Kriegstetten
Zeitdokument für das Coronajahr: Kinder nehmen ein Hörspiel auf statt Weihnachtsspiel aufzuführen

Die Kinder des Zentrums für Sonderpädagogik und der Primarschule in Kriegstetten spielen gemeinsam.

Lucilia Mendes von Däniken
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Die Kinder von focus jugend und der Primarschule Kriegstetten geben alles.

Die Kinder von focus jugend und der Primarschule Kriegstetten geben alles.

zvg

Das traditionelle Weihnachtsspiel der Stiftung focus jugend in Kriegstetten ist sowohl für die Kinder und Jugendlichen des Zentrums für Sonderpädagogik als auch für deren Familien immer ein Highlight. Doch dieses Jahr fallen die Aufführungen coronabedingt ins Wasser.

Für die Verantwortlichen war dies kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, schnell wurde eine Alternative entwickelt, die nun das Weihnachtsspiel sogar für noch eine grössere Öffentlichkeit zugänglich macht. Denn für Lea Schneider, die das Hörspiel initiierte und mit vereinten Kräften der Arbeitsgruppe Weihnachtsspiel unter der Projektleitung von Martin Isler begleitet hat, war schon bald klar: Wenn nicht live, dann die Gunst der Stunde nutzen und aus dem Weihnachtsspiel ein audiovisuelles Projekt machen.

Und da die Chorleiterin auch an der Primarschule Kriegstetten unterrichtet, beschloss sie, ein schulübergreifendes Hörspiel mit dem Titel «Chorohnae – Publikum 2020» auf die Beine zu stellen.

Zeitdokument für das Coronajahr

Die Geschichte basiert auf dem Kinderbuch «Die Weihnachtsgans Auguste» von Friedrich Wolf. Dazu hat Schneider zusammen mit den anderen Lehrpersonen Chorgesänge einstudiert, die Kinder haben Zeichnungen angefertigt und Textpassagen geübt. Entstanden ist daraus einerseits eine virtuelle Begegnung zweier Schulen, andererseits aber ein multimediales Projekt, welches man durchaus als Zeitdokument für das Coronajahr anschauen darf.

Alle Beiträge der Kinder und Jugendlichen wurden mehrspurig abgemischt, digitalisiert und dann zusammengefügt. Fast 30 Minuten dauert das fertiggestellte Hörspiel, welches auf der Website der Stiftung bis Ende Januar abgerufen werden kann.

Grosse Herausforderung und schwierige Umstände

Mit den unterschiedlichsten Schülern und Schulstufen in dieser unsteten Zeit ein Coronaprojekt umzusetzen, braucht ganz schön viel Engagement und Flexibilität von allen Beteiligten. Tontechniker Thomi Christ war für den technischen Teil zuständig, der Solothurner Pianist Philipp Stampfli arrangierte die Lieder und spielte die Musik im Playback ein. Die Planung war nicht ganz einfach: Räumlichkeiten für die Aufnahmen zu finden, gestaltete sich schwierig, da viele Säle für die Öffentlichkeit gesperrt waren.

Lehrkräfte fielen zum Teil aus – wegen Corona. Schulklassen mussten die Teilnahme aus organisatorischen Gründen absagen. Die Grösse der Chöre musste aufgrund neuer Bestimmungen immer wieder angepasst werden. «Es war eine grosse Herausforderung – doch wir befassten uns nicht damit, was nicht möglich war, sondern hielten uns an dem fest, was wir machen konnten», so Schneider.

Die Zeit drängte, denn Mitte November mussten alle Aufnahmen im Kasten sein. Plötzlich ging es Schlag auf Schlag: Am Schluss mussten sieben Schulgruppen in drei Halbtagen alles einspielen. Mit Kopfhörer und Mikrofon ausgerüstet, legten die Kinder und Jugendlichen los: «Die Pianoklänge von Philipp Stampfli im Ohr und mich als Dirigentin vor Augen.»

Seit Donnerstag ist das Hörspiel auf der Website zugänglich. Lea Schneider hat sich die Aufnahmen schon mehrfach angeschaut: «Das Resultat berührt mich sehr. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass wir das hingekriegt haben. Und ich finde, man spürt, wie viel Herzblut und Motivation der Kinder beim Singen im Projekt steckt.»

Hinweis:

Hörspiel: www.focusjugend.ch

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