Selzach
Der Sommeroper-Wein geht auch als Liebestrank durch

Die letzten Vorbereitungen für die Sommeroper in Selzach laufen auf Hochtouren. Am Freitag 5. August 2016 findet die Premiere von «L'elisir d'amore» von Gaetano Donizetti statt.

Urs Byland
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So ist die Bühne für die diesjährige Sommeroper «I'elisir d'amore» gestaltet.
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Sommeroper Selzach 2016 kurz vor dem Start
Noch wird geprobt
So siehts auf dem Gelände aus

So ist die Bühne für die diesjährige Sommeroper «I'elisir d'amore» gestaltet.

Michel Lüthi

Beinahe die Letzten, die im Passionsspielhaus ihren Platz beziehen, sind am Dienstagabend die Samariter. Die Versorgung bei Notfällen ist damit gewährleistet, zumal an jeder Vorstellung der Sommeroper auch ein Arzt mit dabei ist. Auf der Bühne läuft derweil die Hauptprobe von «L’elisir d’amore» des italienischen Komponisten Gaetano Donizetti. Premiere ist am Freitag, Derniere am 20. August.

Wieder ist eine ganze Region eingebunden in die alle zwei Jahre stattfindende Sommeroper, sei es auf der Bühne, im Chor, an den Instrumenten oder hinter der Bühne. Mit dazu gehört der Selzacher Weinhändler Heinz Hugi, der erstmals das Gastronomie-Angebot managt.

Ohne Gastronomie müssten heutzutage viele Kulturveranstalter die Koffer packen. Nicht wegen des willkommenen Obolus an die Gesamteinnahmen. Der Beitrag beläuft sich, laut Produktionsleiter René Gehri, bei der Sommeroper etwa auf 3 Prozent der Gesamtkosten. Das Gastroangebot ist Teil der Unterhaltung. «Gerade hier in Selzach, wo die Besucher lange sitzen müssen», so Produktionsleiter René Gehri. Da müsse man vielleicht vor dem Beginn zur Stärkung Salziges oder Süsses geniessen.

Gleichzeitig kann die Gesellschaft gepflegt und das persönliche Netzwerk erweitert werden. Und kaum einer ist abgeneigt, in der Pause ein Bier zu trinken oder ein Cüpliglas zu schlürfen. «Wer nichts anzubieten hat, hat einen Fehler gemacht», sagt René Gehri mit aller Deutlichkeit. In Selzach ist das Angebot während der Sommeroper gross.

Das passende Weinelixier

Heinz Hugi war der Sommeroper seit dem Neubeginn 1989 – damals wurde die «Zauberflöte» gespielt – als Weinlieferant und Barbetreiber verbunden. Jetzt wurde er angefragt, das gesamte Gastro-Angebot zu organisieren. Er soll dafür besorgt sein, für die Sommeroper die Gastro-Einnahmen der letzten Jahre zu wiederholen.

Passend zum Inhalt von Donizettis «Komischer Oper» (Opera buffa), passend zum «L’elisir d’amore» (Liebestrank), hat Hugi den Sommeroper-Wein ausgesucht. «Man kann alles brauchen für einen Liebestrank. Wichtig ist, dass man daran glaubt», lässt sich Hugi nicht auf Spekulationen zu seinem Liebestrank ein.

Das Modell des Bühnenbildes zur Sommeroper Selzach 2016 «l'elisir d'amore»
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Das sieht schon sehr eindrücklich aus

Das Modell des Bühnenbildes zur Sommeroper Selzach 2016 «l'elisir d'amore»

zvg

Piemont statt Baskenland

1832 in Mailand spielte die Uraufführung von Donizettis «L’elisir d’amore» in der Szenerie eines baskischen Dorfes. 2016 wählten die Selzacher Verantwortlichen Oskar Fluri, Bolken (Bühne und Ausstattung), Bruno Leuschner, Kirchberg (Musikalische Leitung), sowie Thomas Dietrich, Neu-Ulm (Inszenierung), einen Reisbauernhof im Piemont als Kulisse für die Liebesgeschichte zwischen dem ungleichen Paar der Gutsbesitzerin und dem Knecht Nemorino («kleiner Niemand»). «Dementsprechend habe ich einen Wein aus dem Piemont im Angebot», sagt Heinz Hugi.

«Neu haben wir eine Sommeroper-Lounge eingerichtet», erklärt Hugi. Dort können Besucherinnen und Besucher ein zuvor gebuchtes Pauschalangebot geniessen, beispielsweise vor der Aufführung und in der Pause oder in der Pause und nach der Vorstellung.

Der Platz wurde frei für dieses Angebot, weil Heinz Hugi Gruppen neu in seiner Lokalität an der Kirchgasse 5 aufnehmen kann. Im seinem Weinkeller werden die Einführungen zur Sommeroper stattfinden. In seinem Gebäude stehen zudem neue Räumlichkeiten für die VIP- und Sponsoren-Apéros zur Verfügung.

Mit einbezogen im kulinarischen Angebot sind einige auch lokale Vereine, die diverse «Stübli» betreiben und so zu Einnahmen kommen. Draussen ertönt zum zweiten Mal der helle Trompetenklang, der das Publikum an den Aufführungsbeginn mahnt. Auch dies wird an der Hauptprobe geübt.

Anleihen aus dem Piemont

Etwas weniger als 900 000 Franken beträgt das Budget der Sommeroper Selzach in diesem Jahr. Etwa die Hälfte soll mit den Eintrittsgeldern gedeckt werden. Der Rest des Budgets wird mit Beiträgen von Kanton und Gemeinden, von Stiftungen und Sponsoren finanziert. «Man kann ruhig sagen, die ganze Region hilft mit, damit wir das Geld zusammenkriegen», so Produktionsleiter René Gehri.

Draussen ertönt der dritte Trompetenruf als Aufforderung zum Einlass. Auf der Bühne wird bereits während des Einlasses auf einem Nebenschauplatz gespielt. Mondine (Jäterinnen oder Setzerinnen) arbeiten und singen. Zu Tausenden haben sie früher von April bis Juni die Reispflanzen in die gewässerte Landschaft gesetzt, weiss Bühnenbildner Oskar Fluri. «Sie kamen aus ganz Italien. Das gab natürlich Betrieb in den Reisdörfern.» Oskar Fluri hat für das Bühnenbild Anleihen im norditalienischen Piemont gefunden. «Im Gebiet rund um Vercelli, im Reisanbaugebiet, sind mir die Reishöfe aufgefallen.» In den Höfen und in Klöstern hat er architektonische Elemente gefunden, die er im Bühnenbild für «L’elisir d’amore» wieder verwendet.

Die erste Szene spielt beim Eingang in einen Reishof. Ein riesiges Gittertor wird geöffnet und die Mondine fahren – Zeichen der Moderne – auf einer fantastisch gestalteten Setzmaschine sitzend in den Hof ein. Oskar Fluri hat mit diesem Tor die Möglichkeiten der neuen Bühnenmechanik gleich mal ausgereizt. «Jetzt kann eine Kulisse mit 300 Kilogramm hochgezogen werden. Das war bisher gar nie möglich. Mit dem Tor bin ich gerade an diese Grenze gekommen.» Dann startet die erste Solopartie von Nemorino. (uby)

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