Niederönz
Die Kunst geht in die Luft: Eisenwerker Heiko Schütz verwandelt eine eiserne Kugel in einen Ballon

Der Eisenwerker Heiko Schütz aus Niederönz und seine Freunde verwandeln eine eiserne Buchstabenkugel in einen Fesselballon. Damit wollen sie bald abheben.

Gundi Klemm
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Eisenwerk-Künstler Heiko Schütz.

Eisenwerk-Künstler Heiko Schütz.

José R. Martinez

Wenn demnächst ein realer Fesselballon mit dem Kennzeichen HB-QZQ am Himmel schwebt, handelt es sich um ein Kunstprojekt von Eisenwerker Heiko Schütz aus Niederönz.

Auffällig im Dekor von Ballon und Korb sind die dicht ineinander verwobenen Buchstaben. Deutlich machen will er damit: «Mir geht es um Kommunikation und Sprache, und was man damit bewirkt – oder aber nicht.»

Das Schwere aus seinem bevorzugten Werkstoff Eisen mit der Leichtigkeit graziler Plastiken zu verbinden, ist ein Grundanliegen des Künstlers, der mit seinen Werken im öffentlichen Raum im Kanton Solothurn präsent ist.

Bekannt sind seine Knoten und Schlaufen, seine eisernen Bilderbücher, seine markanten Fächerköpfe und seine tänzerischen, oft auch humoristischen Raumzeichen, die zu charakteristischen Wegmarken geworden sind. Mehr als nur Schmuck am Gebäude sind etwa die Radskulptur am Kantonalen Werkhof in Zuchwil, die «Silhouetten» an der Raiffeisenbank in Biberist und am unteren Kreisel in Zuchwil.

Unvergessen bleiben die «Wassermusik» auf der Terrasse des Solothurner Alten Spitals, der durchs Fernsehen berühmte «Pfeil», das eiserne Bilderbuch an der Zentralbibliothek in Solothurn und viele weitere, für den jeweiligen öffentlichen Standort geschaffene und stete Freude vermittelnde Kunstobjekte im Privatbesitz.

Die zahlreichen Ausstellungen mit Werken von Heiko Schütz lösten immer wieder neu ein überwältigendes Echo aus.

Wie das Projekt entstand

Mit seinem inspirierenden Freundeskreis und mit der ideellen und grosszügig finanziellen Unterstützung der Rentsch-Stiftung Olten und ihrem Präsidenten Fritz Schär nahm das Projekt «Die Kunst geht in die Luft» Gestalt an.

Eigentlicher Initiant war Fotograf Andreas Althaus, der die gerade fertiggestellte Buchstabenkugel im Atelier Schütz in Niederönz wie einen Ballon mit anhängendem Korb und Heiko nebst Kuh als insitzende Ballonfahrer fotografisch darstellte. Diese zündend-originelle Idee sprang über und holte die erfahrene Ballongruppe Emmental mit Chris Koblet an Bord.

Allen war natürlich klar, dass ein gewichtiges Eisenkonstrukt sich kaum in die Luft erheben würde. Um aber eine Ballonhülle mit einem Buchstaben-Dekor zu ummanteln, musste Heiko Schütz wie aus dem Kugelumfang abgerollt im ersten Schritt eine Flachvorlage aus Metall erarbeiten, die dann aufwendig fotografiert wurde.

Das technische Know-how stammte vom Unternehmen «Ultra-Magic» in Barcelona. Die dortigen Fachleute zauberten in vier intensiven Wochen einen Druck, der die Buchstabenkugel detailliert abbildet und alle Beteiligten mit dieser Illusion restlos begeistert.

«Eisen ist bodenlastig. Wir müssen ordentlich heizen. Nur so kann es die Schwere überwinden», sagt der Künstler in Vorfreude auf den geplanten Ballonaufstieg.

Der Korb steht für die Ballonfahrt schon bereit.

Der Korb steht für die Ballonfahrt schon bereit.

José R. Martinez

Das gesamte Projekt wird in einem Buch unter dem Titel «Wie die Buchstaben fliegen lernten» festgehalten, in dem Peter Staudenmann (Artwork) für Gestaltung und Fotos zuständig ist. Die Texte stammen von Peter Killer. Vorerst möchte Heiko Schütz die Ballonpräsentation mit eingeladenen Gästen in kleinem Rahmen feiern. Ein offizieller Einweihungsakt für den «Wortlos» benannten Fesselballon wird schon bald durch die Stiftung Rentsch in Olten organisiert.

Eisenwerk-Künstler Heiko Schütz.

Eisenwerk-Künstler Heiko Schütz.

José R. Martinez

Bei den Menschen zuhause

Heiko Schütz wurde 1954 in Kirchberg geboren und schuf nach einer Mechanikerlehre erste figürliche Arbeiten. Ab 1977 war er assistierend an der Seite von Bernhard Luginbühl tätig. Ab 1980 bis 1992 wohnte und arbeitete er in Burgäschi, wo auch seine ersten eisernen Bilderbücher entstanden. Ab 1987 betrieb er ein Atelier in der Stahl Gerlafingen AG. Die Verbindung von «Schwerem und Leichtem» führte ihn auch in die Glashütte Hergiswil, wo Arbeiten aus Glas und aus seiner laufend erweiterten Schrottsammlung entstanden. Seit 1993 lebt er mit seiner Familie in Niederönz in einem auf seine Bedürfnisse umgebauten Bauernhaus, zu dem auch ein grosser Garten mit einer Fülle eigener Skulpturen zählt. Heiko Schütz, dessen künstlerisches Schaffen landesweit ausstrahlt, hat nie die Bodenhaftung in der Region verloren. Er ist hier bei den Menschen zu Hause. Nach vorheriger Anfrage empfängt Eisenwerker Schütz gerne Besuche.