Ausländische Wohnbevölkerung
Wie kommunizieren in Coronazeiten? Die Gemeinden haben mehrere Kanäle, wichtig ist die Schule

In Biberist, Gerlafingen, Luterbach und Riedholz gibt sich die Verwaltung grosse Mühe, um die Coronamassnahmen auch der ausländischen Wohnbevölkerung verständlich zu machen. Dabei helfen Schulkinder und Landsleute mit.

Gundi Klemm
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In vielen Gemeinden organisieren sich die Ausländerinnen und Ausländer selbst, wenn sie einen Dolmetscher brauchen. Und sonst hilft das Personal in den Gemeindeverwaltung gerne weiter.

In vielen Gemeinden organisieren sich die Ausländerinnen und Ausländer selbst, wenn sie einen Dolmetscher brauchen. Und sonst hilft das Personal in den Gemeindeverwaltung gerne weiter.

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Wie können Gemeinden sicher stellen, dass alle Massnahmen bezüglich der Covid-Pandemie von Ausländerinnen und Ausländern, die nur wenig oder gar kein Deutsch verstehen, verstanden und vor allem auch eingehalten werden? Stellvertretend auch für andere Gemeinden haben wir in Biberist, Gerlafingen, Luterbach und Riedholz nachgefragt.

Als wesentliche Informationsquelle dienen die grossformatigen Flyer, die das Bundesamt für Gesundheit allen Kantonen und Gemeinden zum Aushang zugestellt hat. Die darauf abgebildeten symbolischen Piktogramme werden von Sprachunkundigen und Analphabeten verstanden.

«Es kann keine Rede davon sein, dass in Teilen der fremdsprachigen Bevölkerung die von Bund und Kanton entwickelten Konzepte gegen die Ausbreitung der Krankheit nicht umgesetzt werden», bekräftigt Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann (Biberist). Denn um diese Personenkreise zu erreichen, bestünden tatsächlich mehrere Kommunikationskanäle.

Die Schule spielt eine wichtige Rolle

Ein ganz wichtiges Tool ist die Plattform «Klapp», über die das Schulwesen in allen vier Gemeinden kommuniziert und dem laut Biberister Gesamtschulleiter Thomas Weyermann über 95 Prozent der Familien im Schulkreis angeschlossen sind. «Auf diese Weise können wir wichtige Mitteilungen direkt platzieren.»

Auch Gemeindepräsidentin Sandra Morstein (Riedholz) ist jetzt in der Krisenlage von der wichtigen Aufgabe des Schulwesens überzeugt, wie sie beispielsweise der GSU-Schulverband im Unterleberberg wahrnimmt. Aber: In der Deutschschweiz werden grundsätzlich alle Nachrichten in Deutsch übermittelt. Theoretisch wäre denkbar, dass Personen mit Migrationshintergrund dies nicht verstehen. Doch längst seien deren Kinder, die hier zur Schule gehen oder hilfsbereite Personen aus der jeweiligen Sprachcommunity in der Lage zu übersetzen.

Dolmetscher sind genügend vorhanden

«Wer immer noch Schwierigkeiten hat, kommt zu uns auf die Gemeindeverwaltung», ergänzt die Luterbacher Gemeindeschreiberin Christa Löffler. Es gebe Merkblätter vom Bund in vielen Sprachen, die sie herunterladen und aushändigen könne. Zudem bestehe im Dorf in «ElternMitWirkung» eine Gruppe, die flexibel unterstützen könne.

Auch die Gerlafinger Gemeindeverwalterin Marlise Tüscher weiss, dass bei Schul-Elternabenden selten ein Dolmetscher zugezogen werden müsse, weil sich fremdsprachige Teilnehmende selber mit Übersetzung aus den eigenen Reihen organisierten. «Die Covid-Massnahmen werden zudem immer wieder in den Unterricht integriert.»

Auch die Arbeitgeber sind in der Pflicht

In Luterbach und Riedholz weiss man, dass sich ansässige Firmen wie etwa Biogen sehr pflichtbewusst darum kümmern, dass ihre Mitarbeitenden die Corona-Massnahmen verstehen und auch einhalten. «Bei allgemeinen administrativen Fragen sind wir in unseren Gemeindeverwaltungen aber durchaus in der Lage, mit den internationalen Mitgliedern der Firmenbelegschaften auch Englisch zu sprechen», erklären Morstein und Löffler.

«Bei Fragen zur Reisetätigkeit und möglicher Quarantäne verlinken wir die Fragestellenden mit der Homepage des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), wo sie alles Wissenswerte erfahren», so die Gerlafinger Gemeindeverwalterin. «Sofern immer noch Unklarheiten bestehen, sind bei uns in der Gemeindeverwaltung etliche Mitarbeitende beschäftigt, die ihre Herkunftssprachen noch nicht vergessen haben und gerne aufklären», fügt Hug an.

«Die Gesetze sind für alle gleich»

Grobe Verstösse gegen die Pandemieauflagen im öffentlichen Raum sind laut Aussagen der vier Verantwortlichen in keiner Gemeinde bekannt. «Wenn mir bei Gängen durchs Dorf etwas auffällt, spreche ich die Beteiligten natürlich darauf an», sagt die Biberister Gemeindespitze. Aber es liege ihm fern, «proaktiv zu schnüffeln» oder mit dem Finger auf Kreise der Gesellschaft zu zeigen.

Die Gesetze seien für alle gleich. «Die Durchsetzung von Massnahmen jedoch ist Sache der Polizei.»