Trimbach
Pfarrer Andreas Haag: «Die Trimbacher sind unkompliziert»

Andreas Haag ist seit 100 Tagen im Amt als Pfarrer im Pfarrkreis Trimbach der Evangelisch-Reformierten Kirche Olten. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen und Aufgaben am neuen Ort.

Ursula Rutschi-Probst
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zvg

Erzählen Sie uns ein wenig aus ihrem Leben?

Andreas Haag: Aufgewachsen bin ich in der Region Basel. Mein Theologiestudium, das ich unter anderem als Securitaswächter und durch Mitarbeit in der Landwirtschaft finanzierte, absolvierte ich in Basel, Zürich und Tübingen. Danach arbeitete ich einige Monate als Hilfspfleger in einem Altersheim. Mit meiner Frau Andrea zog ich 1994 in den Aargau nach Nussbaumen, wo ich als Pfarrer der Kirchgemeinde Baden tätig war. Dort kamen unsere beiden Töchter zur Welt. Nach 23 guten Jahren in der Kirchgemeinde Baden wurde es Zeit, eine neue Herausforderung anzunehmen. Ende letzten November zogen wir nach Trimbach und wohnen seither im Pfarrhaus neben der Johanneskirche.

Sie sind nun 100 Tage im Amt. Was waren Ihre bisherigen Highlights?

Ein Höhepunkt stellte das Familienkirchenfest ein, das wir kürzlich in Trimbach feierten. Wir verbrachten mit den Kindern der 1. und 2. Religionsklassen und deren Familien einen erlebnisreichen Tag mit Gottesdienst, Werkstätten, Mittagessen, Spass und Spiel. Auch die Gemeindeweihnachtsfeier in Winznau mit einem Ad-hoc-Chor und Nachtessen gefiel mir gut. Dass sich jeden Sonntag nach dem Gottesdienst in Trimbach die Menschen im Kirchenkaffee treffen und miteinander ins Gespräch kommen, empfinde ich als ungemein gemeinschaftsfördernd.

Fühlen Sie sich wohl in Ihrer neuen Aufgabe?

Der Abschied von Nussbaumen, wo wir uns als Familie und in der Kirchgemeinde Baden sehr heimisch fühlten, fiel uns nicht leicht. Aber wir sind selber überrascht, dass wir uns in Trimbach gut eingelebt haben – nicht nur wegen des feinen «Guetzlidufts», der oft in der Luft liegt. Viele Menschen in Trimbach sind offen, grüssen auf der Strasse, sind unkompliziert. Auch der Gemeindepräsident bot uns sofort das Du an. Wir fühlen uns wohl in der neuen Umgebung und die vielfältigen Aufgaben im Pfarramt Trimbach gefallen mir.

Welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrer Arbeit?

Wichtig ist mir, zuerst die Kirchgemeinde und die Menschen hier besser kennen zu lernen. Bei Gesprächen mit Gemeindegliedern und Angestellten der Kirchgemeinde versuche ich, möglichst viele Seiten des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens zu erfassen.

Sonntag

Amtseinsetzung

Die offizielle Amtseinsetzung von Pfarrer Andreas Haag durch den Dekan der Reformierten Kirche Kanton Solothurn, Pfarrer Uwe Kaiser, findet am Sonntag, 18. März um 17 Uhr in der Johanneskirche Trimbach statt.

Musikalisch umrahmt wird dieser Anlass durch Patrick Bisang (Orgel) und Stefan Frei (Trompete). Anschliessend offeriert die Kirchgemeinde einen Apéro im Johannessaal. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Ende April führen wir mit der Kirchenkommission eine Retraite durch, wo wir über die Zukunft unseres Pfarrkreises nachdenken. Wichtig ist, dass sich Freiwillige und Interessierte in der Kirche einbringen können und sie so zu ihrer eigenen Kirche wird. Angebote für alle Altersstufen, vor allem für Kinder und Jugendliche, die unsere Sozialdiakoninnen anbieten, dünken mich besonders zukunftsweisend. Ich bin überzeugt, dass die biblische Botschaft von Gottes Liebe auch heute aktuell und relevant ist für die persönlichen, aber auch gesellschaftlichen Fragen. Mit dem «Emmaus-Glaubenskurs» versuchen wir, dies ab September mit den Teilnehmenden gemeinsam zu entdecken. Viele Menschen sollen das neue Motto der Kirchgemeinde Olten «Jesus Christus - unser Weg» selber erleben.

Die Ökumene ist in Trimbach ein wichtiger Teil des Kirchenalltags. Was ist Ihre Vorstellung von Ökumene?

Wichtig ist mir ein gutes Miteinander der Kirchen und Freikirchen, wie ich dies auch in der Region Baden erlebte. Wir betonen das gemeinsame Zentrum unseres Glaubens, das in Jesus Christus liegt, feiern – auch mit den Christkatholiken zusammen – Gottesdienste oder unterstützen in der Fastenzeit dasselbe Hilfsprojekt in Kolumbien. Auch die gemeinsamen Seniorennachmittage der Silberdistel oder das monatliche «Ässe mitenand» in unserem Kirchensaal sind wertvolle Anlässe, die das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Ein Begrüssungsbesuch der katholischen Kollegen anfangs Dezember hat mich besonders gefreut.

Welcher ist der strengste Tag Ihrer Woche?

Das ändert jeweils und kommt ganz aufs Tagesprogramm an. Manchmal bin ich bis spät nachts unterwegs, wenn ich Sitzungen oder Gespräche habe. Die Wochen mit Konfirmandenunterricht oder Beerdigungen sind auch intensiv. Vieles im Pfarralltag kann man nicht planen, wie unerwartete Telefonanrufe, Menschen an der Haustüre oder Todesfälle. Jeder Tag ist anders. Das macht es spannend. Die vielen Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen sind bereichernd in meinem Arbeitsalltag.

Wobei erholen Sie sich und tanken neue Kraft?

Bewegung ist mir wichtig. Gerne jogge ich der Aare entlang oder im nahen Wald, spiele Fussball oder bin mit dem Fahrrad unterwegs. Ebenfalls wichtig ist mir die persönliche Stille, um Kraft zu schöpfen aus dem Gebet. Das Lesen und Singen enthält viel Entspannungspotenzial. Zum Abschied von Baden erhielten wir ausserdem einige Bücher der bekannten Oltner Schriftsteller und Gutscheine von Restaurants und Ausflugszielen der Region. So lernen wir unsere neue Heimat noch besser kennen.

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