Bundesfeierttag
Nur wenige aber gut besuchte Feiern in Olten und Niederamt: «Wir wollten wieder einmal beieinander sein»

Es gab nicht allzu viele Gemeinden rund um Olten und im Niederamt, die unter den gegenwärtigen Umständen einer Bundesfeier durchführten. Wo sie aber stattfanden, da waren sie gut besucht. So, als wollten die Einwohnerinnen und Einwohner die seltene Gelegenheit des gemeinsamen Feierns wahrnehmen.

Urs Huber
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Erst war’s noch ganz gemütlich vor dem Alpschulhaus in Wangen bei Olten; mit dem Regen zogen die Besuchenden in die Festhalle Alp um.

Erst war’s noch ganz gemütlich vor dem Alpschulhaus in Wangen bei Olten; mit dem Regen zogen die Besuchenden in die Festhalle Alp um.

Patrick Luethy

Mindestens zwei Hürden hatte zu überwinden, wer heuer die Bundesfeier im herkömmlichen und bekannten Rahmen begehen wollte: die Covidpandemie und die Wetterkapriolen dieses Sommers. Viele Kommunen in der Region Olten und im Niederamt hatten schon im Voraus kapituliert, andere sagten eher kurzfristig angedachte Feiern ab. In Starrkirch-Wil etwa, wo unter dem sympathischen Motto «schlicht, aber fröhlich» am Abend des 31. Juli hätte gefeiert werden sollen, wurde der Anlass gestrichen. Man hätte unter freiem Himmel zusammenkommen wollen, aber das Wetterrisiko machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. Ebenso in Erlinsbach, wo man sich drei, vier Tage zuvor entschloss, die Feier am 1. August definitiv nach drinnen zu verlegen und auch kein Ersatz für die ausgefallene Festrednerin zu finden war. Auch Gretzenbach verlegte seine Feier spontan in die Turnhalle.

Ein Mehrfachwetterprogramm in Wangen bei Olten

In Wangen dagegen wollte man feiern. Bereits in der akutesten Phase der Pandemie, im letzten Sommer, liess man sich etwas einfallen, um den Bundesfeiertag nicht gänzlich ungenutzt verstreichen zu lassen. Damals besorgte man sich eine überdimensionierte Schweizer Fahne und liess diese durch die Einwohnerinnen und Einwohner handsignieren. Nun: Heuer war eine solche Aktion nicht notwendig. Aber: Die Fahne stand der aktuellen Feier in der Turn- und Festhalle Alp am 31. Juli zumindest Pate und schmückte den Festraum. Denn vorbereitet waren die Organisatoren von «Kultur Wangen» und der STV, der die Gastwirtschaft führte, eigentlich für jedes Wetter. Und dies zahlte sich auch aus. Als so gegen 19.45 Uhr die ersten Tropfen von Himmel fielen, dislozierte die Freiluft -Festgemeinde in die Festhalle. «Wir wollten ein normales Programm für den Bundesfeiertag», gab Silvan Hof zu verstehen. Denn für «Kultur Wangen» sei wichtig gewesen, wieder mal zusammenkommen zu können. Und auch die Musikgesellschaft kam wieder mal zu einem öffentlichen Auftritt. «Aber natürlich brauchten wir jemanden, der die Festwirtschaft führt», so Hof. Dies übernahm der STV, wie seit Jahren schon.

«Wir wollten einfach mit den Schutzmassnahmen nichts zu tun haben»,

sagte Philipp Anderegg. Und natürlich sei unter den besonderen Umständen auch nicht so klar gewesen, wie viele Personen überhaupt kommen würden. «Aber ich bin sehr zufrieden; die Leute sind da», so der «Chefwirt», der zum einen auf 30 Vereinsmitglieder und auch auf die Flexibilität des örtlichen Gewerbes zählen konnte. Im dümmsten Fall wäre der STV auf 60 kg tiefgefrorener Pommes frites sitzen geblieben. Alles andere hatte Anderegg relativ kurzfristig besorgen können.

