SBB
«Zu 95 Prozent elektrisch unterwegs»

«Auf einen Kaffee mit…» Christian Ginsig, Olten, Mediensprecher SBB und bald Leiter Kommunikation der Basler Verkehrsbetriebe

Urs Huber
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Christian Ginsig am Bahnhof Olten. Er sagt: «Hauptsache smart.» Und elektrisch sei smart. Bruno Kissling

Christian Ginsig am Bahnhof Olten. Er sagt: «Hauptsache smart.» Und elektrisch sei smart. Bruno Kissling

Bruno Kissling

Er wirkt so, als könne er die beiden Nichtfarben Schwarz und Weiss so mischen, dass dabei nicht matte Grautöne, sondern bunte Kleckse entstehen. Ein Beispiel gefällig? «In Olten zu Hause, aber gerne unterwegs.» So scheinbar widersprüchlich und doch charmant übertitelt der Mann seine persönliche Homepage. Und auf die Frage, wie er eigentlich seine politische Haltung als Grünliberaler und einstiger Gemeindeparlamentarier charakterisiere, sagt er: «Zwischen den politischen Polen gerät man leicht in Verdacht, sich nach dem Wind auszurichten. Ich jedoch sage: Ich entscheide situativ, aber ohne Wankelmut.» Tönt gut und der das sagt, hat auch eine Ausbildung in Public Relations absolviert, ist 46-jährig, liiert, Vater einer vierjährigen Tochter, Besitzer mehrerer Vespas (er verbindet dies mit Nostalgie und Konservativismus), eines E-Bikes und ist gemäss eigener Einschätzung «zu 95 Prozent elektrisch unterwegs.» Die Rede ist von Christian Ginsig, seit fast 30 Jahren bei der SBB beschäftigt, Gründer und aktuelles Vorstandsmitglied der Grünliberalen Olten, Vater der Facebook-Gruppe Olten und sowieso auf vielen Kanälen unterwegs. Mobilität und Digitales sind sein Ding, verrät er auf Twitter. Und: «Hauptsache smart.» Und elektrisch ist smart.

Doch ein bunter Hund

Er würde es nicht gerne hören: Aber er ist halt doch irgendwie ein bunter Hund im seriösen Gewand und in schnelllebiger Zeit. Er, der einst als Betriebsdisponent seine Laufbahn bei der SBB startete und dort zum Mediensprecher avancierte, leidenschaftlich gerne Zug fährt, wechselt im Sommer zu einem neuen Arbeitgeber nach Basel, aber hält Olten als Wohnort die Treue. «Klar», sagt er. «Ich hab’ hier so etwas wie Wurzeln geschlagen; seit den späten 90er-Jahren.» Er wird Leiter Unternehmenskommunikation der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB). «Es ist überhaupt nicht so, dass ich die SBB im Groll verlasse», sagt Ginsig. Aber die Idee, einen Grossbetrieb mit rund 33 000 Beschäftigten gegen einen solchen mit rund 1250 Beschäftigten, aber dafür mit mehr Verantwortung zu tauschen, sei verlockend. Denn dort könne er sicher in einer breiteren Funktion tätig sein. Das reize ihn. «Bei der SBB ist aufgrund ihrer Grösse alles stark segmentiert. Ich hoffe, in Basel mehr bewegen zu können und meine öV-Erfahrung dort einzubringen», erzählt Ginsig, dessen Leidenschaft für die Bahn am späteren Nachmittag am Bahnhof Olten voll durchbricht. Er kann schier jede Zugsein- und -ausfahrt erläutern: Woher die Komposition kommt, wohin sie fährt, wann sie abfährt. «Ich muss selber ein bisschen schmunzeln», lacht der Mann und meint dennoch: «Wissen Sie, das Cliché des klassischen Bähnlers ist passé. Heute gibts für jeden Funktionsbereich Spezialisten.» Den Stolz des Bähnlers aber, den gebe es schon noch, meint er mit leisem Schalk im Nacken.

Ach, Olten ...

Es redet sich leicht mit ihm, dem Mister SBB, als der er in Olten und Umgebung wahrgenommen wird. Olten, ach Olten. Er müsse sich auswärts oft rechtfertigen dafür, dass er in der Dreitannenstadt wohnt; der Zentrumsstadt, der Sportstadt, der Bildungsstadt, der Eisenbahnerstadt, der Gartenstadt. «Die Stadt trägt zu viele Hüte; keine klare Entwicklungsstrategie ist ersichtlich; niemand bestimmt, in welche Richtung es gehen soll.» Jetzt ist Ginsig ganz Grünliberaler. Nicht zuletzt deswegen hat er das letztlich erfolgreiche Budgetreferendum unterstützt. «Ich glaube, es fehlt der Bevölkerung das Vertrauen in die Exekutive», sagt er noch, eher er auf ein aus seiner Sicht weiteres Malheure zu reden kommt. Dass Andaare, das Projekt, welches den Aareraum popularisiert hätte, an der Urne angenommen wurde und vom Stadtrat aus finanziellen Gründen für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt wurde, halte er für unverzeihlich und mache ihn sauer. Das will bei Ginsig was heissen, gehört er doch eher zu denen, die ihr Glas halb voll wissen. Auch Olten SüdWest hält er für eine vertane Chance der Stadt, aus ihrer Profillosigkeit auszusteigen. «Dort können sie noch zehnmal den Gestaltungsplan ändern. Die Chance eines nachhaltigen und visionären Quartiers für die Stadt ist vertan.»

Die gute Fee

Hätte er einen Wunsch frei für die Stadt und deren Bevölkerung, die ihm dennoch ans Herz gewachsen sind, er würde sich deren zwei herausnehmen. «Zum einen schnelles Internet mit Glasfaserverbindung in alle Haushalte, eines meiner Hauptanliegen. Denn Arbeiten von überall ist die Zukunft und wird noch viel stärker zunehmen. Und zum zweiten eine sichere Verbindung für den Langsamverkehr zwischen den beiden Stadtseiten. Investitionen, die wir in der Stadt tätigen, müssen einer breiten Öffentlichkeit zu Gute kommen.» Und vielleicht zählt er seine offenbarte Vorstellung, Olten bräuchte eigentlich so etwas wie ein lebendiges und kreatives Spinnertrüppchen, um die Stadt von einer gewissen Lethargie zu befreien, auch noch dazu.