«Auf einen Kaffee mit ...»

Notarzt Trevor Hirschi über seine Zeit bei der Rega, über Corona und die Kanti

«Das darf jetzt noch ein paar Jahre so weitergehen.» Der Biberister Trevor Hirschi ist seit Kurzem Oberarzt im Notfall des Inselspitals Bern.

«Das darf jetzt noch ein paar Jahre so weitergehen.» Der Biberister Trevor Hirschi ist seit Kurzem Oberarzt im Notfall des Inselspitals Bern.

Der gebürtige Biberister Trevor Hirschi ist Oberarzt in der Notaufnahme des Inselspitals Bern, davor arbeitete er als Notfall-Arzt bei der Rega. Das Corona-Virus fürchtet er nicht.

Eigentlich gedachte man, bei einem gemeinsamen Kaffee erst einmal die vergangenen Jahre zu rekonstruieren – die Autorin des Textes und Trevor Hirschi kennen sich aus der Kantonsschule Solothurn, wo beide vor 16 Jahren die Matura abschlossen und sich seither nie mehr sahen. Doch das Corona-Virus läuft den guten alten Zeiten den Rang ab, und es drängen sich besonders im Gespräch mit einem Arzt einige Fragen auf. Ob man sich zur Begrüssung umarmen dürfe, zum Beispiel.

«Dafür sind wir leider ein paar Wochen zu spät», sagt Hirschi und lacht. Zwar hätte man sich Jahre nicht mehr gesehen und eine Corona-Virus-Infektion sei für die beiden Anwesenden nicht viel gefährlicher als die saisonale Grippe. Dennoch sei es jetzt wichtig, weitere Ansteckungen so gut es geht zu vermeiden.

Vom Helikopter ins Inselspital

Hirschi arbeitet als Oberarzt für Anästhesiologie im Berner Inselspital. Dort ist er momentan fast täglich mit dem neuartigen Virus konfrontiert. Behandlungen in Schutzanzügen brauche es aktuell nicht. «Wir haben solche Szenarien aber vor einiger Zeit im Rahmen einer Forschungsarbeit durchgespielt, und es war extrem anstrengend.» Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Covid-19 werden derzeit in einem speziell dafür eingerichteten Bereich vor der Notaufnahme primär betreut. «Das wirkt vielleicht etwas surreal, macht aber durchaus Sinn.»

Besorgt wirkt der 34-Jährige nicht. Das Corona-Virus nimmt er ernst, Panik solle man jedoch vermeiden.
Trevor Hirschi ist so, wie man ihn aus der Kanti-Zeit kennt: Ein guter Typ, der immer einen Witz auf Lager hatte, den man mochte und zu seinen Partys einlud. Die strengen Jahre der Ausbildung zum Facharzt Anästhesie, die Zeit als Notarzt bei der Sanitätspolizei Bern, das Jahr als Helikopter-Notarzt bei der Rega und jetzt die Arbeit als Oberarzt auf der Anästhesie des Inselspitals Bern haben sein Gemüt nicht verändert. «Es ist manchmal schon streng, aber ich arbeite sehr gerne.»

Als Notarzt hat Hirschi mehr oder weniger geregelte Arbeitszeiten. Seine Frau, die als Chirurgin tätig ist, arbeitet oft länger als er. Beispielsweise kann eine Operation unerwartet mehr Zeit in Anspruch nehmen. «Da kann man nicht einfach pünktlich Feierabend machen und gehen.» Das Paar, das vergangenes Jahr heiratete und heute in Bern wohnt, habe eine Abmachung: Wer eher zu Hause ist, muss kochen. «Und das bin meistens ich.»

Während der Zeit bei der Rega in Belp, wo er 2018/2019 beschäftigt war, sah das anders aus. Eine Schicht dauert bei der Rega nicht selten 48 Stunden, natürlich inklusive Ruhephasen. Zwei Tage, in denen man zusammen mit der Dienst-Crew «wie in einer WG wohnt», so Hirschi.

Die Arbeit als Notarzt, der lebensbedrohlich verletzte Menschen über den schnellen Luftweg in Spitäler bringt oder Personen birgt, die in unwegsamem Gelände verunfallen, gehört für viele Notärzte und Notärztinnen mit zur Ausbildung, erklärt Hirschi. Die Einsätze sind nicht planbar. Bei einem Notruf muss die Crew innerhalb von fünf Minuten abflugbereit sein. «In der einen Minute träumt man noch, in der anderen muss man hellwach sein», erzählt Hirschi. Im Helikopter kann sich der Notarzt nicht nur auf die medizinischen Aspekte beschränken, er muss auch einen Beitrag zum sicheren Flug leisten. Nach anderen Flugobjekten Ausschau halten etwa, zum Beispiel Drohnen seien sehr gefährlich.

Am Unfallort angekommen, muss Hirschi bei Wind, Regen und Kälte oder auch extremer Hitze eine Infusion legen, Personen in zusammengequetschten Autos mit den richtigen Medikamenten versorgen oder Familien erklären, dass er nichts mehr für den Angehörigen tun könne. «Das geht manchmal schon an die Substanz. Es gibt auch Fälle, die man am Ende der Schicht nicht auf der Basis lässt.» Vor gut einem Jahr wurde Hirschi am Inselspital zum Oberarzt befördert. «Ich bin sehr zufrieden gerade.» Nach Solothurn komme er dennoch immer wieder gerne, sei es für einen Besuch bei seinem Vater in Biberist oder, um alte Freunde zu treffen. «Keine andere Stadt hat dieses spezielle Flair.»

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