mit ganz wenig Schulbildung viel geleistet hat», die passende Persönlichkeit für ein neues Schulhaus sei.

«Katharina Muff-Schule im Kleinholz»: So soll das Schulhaus heissen. Die Übergabe an Stadtrat Nils Löffel: Rita Lanz (links) und ihre fünf Mitstreiterinnen (2. von links): Christine von Arx, Edith Hiltbrunner, Muriel Jeisy-Strub, Therese Angehrn-Breitler und Anita Huber.

«Katharina Muff-Schule im Kleinholz»: So soll das Schulhaus heissen. Die Übergabe an Stadtrat Nils Löffel: Rita Lanz (links) und ihre fünf Mitstreiterinnen (2. von links): Christine von Arx, Edith Hiltbrunner, Muriel Jeisy-Strub, Therese Angehrn-Breitler und Anita Huber.

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Von Muff weiss man dank der Recherchen der Oltner Historikerin Edith Hiltbrunner inzwischen einiges. Muff war auch eine der 52 Frauen, die anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des Frauenstimmrechts 2021 in der Berner Altstadt ausgestellt und an die Fassade des Bundeshauses projiziert worden war.

Warum soll gleich ein Schulhaus nach einer Frau benannt werden?

Warum fordert das Komitee, gleich ein Schulhaus nach einer Frau zu bezeichnen? Es sei in Olten bisher üblich gewesen, die Schulen nach den Quartieren zu benennen, sagt Lanz. Es spreche aber vieles dafür, neue Wege zu gehen. In nächster Zeit entstehen zum einen kaum neue Strassen und Plätze für diesen Zweck. Zum anderen sei es viel schwieriger, weil administrativ aufwendiger, bisherige Strassen oder Plätze umzubenennen.

Ferner gebe es mittlerweile auch in anderen Schweizer Städten Initiativen, neue und sogar bisherige Gebäude nach verdienstvollen Frauen zu benennen und «damit Identität für die heutigen Generationen zu schaffen», wie es in der Mitteilung heisst. So wurde kürzlich bekannt gegeben, dass fünf Gebäude des Berner Inselspitals Namen von Frauen erhielten.

Die elf Frauen des Komitees «Oltnerinnen sichtbar machen».

Die elf Frauen des Komitees «Oltnerinnen sichtbar machen».

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Das ist der Grund, wieso das Frauenkomitee keinen politischen Vorstoss oder keine Petition in der Bevölkerung lanciert hat: Man berücksichtige mit dem gut recherchierten Vorschlag, dass der Stadtrat die Namensgebung für Strassen, Plätze und Gebäude in engem thematischen und örtlichen Zusammenhang mit der Umgebung vornehmen soll.

Katharina Muff war als Erwachsene im Quartier Kleinholz zuhause. Nicht zuletzt ist das Komitee der Meinung, dass man so auf die vergleichsweise frühen Gleichstellungsbemühungen in der Bildung im Kanton und der Stadt erinnern kann. Dazu zählt die allgemeine Schulpflicht 1832 oder die erste Oltner Mädchenschulen ab 1812.

Stadtrat Nils Löffel wird Vorschlag in Stadtratssitzung einbringen

Bildungsdirektor Nils Löffel, der den Vorschlag am Montagmorgen entgegengenommen hat, äussert sich auf Anfrage so: Er sei überzeugt, dass in der Öffentlichkeit für Frauen mehr Platz eingeräumt werden müsse. Ob gleich ein Schulhaus der richtige Ort dafür sei, könne er aber nicht sagen. Er werde den Vorschlag in den Stadtrat einbringen und dann werde entschieden, wie es in der Sache weitergehe.

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