Bahnhof Olten

8000 Kabelbinder halten das Flechtwerk auf Perron 7 zusammen

Au dem Perron 7 SBB Bahnhof Olten ist die Skulptur "Eingenistet" zu sehen.

Au dem Perron 7 SBB Bahnhof Olten ist die Skulptur "Eingenistet" zu sehen.

Die Solothurner Künstlerin Fraenzi Neuhaus bespielt mit einer grossen Flecht-Skulptur den SBB-Bahnhof in Olten und zeigt weitere Arbeiten in der Galerie des Kunstvereins Olten. In einem Buch wird ihr über 30 Jahre dauerndes Schaffen vorgestellt.

Bahnhof Olten, DIE Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz ist Bühne für eine grosse Arbeit der Solothurner Künstlerin Fraenzi Neuhaus. «Eingenistet» übertitelt sie das Flechtwerk, welches sie im ehemaligen Dienstraum der SBB auf Perron 7 hat installieren können. Dieser Dienstraum ist eine Aussenstelle des Kunstmuseums Olten am Bahnhof Olten. Exakt für diesen Raum konzipiert hat Neuhaus einen Körper aus weissen Kunststoffrohren, sogenannte Speedpipe, einem Material, welches man momentan für den Ausbau des Glasfasernetzes kilometerweise verlegt.

Das ganze Gebilde wird mit etwa 8000 Kabelbinder zusammengehalten. Die Figur hat Ausmasse von 300 x 320 x 180 cm. «Es war eine schweisstreibende Arbeit», sagt die Künstlerin, «denn es brauchte ziemlich Kraft, die Kabel miteinander zu verbinden.» Es ist das Spannungsfeld zwischen Fragilität und Stabilität, welches Fraenzi Neuhaus sichtbar machen will. Sie freut sich, wenn Passanten vor ihrer Arbeit stehen bleiben. Beim Davorstehen hat man das Gefühl, das Geflecht möchte sich noch weiter ausdehnen, den Glaskubus sprengen, in dem er «eingesperrt» ist. Gleichzeitig erinnert das Gebilde an eine Verpuppung oder an ein Vogelnest – etwas, worin man sich geborgen fühlen könnte.

Es ist genau dieser Widerspruch, auf den Fraenzi Neuhaus mit ihrem Arbeiten aufmerksam machen will. «Technik und Natur, diese beiden Bereiche faszinieren mich und ich versuche immer, sie miteinander zu verbinden», erklärt sie. Dass sie sich gerade dieses Material ausgesucht hat, ist kein Zufall: «Diese Kabel sorgen dafür, dass wir uns weltweit vernetzen und miteinander kommunizieren können. Sie sind verantwortlich dafür, dass Menschen und Güter zirkulieren, Ideen und Daten ausgetauscht werden.»

Es ist also Neuhaus’ Bestreben, die beiden Pole – Technik und Natur – miteinander zu versöhnen und in Einklang zu bringen.
Zeit ihres Schaffens hat die gebürtige Solothurnerin sich für Flechtwerk, Fäden, Fasern interessiert. Waren es zu Beginn ihrer Arbeit in den Achtzigerjahren noch mehrheitlich Textilien, hat sie im Lauf der Jahre viele andere Werkstoffe ausprobiert und für ihre Kunst verwendet: Hochtechnisches Filtergewebe, Nylon, Gewebe aus der Medizintechnik oder das neueste, das sogenannte Filament, ein thermoplastischer Kunststoff. Damit schafft sie feingliedrige biomorphe Gebilde, die an Käfer, Schmetterlinge oder auch an Kokons erinnern.

Ausstellung im Kunstraum des Kunstvereins Olten

Diese neuesten Arbeiten, zum Teil Wandskulpturen, sind in der Galerie des Kunstvereins zu sehen. Ebenso auch ihre fotografischen Studien zu diesen Werken und einige der «Saitenkörper», die wiederum mit verschiedenen Plastikkabeln und Kabelbindern wie behäbige Urtiere die Räume einnehmen. Ebenso zeigt sie farbige Studien in Mischtechnik.
Über das gesamte Schaffen von Fraenzi Neuhaus ist das reich illustrierte, fast 100-seitige Buch «FadenWerk», mit Texten von Patricia Bider und Alice Henkes erschienen. Darin sind noch weitere Facetten des Schaffens der 1957 geborenen Künstlerin zu entdecken.

Bis 13. Oktober. Ausstellung in der Galerie des Kunstvereins Olten, Hübelistrasse 30, Olten, wo auch das Buch erhältlich ist. www.fraenzineuhaus.ch

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