Diesmal ging es beim Treffen von Kulturinteressierten in der Aula des Berufsbildungszenturm BBZ in Solothurn mal nicht um eine Preisverleihung oder Vernissage. Am Montagabend wollten sie selbst «arbeiten», das hiess mitdiskutieren, wie das künftige Kulturleitbild des Kantons Solothurn aussehen sollte.

Eingeladen zu diesem Abend hatte das Amt für Kultur und Sport mit Bildungsdirektor Remo Ankli, der Amtschefin Eva Inversini und dem Präsidenten des Kantonalen Kuratoriums Christoph Rölli. Der Kanton Solothurn soll bis Ende dieses Jahres ein neues Kulturleitbild erhalten. Ausgangspunkt dazu bildet die bereits 2017 durchgeführte Kulturkonferenz mit rund 100 Teilnehmern in Olten, welche wesentliche Informationen zur Standortbestimmung wie auch zu den Zukunftsvorstellungen der Solothurner Kulturakteure hervorbrachte.

Nach einer Einführung in die Thematik durch Eva Inversini öffnete Christoph Rölli als Moderator des Abends die Diskussion mit der Frage ans Plenum: Was gefällt ihnen an den bestehende Förderinstrumenten des Kantons? Was nicht? Welche anderen Fördermassnahmen wünschen Sie? Im Grossen und Ganzen ist man mit den bestehenden Förderinstrumenten zufrieden. Der Kanton kennt Auszeichnungspreise, Förderpreise, den Kunstpreis. Dazu kommen Beiträge aus dem Lotteriefonds zu den unterschiedlichsten kulturellen Betätigungen nach Eingabe eines Gesuches an die entsprechende Fachkommission des Kuratoriums. Man wünsche sich aber mehr Nachhaltigkeit in der Förderung und vor allem mehr Informationen darüber, was wie gefördert wird.

Zu schwerfällig und kompliziert

Immer wieder wurde die komplizierte und schwerfällige Förderung kritisiert, da Sitzungstermine des Kuratoriums abgewartet werden müssten, bis man einen Bescheid erhält. Gerade junge Kulturschaffende oder die heute beliebten Pop-Up-Events, wo oft ein kleinerer Förderbetrag schon eine grosse Wirkung erzielt, wären darauf angewiesen, unkompliziert zu Mitteln zu kommen, sagten jüngere Kulturveranstalter. Viele Junge müssten auch eine gewisse Hemmschwelle überwinden, um ein Gesuch einzureichen. «Warum?», wollte Eva Inversini wissen. Es sei wohl der Papierkrieg, hiess es.

Ein weiteres immer wieder genanntes Thema war die Vernetzung. «Gerade wir kleineren Gemeinden wünschen uns eine bessere Kommunikation über Kulturveranstaltungen und damit eine bessere Vernetzung mit anderen Kulturbetreibern», sagte ein Mitglied der Kulturkommission Rüttenen. Heinz Urben, als Mitbegründer des Kulturverbandes «Solopool» fühlte sich angesprochen und meinte, Vernetzung funktioniere in ihrer Institution sehr gut.

Er meinte aber, die kantonale Kulturförderung sollte sich zusätzlich mit anderen Institutionen wie Wirtschaftsförderung oder Tourismus vernetzen, um auch dort für die Kultur Mittel generieren zu können. «Es ist erwiesen: 25 Mio Franken generiert die Kultur in unserer Region und 750 Leute arbeiten hier im Bereich der Kultur. Es handelt sich also auch um einen wichtigen Wirtschaftsfaktor», so Urben. Neben den bisherigen Preisen und Auszeichnungen wurden konkret die Schaffung eines Preises für ein Werk, wie ein Buch oder einen Film gefordert. Galerist Roberto Medici meinte: «Im Kanton Solothurn ist es auch nicht möglich, jedes Jahr einen Kunstpreisträger, die höchste Auszeichnung, zu finden.» Besser man «spare» sich dieses Geld für die Förderung junger Kunstschaffender auf.

Mehr fördern als pflegen

Ob das Amt aktiv fördern, also kulturelle Anreize schaffen soll, oder ob weiter reaktiv gefördert werden soll, war eine weitere Frage an das Plenum. «Die Umsetzung einer Strategie, setzt immer proaktives Verhalten derer voraus, die sich dann an diese Strategie halten sollen», lautete die Antwort und damit war diese Frage vom Tisch. Der Kanton habe dafür zu sorgen dass Kultur stattfinden kann.

Allerdings wurde gefordert, der Kanton solle viel besser und aktiver über seine Förderung informieren; damit könne er sich besser «verkaufen». Der Kanton Aargau mache dies hervorragend, fand ein Diskussionsteilnehmer.

Eine weitere Frage an die Runde betraf die Abgrenzung zwischen Kulturförderung und Kulturpflege. Man solle klar mehr fördern als pflegen – da war man sich einig.
Bei der letzten Frage, nach weiteren Wünschen wurde das Thema Kultur als Integrationsmöglichkeit angesprochen. Es gebe viele Expads und Immigranten, die man über die Kultur ansprechen könne; davon solle im Strategiepapier auch etwas stehen, wurde gesagt. Eine weitere Anregung betraf die Archivierung der Kultur mittels Digitalisierung. Hier müsse darauf geachtet werden, dass sinnvolle Systeme angeschafft würden. Ein weiterer Wunsch war die Wiedereinführung des Künstlerarchives auf der Kantonalen Homepage, die aufgrund von Sparmassnahmen abgeschafft wurde. Und: man wünsche sich, dass dieses Strategiepapier kurz und bündig und somit brauchbar ausfalle.

Eva Inversini, Amtschefin Kultur und Sport Kanton Solothurn

Eva Inversini, Amtschefin Kultur und Sport Kanton Solothurn 

Eva Inversini, wie fanden Sie diesen ersten Diskussionsabend?
Eva Inversini: Es war sehr anregend und informativ. Ich glaube, wir kommen so unserem Ziel, unterschiedliche Stimmen zur Kulturstrategie zu hören, wirklich näher. Wir können so ganz direkt mit den Menschen, die sich in irgend einer Weise mit Kultur beschäftigen in direkten Dialog treten und das ist sehr wertvoll.

Gab es Neues für Sie zu hören, oder kennen Sie die besprochenen Kritikpunkte und Probleme bereits?
Einige Themen kennen wir, doch es gab auch Neues, was zur Sprache kam. Die Diskussion zeigt uns auch sehr gut, wie stark ein Thema gewichtet werden soll oder nicht. Als neuer Input hat mir sehr gut gefallen, dass wir auch auf Kultur als Integrationsfaktor achten sollen.

Sie sagten in ihrem Einleitungsworten, dass Sie sich Kulturstrategiepapiere in anderen Kantonen angeschaut haben. Ist auch diese Art «Mitwirkungsverfahren» in anderen Kantonen schon angewendet worden?
Ja, das ist keine Solothurner Erfindung. Es wurde uns von verschiedenen Seiten empfohlen, Diskussionsabende durchzuführen. Wichtig ist zu wissen, dass nach den Diskussionsabenden noch bis zum 6. Juni schriftliche Anregungen an das Amt für Kultur und Sport abgegeben werden können.