An der 1. August - Feier in Gretzenbach.
20 Bilder
An der 1. August - Feier in Gretzenbach.
An der 1. August - Feier in Gretzenbach.
An der 1. August - Feier in Niedergösgen.
An der 1. August - Feier in Niedergösgen.
An der 1. August - Feier in Obergösgen sprach Nationalrat Walter Wobmann.
An der 1. August - Feier in Winznau sprach Regierungsrat Dr. Remo Ankli als Festredner.
An der 1. August - Feier in Winznau sprach Regierungsrat Dr. Remo Ankli als Festredner.
An der 1. August - Feier in Gunzgen sprach Regierungsrat Peter Hodel. Zudem verabschiedete sich Gemeindepräsident Hansruedi Krähenbühl bei den Gästen von seinem Amt.
An der 1. August - Feier in Gunzgen sprach Regierungsrat Peter Hodel. Zudem verabschiedete sich Gemeindepräsident Hansruedi Krähenbühl bei den Gästen von seinem Amt.
An der 1. August - Feier in Obergösgen organisierte der STV am Vormittag verschiedene sportliche Aktivitäten für Kinder.
1. August - Feier in Kienberg. Wurde auch bei Regen durchgeführt: Der beliebte Lampionumzug mit den Kleinsten.
1. August - Feier in Kienberg. Wurde auch bei Regen durchgeführt: Der beliebte Lampionumzug mit den Kleinsten.
1. August - Feier in Kienberg.
1. August - Feier in Kappel. Draussen setzt der erste Regen ein. Die GŠste suchen PlŠtze unter dem Vordach.
1. August - Feier in Kappel. Draussen setzt der erste Regen ein. Die GŠste suchen PlŠtze unter dem Vordach.
1. August - Feier in Wangen bei Olten.
1. August - Feier in Wangen bei Olten.
1. August - Feier in Wangen bei Olten.
1. August - Feier in Wangen bei Olten.

An der 1. August - Feier in Gretzenbach.

Patrick Luethy

In Kappel liess man sich auf ein Glückspiel ein

Trotz Wetterunsicherheit entschied man sich jenseits der Dünnern, in Kappel nämlich, die Feier durchzuführen. Eine Indoorveranstaltung nämlich kam nicht infrage. Keinesfalls wolle man, dass sich die Feier nachträglich als «Superspreader-Veranstaltung» rausstelle, hatte Gemeindepräsident Rainer Schmidlin noch gesagt. «Wäre die Prognose schon von allem Anfang an eindeutig auf Regen gestanden, so hätten wir die Veranstaltung abgesagt», meinte Barbara Keller von der organisierenden Kultur- und Sozialkommission. Und so liess man sich doch auf ein Glücksspiel ein im Dorf am Born. Warum eigentlich? «Wir wollten wieder einmal beieinander sein», so die Antwort Kellers. Eigentlich fast das wichtigste Motive in ihren Augen. Ein Argument übrigens, welches schon in Wangen zu hören war. Dass man sich kurz vor 20 Uhr dann doch auf die überdachte Schulhausverbindung zurückziehen musste, tat der Stimmung im Übrigen keinen Abbruch. Zwei, drei improvisierte Aktionen und schon machte des Setting auf dem Schulareal den Eindruck, als wäre die Angelegenheit von allem Anfang so geplant gewesen. Und ebenfalls auffällig: Niemand störte sich an den kleinen Verwerfungen, die sich dadurch ergaben. Die Bewirtung der Gäste erfolgte aus Vorsichtsgründen jedenfalls tischweise.

Lampionumzug unter offenem Regenschirm

In Kienberg, wo die Feier ebenfalls am 31. Juli stattfand, kam der Lampionumzug, eine schon fast uralte und eigentlich eine der besinnlichsten Traditionen des Bundesfeiertages zum Tragen. Regenwetter hin oder her. Und während in Innern des Festzeltes noch die Bözberg Buebe mit Örgeli und Bass zu Gange waren, Gemeindepräsidentin Adriana Gubler mit Dominik Burren, Luca Rippstein und Janine Eichenberger eine Jungbürgerin und zwei Jungbürger zum Gelöbnis bitten konnte. drehte der farbig erleuchtete Umzug sein Runde.

