Verwaltungsgericht
Keine Sonderregelung: Solothurner Eishockeytalent muss die Schule zu Hause besuchen

Trotz weitem Weg und vielen Trainings: Wenn es nicht zur «Swiss Olympic Talent Card» reicht, gibt es auch keine Genehmigung für ausserkantonalen Schulbesuch.

Urs Moser
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Bully verloren: Keine Kostengutsprache für ausserkantonalen Schulbesuch eines Eishockey-Juniors.

Bully verloren: Keine Kostengutsprache für ausserkantonalen Schulbesuch eines Eishockey-Juniors.

Andreas Meier/ freshfocus

Talentiert heisst noch nicht hochbegabt. Auch wenn er viel und hart in Biel trainiert, muss ein junger Solothurner Eishockeyaner die Sekundarschule zu Hause besuchen. Seine Eltern sind mit einer Beschwerde gegen den Entscheid des Volksschulamts abgeblitzt.

Ihr Sohn habe den Berner Talent-Status bekommen, er gehöre zur engeren kantonalen Auswahl der U14, gehöre in der Saison 2022/23 zum Kader der U15-Elit des EHC Biel, rühmten die Eltern den Spross. Auf diesem Niveau wird hart und oft trainiert.

Darum, so befanden die Eltern, sei ihrem Filius der Schulbesuch am Wohnort nicht möglich, er sei in das Programm «Sport-Kultur-Studium» aufzunehmen und es sei eine Kostengutsprache für den ausserkantonalen Schulbesuch in einem Bieler Oberstufenzentrum zu leisten. Denn um das Trainingspensum beim EHC Biel absolvieren zu können, sei die unter Berücksichtigung der Reisezeit nötige Dispensation vom Unterricht an der heimischen Schule nicht möglich.

Kriterien sind streng und hier nicht erfüllt

Doch, da sei eine Lösung zu finden, urteilte man dagegen beim Solothurner Volksschulamt und lehnte das Gesuch um Schulgeldübernahme für den ausserkantonalen Schulbesuch ab. Und was für den Entscheid massgebend war: Auch wenn der junge Eishockeycrack aus dem Wasseramt ja sehr talentiert sein mag, für die vom Solothurner Bildungsdepartement aufgestellten Kriterien für die Aufnahme in eine Sonderklasse reicht es bei ihm nun einmal nicht.

Nichtsdestotrotz gelangten die Hockeyeltern mit einer Beschwerde gegen den Entscheid des Volksschulamts an das Verwaltungsgericht. Erfolglos, eingebracht hat es ihnen nur Verfahrenskosten von 800 Franken. Das Gesuch um Übernahme der Schulkosten sei zu Recht abgewiesen worden, so das Gericht.

Massgebend für das Urteil waren die erwähnten Kriterien des Bildungsdepartements für die Genehmigung des Besuchs einer anderen Schule als derjenigen des Schulträgers der Wohngemeinde.

Und zu diesen Kriterien gehört im Bereich Sport auf Sekundarstufe I neben einem hohen Trainingsaufwand und einem erheblich kürzeren Schulweg auch ultimativ eine «Swiss Olympic Talent Card Regional» zum Nachweis einer Hochbegabung. Und eine solche hat der junge Eishockeycrack nicht. Sprich: Er mag ja gut sein, aber das erforderliche Leistungsniveau für die Bewilligung eines ausserkantonalen Schulbesuchs erreicht er nun einmal nicht.

Kein Anspruch auf optimale Schulumgebung

Den vom Bildungsdepartement aufgestellten Kriterien komme zwar kein Gesetzescharakter zu, hält das Verwaltungsgericht fest. Aber sie würden für eine rechtsgleiche Behandlung sorgen und die in der Verordnung zum Volksschulgesetz genannten Voraussetzungen für eine Ausnahme zur Erfüllung der Schulpflicht beim Schulträger des Wohnorts präzisieren.

Abgesehen von den vom Bildungsdepartement aufgestellten Kriterien, die eben keinen Gesetzescharakter haben, stellt das Gericht aber auch klar, dass der verfassungsmässige Anspruch auf Grundschulunterricht nicht gleichbedeutend sei mit der für ein Kind geeignetsten Schulung. Für die Eltern des Eishockeytalents heisst das laut Verwaltungsgericht: Ihr Sohn hat «keinen rechtlichen Anspruch auf eine optimale Ausbildung, sondern auf eine seinen persönlichen Bedürfnissen angepasste Schulung im Rahmen der staatlichen Möglichkeiten».

Es möge aus Sicht der Eltern zwar wünschbar erscheinen, dass ihr Sohn die Möglichkeit erhält, seine Eishockeybegabung im Rahmen des Schulbesuchs in Biel zu fördern, darauf pochen können sie aber nicht.