Olten SüdWest
Areal-Besitzer Sigmund Bachmann stellt sich den Oltnern an einer Infoveranstaltung

Der Olten-SüdWest-Besitzer beantwortete an der Infoveranstaltung Fragen – und machte dabei klare Ansagen. Mit dem neuen Masterplan, der in seinen Augen ein gutes Grundgerüst sei, könne eine Win-win-Situation für die Stadt und für ihn entstehen.

Fabian Muster
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Sigmund Bachmann (mit Mikrofon) beantwortet Fragen aus dem Publikum. Im Hintergrund die drei Referenten (von links): Stadtplaner Lorenz Schmid sowie die beiden Architekten Daniel Schneider und Bertram Ernst, welche bei der Ausarbeitung des Masterplans mitgewirkt haben

Sigmund Bachmann (mit Mikrofon) beantwortet Fragen aus dem Publikum. Im Hintergrund die drei Referenten (von links): Stadtplaner Lorenz Schmid sowie die beiden Architekten Daniel Schneider und Bertram Ernst, welche bei der Ausarbeitung des Masterplans mitgewirkt haben

Patrick Lüthy

Wer letzten Freitag an die Infoveranstaltung zum Entwicklungsgebiet Olten SüdWest in die Aula des BBZ Olten kam, konnte sich einerseits über die Details des neuen Masterplans informieren, worüber diese Zeitung allerdings bereits mehrmals berichtete. Was aber genauso spannend war: Was sagt der Areal-Besitzer Sigmund Bachmann zum neuen Masterplan und wie wirkt er? Die Stadt konnte den Areal-Besitzer, der sich selten in der Öffentlichkeit zeigt – im Netz sind via Google-Bildersuche keine Fotos von ihm zu finden – zum Gang nach Olten bewegen.

Mit Hosenträger und Karo-Hemd gab er sich allerdings volkstümlicher, als man es von einem Immobilienbesitzer in seinen Dimensionen eigentlich erwarten würde. Bei der Vorstellung des Masterplans durch die Offiziellen der Stadt und die Architekten sagte er nichts; sein Part war, Fragen aus dem Publikum zu beantworten – und diese liessen nicht lange auf sich warten, fielen allerdings nicht kritisch aus.

Die wichtigste kam zuerst: Warum er sich auf den Wunsch der Stadt einging, den rechtsgültigen Gestaltungsplan nach wenigen Jahren schon wieder zu überarbeiten? Alleine die Oltner Torte, die Stadtpräsident Martin Wey damals in sein Büro nach Rüschlikon ZH brachte, machte es nicht aus, sagte er mit einem Schmunzeln. Sondern der Umstand, dass mit dem bestehenden Gestaltungsplan, mit dem höchstens fünfgeschossige Bauten zugelassen sind, eine sehr monotone Überbauung entstanden wäre.

«Ich war eigentlich sehr froh, als die Stadt auf mich zugekommen ist», sagte Bachmann. Die Vermietung der bisherigen Überbauung mit 420 Wohnungen lief zudem nicht so gut wie erwartet. «Wir vergeben uns zeitlich mit einer Konzeptänderung nichts. Ich hätte eh nicht vor 2018 weitergebaut», so Bachmann. Mit dem neuen Masterplan, der in seinen Augen ein gutes Grundgerüst sei, könne eine Win-win-Situation für die Stadt und für ihn entstehen: Für Olten, weil das Quartier damit architektonisch und von der Bevölkerung her einen höheren Mix aufweise; für Bachmann, weil er die Wohnungen besser vermieten respektive verkaufen könne.

Ob er auch mit Wohnbaugenossenschaften zusammenarbeiten würde, liess er auf eine Frage eines Vertreters des neuen Vereins Lebendige Oltner Nachbarschaft offen: «In diese Richtung ist bisher nichts vorgesehen.» Gäbe es aber ein sehr gutes Konzept, sei das nicht ausgeschlossen. Die Autos der Mieter möchte er zudem nicht oberirdisch oder in separaten Parkhäusern unterbringen, wie er auf entsprechende Frage erklärte: «Die Mieterautos will ich unter den Boden bringen.»

