Kanton Solothurn
Noch keine Corona-bedingte Schliessung: Finanzspritzen verhindern Kita-Sterben

Vor ein paar Wochen waren von Seiten Kindertagesstätten im Kanton noch dramatische Worte zu hören: Wenn die Situation nicht bessere, müssten bald Krippen schliessen; Corona mache schwer zu schaffen, ebenso die Schliessung, die der Kanton verodnet hat. Nun hat sich die Situation aber gebessert.

Noëlle Karpf
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Nach wie vor emsiges Treiben in Solothurner Kindertagesstätten: Der gefürchtete Krippen-Kollaps blieb bis anhin aus.

Nach wie vor emsiges Treiben in Solothurner Kindertagesstätten: Der gefürchtete Krippen-Kollaps blieb bis anhin aus.

Andreas Arnold

Auch die Kindertagesstätten im Kanton haben turbulente Wochen hinter sich. Im März verordnete der Kanton die Krippenschliessung; lediglich ein Notfallbetreuungsangebot – für Familien, in denen keine andere Betreuung organisiert werden konnte – gab es noch. Dann beschäftigten die Kitas Einbussen, fehlende Elternbeiträge, aber auch Kurzarbeit war ein Thema, weil die Auslastung auch beim reduzierten Notfallangebot eher tief war. Kritik an der Schliessung wurde laut. Ebenso die Forderung nach Entschädigung.

Mittlerweile sind die Krippen wieder offen. Und von Bund, Kanton und Gemeinden kam schnell Unterstützung. 500000 Franken Soforthilfe sprach die Regierung im April. Diese wurden bereits an Kitas mit Notangebot ausgeschüttet, wie Monica Sethi Waeber vom Amt für soziale Sicherheit informiert. 15 Kitas hätten zudem Überbrückungshilfen vom Kanton beansprucht, diese Mittel seien damit noch nicht ausgeschöpft. Diese Gelder müssen eigentlich zurückgezahlt werden – nicht aber von «anspruchsberechtigten Kitas», wie es weiter heisst. Eine Verordnung des Bundes sorgte zudem dafür, dass fehlende Elternbeiträge aufgrund der Pandemie bis zum 17. Juni komplett entschädigt werden sollen.

Alle Krippen gibt es noch, neue kommen dazu

Von Anfang an hiess es, dass auch die Gemeinden gefordert seien mitzuhelfen, um die Krippen vor dem Kollaps zu bewahren. Der Geschäftsleiter des Verbandes der Solothurner Einwohnergemeinden, Thomas Blum, ist selbst Gemeindepräsident von Fulenbach. Dort habe die Gemeinde die Kita direkt unterstützt – er habe keine genauen Informationen dazu, wie das andere gehandhabt hätten. Blum gibt sich aber überzeugt, dass «sehr viele» Kitas im Kanton während der Krise von ihren Trägergemeinden unterstützt werden; sei dass, indem sie weniger Miete zahlen müssen, oder Gemeinden direkt Beiträge für die Plätze sprechen.

Diese Finanzspritzen haben offenbar gewirkt: Stand jetzt musste laut Sethi Waeber vom ASO keine Krippe coronabedingt schliessen. Auch wirke sich die Krise dem Anschein nach nicht auf die Eröffnung neuer Angebote aus; «Aktuell haben wir Kenntnis von zwei Angebotserweiterungen, einer Neueröffnung eines schulergänzenden Angebots sowie ein Gesuch für eine neue Kita.» Laut der Abteilungsleiterin Soziale Förderung und Generationen geht der Kanton zudem davon aus, dass «die meisten Kitas» die «finanziellen Auswirkungen der Coronapandemie auffangen können». «Aktuell nicht abzuschätzen ist die Auswirkung der Coronapandemie auf Neuanmeldungen in Kitas», führt Sethi Waeber weiter aus.

«Was machen wir im Herbst und Winter?»

