Zusammenarbeitsvertrag
Dem Kirchenrat reisst der Geduldsfaden - die Katholiken streiten ums Geld

Die römisch-katholische Kirchgemeinde Trimbach-Wisen will den der Zusammenarbeitsvertrag des Pastoralraumes Olten kündigen.

Lorenz Degen
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Ist es Fünf vor Zwölf? Der Turm der Trimbacher St.-Mauritius-Kirche

Ist es Fünf vor Zwölf? Der Turm der Trimbacher St.-Mauritius-Kirche

Ernst Brechbühler / zvg

Der Pastoralraum Olten steht vor einer Weichenstellung: Weil der Kirchenrat der römisch-katholischen Kirchgemeinde Trimbach-Wisen mit dem Zusammenarbeitsvertrag des Pastoralraumes Olten nicht einverstanden ist, beantragt er der Kirchgemeindeversammlung vom nächsten Mittwochabend dessen Kündigung. Dieser Vertrag regelt unter anderem die finanziellen Beteiligungen der Kirchgemeinden am Pastoralraum. Die Kirchgemeinde Trimbach-Wisen versucht seit Jahren, den Verteilschlüssel neu zu regeln, allerdings ohne Ergebnis, wie es im Antrag des Kirchenrates heisst. Nun reisst dem Kirchenrat der Geduldsfaden.

«Wir sind nicht Gegner des Pastoralraums», stellt John Steggerda klar. Für den Präsidenten der römisch-katholischen Kirchgemeinde Trimbach-Wisen funktioniere die Zusammenarbeit mit den anderen Kirchgemeinden gut. Der Pastoralraum habe sich bewährt. Einzig die Kostenfrage sei damals bei der Gründung «schnell und pragmatisch» festgelegt worden. «Seit Beginn stehen wir in Diskussionen darüber.» Auch haben sich Verhältnisse geändert. So kamen etwa das Sekretariat und die Katechetinnen dazu, auch fusionierten die Kirchgemeinden von Trimbach und Wisen. Trimbach-Wisen bezahlt derzeit rund 1770 Franken pro Kopf, während Olten 2890 Franken abgibt. Für Steggerda ist dies ungerecht: «Die Steuerkraft von Olten ist viel höher als diejenige von Trimbach.» Eine Arbeitsgruppe versucht, eine neue Regelung zu Stande zu bringen – bislang ohne Ergebnis.

Dass der Antrag zur Kündigung des Zusammenarbeitsvertrages nun zur Sprache kommt, ist kein Zufall. «Wenn wir jetzt nicht kündigen, dann stecken wir bis 2025 im Vertrag», erklärt Steggerda. «Wir sind aufgrund der Fristen gezwungen, rechtliche Klarheit zu schaffen, denn das Gegenüber hat kein Interesse, den Vertrag neu auszuhandeln», meint Steggerda zur Haltung der Kirchgemeinde Olten/Starrkirch-Wil. «Es wäre logisch, einen Ausgleich zu schaffen: Olten müsste mehr bezahlen, aber dafür weniger an den Finanzausgleich abliefern.»

Steggerda ist zuversichtlich, dass der Antrag am Mittwochabend gutgeheissen wird. «Wenn die Versammlung nicht plötzlich ganz anders zusammengesetzt ist als sonst, wird ein Ja erfolgen.» Der Vertrag würde dann im Dezember gekündigt. Steggerda sieht aber noch einen dritten Weg offen: «Falls die Arbeitsgruppe bis dahin ein verbessertes Ergebnis vorlegen könnte, würden wir natürlich die Kündigung nicht abschicken.»

Für die Pastoralraumleiterin Antonia Hasler ist der Zusammenarbeitsvertrag «halbherzig, nicht nachhaltig». Denn: «Der Zweckverband wurde nicht realisiert. Er hätte zu einer verbindlicheren und einheitlicheren Zusammenarbeit der Kirchgemeinden geführt. Anstelle dessen ist ein Zusammenarbeitsvertrag zustande gekommen, der gewisse gemeinsame pastorale Leistungen unter den Kirchgemeinden definiert und nach einem gemeinsam vereinbarten Schlüssel die Kosten aufteilt.» Hasler sieht bei einer Kündigung des Zusammenarbeitsvertrages durch Trimbach-Wisen eine schwierige Zukunft voraus: «Die Nicht-Verlängerung des Zusammenarbeitsvertrages wäre für den Pastoralraum quasi ein Dasein ohne Rechtsform und bedeutet vor allem für die Angestellten eine erhebliche Verunsicherung, da Anstellungen und Leistungen zersplittert werden könnten.»

Zum Trimbacher Kündigungsantrag äussert sich Theo Ehrsam, Präsident der römisch-katholischen Kirchgemeinde Olten/Starrkirch-Wil, auf Anfrage schriftlich: «Der Verteilschlüssel, wie er für den geltenden Vertrag ausgehandelt wurde, ist in vergleichbaren kommunalen und regionalen Verträgen und Zweckverbänden schon seit langem Usus. Unterschiedliche steuerertragsbedingte Finanzkraft beteiligter Kirchgemeinden wurde schon bisher über den Finanzausgleich kompensiert. So wurden bereits im vergangenen November mit dem Neuen Finanzausgleich Kirchen Solothurn fürs Jahr 2020 der Kirchgemeinde Trimbach-Wisen 224600 Franken, der Kirchgemeinde Ifenthal-Hauenstein 12300 Franken und der Kirchgemeinde Olten/Starrkirch-Wil 100 Franken zugesprochen.» Ob eine Neuverhandlung zu einem Vertragsabschluss führen würde, lässt Ehrsam offen.

Wolfgang von Arx, Mitglied im Oltner Pfarreirat, hat vor zwei Jahren in einem Postulat die Kirchgemeinde Olten aufgefordert, die Folgen einer Fusion darzulegen. Er wolle «nicht die Faust im Sack machen, sondern aktiv nach einer Lösung suchen.» Die achtseitige Antwort der Arbeitsgruppe des Kirchenrates der Kirchgemeinde Olten/Starrkirch-Wil zeigt die unterschiedlichen Rechtssysteme und Organisationsstrukturen auf, die für eine Fusion grosse Hürden darstellen. «Es steht aber darin nicht, wie die Fusion ablaufen soll oder was die Alternativen sein könnten», so von Arx.

Er versteht das Anliegen der Trimbacher, weniger an den Pastoralraum zu bezahlen. «Wenn ich Trimbacher wäre, würde ich den Verteilschlüssel auch monieren.» Die Steuerkraft der Kirchgemeinde Trimbach-Wisen sei bedeutend kleiner als jene von Olten/Starrkirch-Wil, was jedoch der Zusammenarbeitsvertrag nicht berücksichtige. Für das engagierte Mitglied geht es nun um die Zukunft des ganzen Verbundes. «Wenn dieser Antrag durchkommt, ist dies das Ende des Pastoralraums», ist von Arx überzeugt. «Dann hören wir damit ganz auf und sagen dem Bischof, dass es eine andere Lösung braucht – oder wir machen eine Fusion aller Kirchgemeinden im Pastoralraum.»

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