Wegen des Grundwasserspiegels ist aber nur ein Untergeschoss unter den Gebäuden vorgesehen. Zudem hofft er, dass die geplante Stadtteilverbindung so attraktiv sei, dass die Mieter auf den Langsamverkehr umsteigen. Apropos Stadtteilverbindung: Er sei nach wie vor bereit, 2,5 Millionen Franken an das Vorhaben zwischen Olten SüdWest und Olten Hammer zu bezahlen, wie er mit der Stadt auch schriftlich vereinbart hätte. Würde vonseiten der Stadt mehr Geld verlangt, dann wären ihm zufolge auch Quartiere wie das Bornfeld gefordert, die ebenfalls von der neuen Verbindung in die Innenstadt profitieren würden. Nach vier Wortmeldungen Bachmanns war Schluss: Um 20.35 Uhr verabschiedete er sich vorzeitig wieder Richtung Zürich.

Die weiteren Fragen aus dem Publikum drehten sich um die genauere Ausarbeitung des Gestaltungsplans und dessen Vorgaben: Gibt es ein Konzept für ökologische Energiegewinnung? Erste Gespräche seien im Gang, ob man etwa den Jahresverbrauch pro Quadratmeter in den Sonderbauvorschriften bestimmen wolle, hiess es von Landschaftsarchitekt und Städtebauer Daniel Schneider, der beim neuen Masterplan mitgewirkt hat. Gibt es Richtlinien für autoarmes oder autofreies Wohnen? Dafür sei die Stadt ebenfalls mit dem Eigentümer im Gespräch, sagte Stadtplaner Lorenz Schmid. Oder die Frage, ob auch Generationenwohnen möglich sei. Auch hier die Antwort der Stadt, dass schliesslich alles von der Zustimmung des Eigentümers abhänge. «Für die Stadt ist alles möglich», sagte Städtebauer Schneider.

Klar war nach diesem Abend, dass mit dem nun auszuarbeitenden angepassten Gestaltungsplan die Nagelprobe folgt. Daniel Schneider: «Mit den Bestimmungen im Gestaltungsplan wird sich entscheiden, wie es mit dem Quartier rauskommt. Jetzt gibts kein Übungsfeld mehr.» Das heisst für ihn, aber auch für die Stadt in Verhandlung mit Areal-Besitzer Bachmann: «Die vielen Kann-Formulierungen im bisherigen Gestaltungsplan gehen nicht mehr.» Eine Ansage, mit der sich die Stadt nachher messen lassen muss.

Die Reaktionen der Anwesenden auf die Infoveranstaltung waren unterschiedlich. «Wir haben einen guten Eindruck», sagte ein junges Paar, das vor vier Jahren nach Olten zügelte. Auch die 77-jährige Magdalena Michel, welche diesen April vom Tessin nach Olten SüdWest gezogen und dort nach eigenen Angaben die älteste Bewohnerin ist, sagt: «Es ist fantastisch, was Stadt und Eigentümer nun vorhaben.» Sie wohne bereits jetzt «sehr gerne dort» und hätten den Ort wegen des nahen Naturschutzgebietes ausgewählt.

Etwas zwiespältiger äusserte sich Rolf Bruckert, Präsident von Pro Velo Region Olten. Er habe einen «bunten Eindruck», weil viele Reaktionen schon letztes Mal nach dem internationalen Architekturwettbewerb begeistert ausgefallen seien. Für ihn sei vor allem wichtig, dass das Quartier autoarm und auf den Langsamverkehr und den öV ausgerichtet würde. «Wenn nicht in Olten, wo dann?», fragte er rhetorisch.

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