Seilziehen
Rüttener Fahrende zum Standplatz-Projekt: «Wir fühlen uns verarscht»

Das Projekt Standplatz in Flumenthal kommt bei der Familie Huber, die ihren Wohnwagen momentan in Rüttenen hat, nicht gut an. Hubers fühlen sich verarscht und wollen sicherlich nicht nach Flumenthal umziehen.

Urs Byland
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Das Dach rinnt. Charles Huber senior (links) und junior sind am Flicken. Sie wollen nicht auf den Standplatz Flumenthal umziehen, sondern in Rüttenen bleiben.

Das Dach rinnt. Charles Huber senior (links) und junior sind am Flicken. Sie wollen nicht auf den Standplatz Flumenthal umziehen, sondern in Rüttenen bleiben.

Urs Byland

Charles Huber ist in Rüttenen auf seinem Stellplatz mit seinem Sohn anzutreffen. Sie sind verärgert. «In einem ersten Gespräch Anfang Jahr hatten wir uns schon bereit erklärt, auf dem Platz südlich der ARA unseren Stellplatz zu machen», berichtet Charles Huber senior. Und zwar an der Stelle, die am weitesten von der Hochspannungsleitung entfernt ist. Diese führt knapp am Grundstück vorbei. Er sei aber klar davon ausgegangen, dass ansonsten niemand mehr auf den 1000 Quadratmetern platziert werde, so Charles Huber.

Als klar wurde, dass weitere Stellplätze vom Kanton auf dem Grundstück angeboten werden sollen, «haben wir gesagt, dass man dann auf die nördliche Seite der ARA ausweichen müsste, auf den Platz, wo nun plötzlich das Flüchtlingszentrum geplant ist. Der nördliche Platz wurde uns vom Kanton versprochen.»

Der Standplatz für Schweizer Fahrende ist auf dem Areal der ehemaligen Abwasserreinigungsanlage geplant.

Der Standplatz für Schweizer Fahrende ist auf dem Areal der ehemaligen Abwasserreinigungsanlage geplant.

Felix Gerber

Er und sein Sohn fühlen sich nun verarscht. «Auf die 1000 Quadratmeter bringt man nicht sechs Einheiten. Aber darum geht es nicht mal, auch nicht um das Flüchtlingszentrum. Die Bedingungen sind hier mit der Hochspannungsleitung und der Autobahn 30 Meter neben dem Grundstück menschenfeindlich», sagt Charles Huber junior. Für die Familie Huber ist klar: «Wir werden nicht nach Flumenthal umziehen.» Dies, obwohl mit dem Abbau der bisherigen Unterkünfte bereits gestartet wurde. «Wir haben uns wirklich gefreut», erklärt Charles Huber senior. «Aber nun bleiben wir hier.»

Minimale Anforderungen

Der Kanton plante einen Standplatz für Fahrende auf dem Gemeindegebiet von Flumenthal. Die Planungsarbeiten dafür dauerten fünf Jahre. Doch für die Radgenossenschaft der Landstrasse erfüllt der Platz die minimalen Anforderungen nicht.

Gemäss Standards, welche der Bund derzeit ausarbeite, soll ein solcher Platz für Schweizer Fahrende Raum für 8 bis 12 Wagen bieten, 2500 bis 3000 Quadratmeter umfassen und eine Reihe minimaler Anforderungen erfüllen. Dazu gehören Lärmstandards, Sicherheitsstandards und Anforderungen an geeignete Schulwege. Das Projekt Flumenthal mit seinen 1000 Quadratmetern und namentlich der Hochspannungsanlage erfülle alle diese Anforderungen nicht.