Walterswil
«Das Theaterspielen war mir in die Wiege gelegt»

Mit «Housi» Uehlinger (63) steht ein Publikumsliebling der Theaterfans Walterswil letztmals auf der Bühne.

Karin Schmid
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Als Schauspieler hört er auf, fürs Bühnenbild bleibt er dabei: Hans Uehlinger (rechts) und die Theaterfans Walterswil.

Als Schauspieler hört er auf, fürs Bühnenbild bleibt er dabei: Hans Uehlinger (rechts) und die Theaterfans Walterswil.

zvg

Im neuen Projekt «Alles erfunde» der Theaterfans Walterswil und Umgebung spielt Hans Uehlinger einen Zauberer. Eine Rolle, die dem 63-Jährigen mit Sicherheit liegt – wenn er auch am liebsten den «Löli» spielt, wie er schmunzelnd zugibt. Allerdings werden die Aufführungen, die dieses Wochenende in der Mehrzweckhalle Walterswil stattfinden, bei Theaterfans und Publikum nicht nur für Freude sorgen. In seiner 35. Produktion gibt Hans Uehlinger seinen Abschied als Darsteller.

1988 wurden die Theaterfans Walterswil und Umgebung gegründet. 1991 zog der aus dem bernischen Konolfingen stammende Hans Uehlinger wegen und mit seiner Frau Brigitte von Trimbach nach Walterswil, wo sie bereits turnte und später den Dorfladen führte. Die Theaterfans entstanden aus Mitgliedern des Jodlerklubs Walterswil – wo Uehlinger damals Mitglied war und bis heute ist –, und der damaligen Theatergruppe.

«Alles erfunde»

Dreiakter in Schweizer Dialekt von Charles Lewinsky. Aufführungen noch heute Samstag, 25. März, 20 Uhr (Türöffnung 19 Uhr) sowie morgen Sonntag, 26. März, 14 Uhr (Türöffnung 13 Uhr), in der Mehrzweckhalle in Walterswil. Benefizvorstellung zugunsten der Krebsliga Solothurn am Freitag, 21. April, im Theater Mausefalle in Zuchwil. Infos, Details und Platzreservationen im Internet unter www.theaterfans.ch.

In 34 Produktionen hat Uehlinger das Publikum jedes Jahr beispielsweise als Ausbrecher, Politiker, Gerichtsdiener, Jogger, Pfarrer, Professor, Hotelkellner, Nationalrat oder als Frau mit seinem humorvollen Schauspiel unterhalten. Zudem hat er drei Mal Regie geführt. Den Pfarrer spielte Hans Uehlinger bisher hauptsächlich bei seinen Auftritten mit den Theaterfans in der Kirche in Safenwil. Dreimal jährlich führen Uehlinger und Co. im Rahmen des «11vor11»-Gottesdienstprojekts ein selbst geschriebenes Kurztheater zu biblischen Themen auf. Das nächste Mal sind die Walterswiler/-innen am 2. April zum Thema Hochverrat in Safenwil zu Gast.

Meistens sagt er Blödsinn

Zum Theaterspielen kam Hans Uehlinger durch seien Eintritt in den Jodlerklub. «Es wurden noch Männer fürs Theater gesucht», erinnert sich der Vater zweier erwachsener Kinder und dreier Enkelkinder. Von Anfang an habe er leidenschaftlich Theater gespielt. «Es wurde mir in die Wiege gelegt. Auch meine Mutter liebte das Spielen.» Besonders schön an diesem Hobby findet er, dass man in einer trotteligen Rolle «sich nicht so viel Mühe geben muss. Man kann einfach sich selber übernehmen und kann seinen eigenen trockenen Humor in die Rolle einfliessen lassen. Ich habe meistens nicht viel Sprechtext, aber wenn ich etwas sage, dann ist es Blödsinn.» Das macht ihm aber nichts aus – im Gegenteil: «Mir sagte mal jemand: «Weisst du Housi, du musst nur auf die Bühne stehen, dann freue ich mich schon.»

Aus gesundheitlichen Gründen hat sich Hans Uehlinger nun entschlossen, mit dem Theaterspielen aufzuhören. «Ich weiss, dass alle meine Mitspielerinnen und Mitspieler mich wahnsinnig gern haben, aber es geht einfach nicht mehr.» Ganz auf ihren «Housi» müssen die Theaterfans zukünftig aber nicht verzichten. Seit rund zehn Jahren ist Hans Uehlinger fürs Bühnenbild zuständig – und das wird er bleiben. «Ich rutschte in dieses Amt hinein, weil ich derjenige bin, der am nächsten bei der Mehrzweckhalle wohnt», erklärt Uehlinger schlicht. «Es musste sich ja jemand darum kümmern. Ausserdem habe ich vorher schon mit Holz gebastelt.»

Inzwischen ist das Haus von Hans und Brigitte Uehlinger zum Lager/Depot für bühnentaugliche Möbel und Materialien nicht nur vom Jodlerklub und von den Theaterfans, sondern auch von den Landfrauen geworden. «Wenn jemand etwas braucht, weiss er, dass er mich danach fragen kann, meistens habe ich es», erzählt Uehlinger. «Ich habe schon mal aus einem alten Gotthelf-Bett ein Bänklein gemacht. Das steht nun bei uns zu Hause im Gang.»

«Housi» lockt die Zuschauer

Heute Samstag und morgen Sonntag wird Hans Uehlinger seinen Abschied als Laiendarsteller geben. «Die Theaterfans Walterswil verlieren mit ihm einen der begabtesten und beim Publikum und den Mitwirkenden sehr geschätzten Schauspieler», hält Regisseur Hans Koolen in seiner an dieser Zeitung erschienenen Huldigung fest. «Viele Zuschauer haben die Vorstellungen vor allem wegen Hans Uehlinger besucht.» Er habe sich im Weiteren um die Abrechnung, Werbung, Plakate, Saaleinrichtung, Beleuchtung und vieles mehr gekümmert. «Ohne ihn wären die Theaterfans nicht die Theaterfans.»

«Das Herz tut mir schon weh»

Am besten in Erinnerung behalten wird Hans Uehlinger nach eigenen Aussagen «das Zusammenspiel und Zusammenkommen aller Spielerinnen und Spieler, das Lachen miteinander bei den Proben und Aufführungen, doch vor allem den Kontakt zu den jungen Leuten. Ganz sicher sind enge Freundschaften entstanden». Uehlingers Gefühle auf seine letzten Schauspielvorstellungen fahren Achterbahn, wie er selber erzählt. «Wenn ich daran denke, aufzuhören, tut mir schon das Herz weh. Für mich ist jetzt aber der richtige Zeitpunkt, einen Schlussstrich zu ziehen.»

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