Am 26. Januar führen die Routiers Suisse Sektion Solothurn in Zuchwil ihre 50. Generalversammlung durch. 1969 gegründet, ist diese Sektion eine der ersten der insgesamt 37 in der Schweiz. Präsidiert wird sie seit sieben Jahren von der Oensingerin Vreni Müller (*1964). Die ausgebildete Lastwagenführerin weiss alles über die Sorgen und Nöte der Routiers, obwohl sie selbst seit einigen Jahren nicht mehr mit dem Lastwagen unterwegs ist.
«Mein Vater war schon Chauffeur und so wuchs ich mit diesem Business auf», erzählt sie. «Eigentlich wollte ich immer schon Lastwagenführerin werden. Doch damals, in den frühen Achtziger Jahren, war das für ein Mädchen doch noch sehr exotisch. So wurde ich Mechanikerin, doch schon kurz nach der Lehre arbeitete ich als Einzige im Kanton als Lastwagenchauffeuse».

«Ich bin eben kein Hausmütterchen»

Frauen mussten und müssen noch heute in solchen Berufen 150 Prozent leisten, sagt sie, doch: «Wenn man es geschafft hat, im Männerumfeld akzeptiert zu werden, habe ich das immer als angenehm empfunden. Es war mir so immer wohler als in einer Frauen-Gemeinschaft.» Sie sei eben kein Hausmütterchen und wenn’s beispielsweise ums Mithelfen beim Zügeln bei Kollegen oder Freunden gehe, sei sie lieber am Kistenschleppen und Herumfahren als am Putzen. Sie sei dann einige Zeit international mit dem LKW gefahren und habe dabei auch ihren Mann kennen gelernt, erzählt sie weiter. Als sie dann in Oensingen eine Tankstelle führte, trat sie den Routiers Suisse bei.

TCS-Kursleiterin in Derendingen

Damit war aber noch lange nicht Schluss mit Ausbildungen: Vor 13 Jahren hat die Oensingerin dann die Fahrlehrerschule absolviert. Diese Ausbildung dauerte zwei Jahre; danach hat sie die Verkehrssicherheitsinstruktor-Ausbildung und weitere nötige Kursmodule abgeschlossen. Heute erteilt Vreni Müller Kurse für Neulenker, Senioren, aber auch für Lastwagenführer im Kursangebot des TCS in Derendingen. «Eine Arbeit, die mir enorm viel Spass macht mit der grossen Abwechslung.» Doch Lastwagen und Autofahren sind nicht die einzigen Hobbies von Vreni Müller. Sie ist seit vielen Jahren auch Präsidentin des Shettland Ponyclubs Schweiz. «Es müssen halt einfach Pferdestärken sein», lacht sie. «Einmal mehr, einmal weniger.»

Zurück zu den Routiers. «Es ist bei uns, wie bei vielen anderen Vereinen: Wir sind überaltert», klagt die Präsidentin. Und dies, obwohl es heute so viel Lastwagenverkehr auf den Strassen hat, wie nie. «Doch sehen Sie sich mal die Nummernschilder an», sagt Müller. «Nur noch einzelne dieser Fahrzeuge stammen aus der Schweiz. Es sind viele Billig-Chauffeure unterwegs. Auch existieren immer weniger grosse Schweizer Fuhrunternehmen, die international fahren. Es rentiert einfach nicht mehr», weiss Müller. Und so sind auch lange nicht alle Berufslastwagenfahrer in einer der Sektionen der Routiers Suisse Mitglied. Unverständlich, umso mehr man trotz Mitgliedschaft nicht einmal verpflichtet sei, einen Verbandsbeitrag zu entrichten. «Wir zählen um 500 Mitglieder, doch nur etwa die Hälfte zahlen den bescheidenen Sektionsbeitrag von 25 Franken ein.» Dabei gehe es in der Sektion darum, die Gemeinschaft und Geselligkeit zu pflegen, Anlässe zu organisieren, Diskussionen, wie zum Beispiel über Lohndruck oder Arbeits- und Ruhezeitkontrollen, zu führen.

«Ein Stück Zuhause»

Doch auch heute noch finde man den stolzen Routier, den freiheitsliebenden Lastwagenfahrer, den Kapitän der Strasse, der dem Sonnenauf- oder Untergang entgegenfährt, beschreibt Müller. «Gute Musik und ein sauber rausgeputzter Lastwagen mit dem einen oder anderen Lämpli», schreibt Müller in ihrem Jahresbericht von 2018. Das seien die Emotionen, mit welchen der Fahrer jeden Tag in seinen Truck steige und sich den Anforderungen stelle. «Der Lastwagen ist auch ein Stück Zuhause, ein Arbeitsplatz an dem man sich wohlfühlen will und der die eigene Persönlichkeit repräsentiert.»

Im vergangenen 2018, dem eigentlichen Jubiläumsjahr, wurden für die Mitglieder trotz angespannter Kasse, besondere Anlässe durchgeführt. «In guter Erinnerung bleibt die Reise zu den DAF-Werken ins holländische Endhoven. 45 Personen kamen mit», sagt Müller mit Stolz.
An der Generalversammlung in Zuchwil soll es ebenfalls ein paar Überraschungen geben, verrät Müller. Allerdings quälen sie bei aller Jubiläumsfreude auch Sorgen. «Seit langem suchen wir dringend zwei Vorstandsmitglieder. Insbesondere einen Kassier.»