«Die Unsicherheiten sind da», ist auch von Marlies Murbach zu erfahren. Sie präsidiert den Verein der Kindertagesstätten im Kanton. Den Krippen, die derzeit wie andere Betriebe auch mit Schutzkonzepten arbeiten müssen, gehe es «unterschiedlich gut». «Im Grossen und Ganzen kann man sagen, dass wir mit sehr grossem administrativem Aufwand während der Coronazeit kämpfen mussten», bilanziert Murbach. Die verschiedenen Hilfen gibt es auch für Kitas nicht einfach so, man muss Gesuche und Belege einreichen.

Hin und her bei den Spielgruppen

Krisenzeit Betreuung oder Bildungsangebot? Diese Frage wird im Zusammenhang mit Spielgruppen manchmal diskutiert. Und sie war auch während der Pandemie Thema. Von Seiten Spielgruppen ist zwar klar, dass es um ein Bildungsangebot geht – «Kinder gehen zwei oder zweienhalb Stunden in die Spielgruppen, die einen Grundauftrag haben – das ist kein Betreuungsangebot», erklärt Ursula Beck vom Verband der Schweizer Spielgruppenleiterinnen. Sie ist in der Region Olten/Oberaargau zuständig. Und Beck berichtet, wie es von Seiten Kanton zuerst hiess, Spielgruppen müssten wie Kinderkrippen schliessen. Nach einem Austausch zählte man die Spielgruppen dann aber doch zum Bildungsangebot; was dazu führte, dass die meisten wie die Schulen schlossen und am 11. Mai dann wieder öffneten. Etwas zwischen Stuhl und Bank fielen die Spielgruppen dann auch bezüglich Entschädigung. Zuerst hiess es, für Selbstständige gebe es keine, dann doch. Dann waren Vereine ausgenommen – viele Spielgruppen laufen darunter – dann wieder nicht. «Zuerst hatten viele Existenzängste», berichtet Beck. Wer sich dann aber beim Kanton gemeldet habe, der oder die habe Unterstützung erhalten: Fehlende Elternbeiträge wurden finanziert. Teils gab es auch Eltern, die auf die Rückerstattung bereits bezahlter Beiträge verzichteten. Oder Gemeinden: viele stellen Spielgruppen etwa Räumlichkeiten zur Verfügung, die das Angebot unterstützten. So wurde geholfen –einfach denjenigen, die auch darum baten, so Beck. «Es ist natürlich schon auch mit Papierkrieg verbunden; nicht alle haben sich deshalb gemeldet.» Von einer coronabedingten Schliessung im Raum Olten habe sie keine Kenntnis.

Gleichzeitig schaut man nun mit bangem Blick auf die nächsten Monate: «Was machen wir im Herbst und Winter, wenn sich Corona und die normale Grippe anbahnen?», diese Frage wirft Murbach auf. Dann hätten Krippen mit Personalmangel zu kämpfen – gleichzeitig stelle sich die Frage, wann Kinder zu Hause bleiben müssen und nicht in die Kita können. Und dadurch wiederum stehen die Kitas wieder vor Einbussen und der Frage, wer für diese aufkommt. Mit dem Kanton habe man aber einen guten Austausch und auch schon einige Punkte «optimieren» können, im Hinblick auf eine mögliche zweite Welle.

Das heisst konkret: Man könne einige der Massnahmen wieder übernehmen. Wie etwa die Corona-Hotline Kinderbetreuung, die von März bis April viermal kontaktiert wurde wegen Verdachtsfällen in den Kitas. Damals musste ein Notangebot geschlossen werden, später gab es keine bekannten Quarantäne- oder gar bestätigten Coronafälle.

Wäre auch eine Kita-Schliessung allenfalls wieder Thema? Das könne man so noch nicht sagen, so Sethi Waeber. Weil man ja noch nicht wisse, wie eine zweite Welle aussieht – wenn sie kommt. Die damalige, auch kritisierte, Krippenschliessung sei aus heutiger Sicht aber richtig gewesen; «weil das Ziel ja war, die Pandemie zu verlangsamen». Wie das erneut gemacht werde und welche Massnahmen es brauche, würde man «situationsbedingt entscheiden».

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