Subingen

Reformierter Pfarrer sitzt wegen Drogendelikt in Untersuchungshaft

Das Pfarrhaus in Subingen ist verwaist. Niemand öffnet die Türen. Pfarrer A. W. sitzt seit Mitte Dezember in Untersuchungshaft im Kanton Zürich.

Das Pfarrhaus in Subingen ist verwaist. Niemand öffnet die Türen. Pfarrer A. W. sitzt seit Mitte Dezember in Untersuchungshaft im Kanton Zürich.

Gegen den Pfarrer vom Pfarrkreis Subingen-Aeschi wird seit Mitte Dezember wegen eines Drogendelikts ermittelt. A.W. sitzt in Zürich in Untersuchungshaft. Gerüchten zufolge hat das Drogendelikt mit seiner erst kürzlich geehlichten Frau zu tun.

Das reformierte Pfarrhaus ist verwaist. Wer klingelt, dem wird nicht geöffnet. Auf dem Küchentisch liegen Papiere und ein Mäppchen, wie durch das Küchenfenster auszumachen ist.

Wie lange die Türe bereits verschlossen ist, bleibt ungewiss. Kirchgemeindepräsident Thomas Kopp erklärt, er habe eine Woche vor Weihnachten erfahren, dass sein Pfarrer A. W. vom Pfarrkreis Subingen-Aeschi in Zürich in Untersuchungshaft sei. Zumindest dies scheint bestätigt, weil von mehr als einer Quelle gesagt.

Was ansonsten vom Kirchgemeindepräsident zur Ortsabwesenheit des Subinger Pfarrers mitgeteilt wird, ist wohlüberlegt, aber nichtssagend. Von offizieller Seite habe er die Mitteilung erhalten, dass A. W. in eine Untersuchung involviert sei. Diese habe nichts mit seinem Arbeitsumfeld zu tun. Diese offizielle Seite sei der Anwalt des Pfarrers.

Der Anwalt war am Mittwoch nicht erreichbar. Genaueres wisse er gar nicht, berichtet Kirchgemeindepräsident Thomas Kopp. «Wir sind Arbeitgeber. Es hat nichts mit dem Geschäft zu tun, deshalb erhalten wir auch nicht weitere Informationen.»

Die Reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn wurde ebenfalls vom Kirchgemeindepräsidenten informiert. Weitere Informationen habe man aber nicht, versichert der Kommunikationsbeauftragte Hans Martin Schaer. «Weder offizielle noch inoffizielle.» Und sowieso sei die Reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn nicht zuständig. «Die Kirchgemeinde stellt die Pfarrer an. Wir bieten eine gewisse Begleitung und Weiterbildung an. Zudem stehen wir beratend zur Seite in Konfliktfällen», erklärt Schaer.

Die Untersuchung, in die der Subinger Pfarrer involviert ist, ist demnach kein Konflikt. Immerhin leiste der Kirchgemeindepräsident eine gute Arbeit. «Er hat das sehr gut organisiert.» Und etwas sei doch beruhigend. «Es ist kein Gelddelikt, also kein Griff in die Kasse, und es liegt kein sexueller Missbrauch vor.»

Mitarbeitende informiert

Das mit der guten Organisation stimmt. Beinahe jedes Telefonat wird mit dem Hinweis abgeblockt, dass einzig der Kirchgemeindepräsident informiere. Dessen Arm reicht gar bis in die Gemeindeverwaltung von Subingen. Doch dazu später.

Erstes Ziel der Verantwortlichen sei es, Spekulationen aus dem Weg zu gehen. «Wir wollen Gerüchten keinen Boden geben», erklärt Thomas Kopp. Denn: «Solange wir keine Infos haben, kann ich nicht sagen ob sich der Pfarrer korrekt verhalten hat oder nicht. Wir nehmen an, dass es nur Gerüchte sind und denken, dass nichts an diesen Gerüchten ist.»

Den Hinweis auf die lange Untersuchungszeit kontert Kopp: «Es gibt Abklärungen, die länger dauern können. Das heisst aber nicht, dass etwas dran ist.» In der Kirchgemeinde seien die Mitarbeitenden informiert worden. «Für uns ist es wichtig, dass wir das Angebot in Subingen weiterführen und Todesfälle regeln können.» Momentan ist der Pfarrer von Derendingen Kontaktperson. «Wir suchen aber eine Vertretung vor Ort, so etwas wie eine Ferienvertretung.»

«Nicht der grosse Dealer»

In der Zwischenzeit hat eine Anfrage bei der Staatsanwaltschaft Kanton Zürich ergeben, dass der Pfarrer effektiv seit Mitte Dezember in eine Untersuchung involviert ist. Dabei handelt es sich um eine Betäubungsmitteldelikt, wie Corinne Bouvard Kommunikationsbeauftragte der Oberstaatsanwaltschaft erklärt. In welches Delikt A. W. wie genau verwickelt ist, dürfe sie nicht sagen. «Er ist aber sicher nicht der grosse Dealer.» Festgehalten werde er weiterhin, weil Kollusionsgefahr (Verschleierung einer Straftat) bestehe. Es gelte nach wie vor die Unschuldsvermutung.

Dass es sich um ein Drogendelikt handeln könnte, war schon zuvor kolportiert worden. Dies im Zusammenhang mit seiner erst kürzlich geehelichten Frau, so das Gerücht. Diese habe vor kurzem die Schweizer Aufenthaltserlaubnis erhalten.

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