Die Feiern in Winznau, Ober- und Niedergösgen sowie Gunzgen waren von allem Anfang an mit der Option «unter Dach» versehen. In Gunzgen mit der Rüeblihalle für maximal 240 Personen, in den andern Gemeinden machte man sich überdachte Dorfplätze und Schulanlagen zunutze.

Auszüge aus den Reden zum Bundesfeiertag

Patrick Friker, Bürgerpräsident, sprach in Niedergösgen

«Ich glaube, man kann jetzt sagen, dass unser Land, die Schweiz, die Pandemie äusserst gut überstanden hat. Der Bundesrat und die Kantone haben stetig versucht, das richtige Mittelmass zwischen Einschränkungen und Öffnung zu finden. Und wenn ich uns mit dem Ausland vergleiche, sind wir gut weggekommen.»

Peter Hodel, Regierungsrat, sprach in Gunzgen und Kienberg

«Die Abstimmung über die Unternehmenssteuerreform ist ein gutes Beispiel. Die erste Vorlage war dem Volk zu kompliziert. In einem zweiten Anlauf hat es dann geklappt. Und genau gleich wird es auch beim CO2-Gesetz sein. Die Vorlage war gut gemeint, aber dem Volk eben nicht gut genug. Gebot der Stunde ist nun, nicht beleidigte Leberwurst zu spielen, sondern bessere oder besser verständliche Lösungen zu finden!»

Nicole Vögele, Filmemacherin/Journalistin, sprach in Gretzenbach

«Dürfte ich mir von der Schweiz eine Sache wünschen, dann die, dass wir anfangen, Verantwortung zu übernehmen, und die Scheinheiligkeit ablegen. Das geht nicht von heute auf morgen. Wir müssen uns langsam entblättern, Schicht um Schicht ablösen. Anfangen sollten wir damit subito. Um ein Land zu werden, das sich selber am Morgen im Spiegel ins Gesicht schauen und den zukünftigen Generationen eine wohlige Heimat bieten kann.»

Remo Ankli, Regierungsrat, sprach in Winznau

«Wenn wir jetzt den Bundesfeiertag begehen, dann danken wir für unsere Heimat. Heimat bedeutet für mich eine Gesellschaft, in der wir alle Verantwortung füreinander haben. Eine Gesellschaft, in der man in einer Notsituation auf die Hilfe und Unterstützung der anderen zählen darf – sei es die professionelle und organisierte oder die freiwillig-spontane Hilfeleistung.»

Christian Imark, Nationalrat, sprach in Kappel

«Wir müssen den Graben zwischen Stadt und Land wieder zuschütten, der sich in den Abstimmungsresultaten vom 13. Juni gezeigt hat. Das Landvolk hat sich aufgelehnt gegen Ideen aus dem urbanen Umfeld. Das ist so etwas wie ein neuzeitlicher Kulturkampf. Wir müssen wachsam bleiben! Freiheit und Unabhängigkeit und direkte Demokratie sind keine Selbstläufer. Wir müssen immer von neuem für sie kämpfen.»

Stefan Müller-Altermatt, Nationalrat, sprach in Wangen bei Olten

«Ich hüte mich davor, euch gescheite Tipps zu geben, wo euer Dorfkern sein soll und ob ihr über oder unter den Gleisen zwischen den Dorfteilen hin- und herwandert. Ich wünsche euch einfach, dass ihr mit vollem Tatendrang die Gemeinschaft lebt und dadurch von unten die Willensnation Schweiz trägt. Denn das braucht die Schweiz jetzt: ganz viel Gemeinschaft, ganz viel Wangen bei Olten!»

Walter Wobmann, Nationalrat, sprach in Obergösgen

«Staatliche Umerziehung und Bevormundung, aber auch Drohungen und Erpressungen haben in unserem Land nichts zu suchen. Kämpfen wir also für unsere persönliche Freiheit, kämpfen wir für die Freiheit, die Unabhängigkeit und Neutralität unseres Landes – und zwar tagtäglich! Freiheit gibt es nicht gratis, sie muss immer wieder erkämpft werden. Das ist schon seit Urzeiten so.»

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