Über 3500 Lehrpersonen unterrichten Kinder und Jugendliche während der obligatorischen Schulzeit im Kanton Solothurn. Derzeit sind die Schulen wieder auf der Suche nach neuen, um freie Stellen auf kommenden Sommer hin zu besetzen. «Ich vermute, dass es auch im neuen Schuljahr für den Kanton Solothurn recht gut aussieht», sagt Dagmar Rösler, Präsidentin des Solothurner Lehrerverbandes dazu. Aber: «Die Frage ist eher, ob die Stellen mit adäquat ausgebildeten Lehrpersonen besetzt werden können.»

Der Schuh drückt konkret in zwei Bereichen: Beim Französischunterricht und beim Einsatz von Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, die im Rahmen der Speziellen Förderung mit Schülern arbeiten, welche zusätzliche Unterstützung brauchen.

Gut bezahlt, aber anspruchsvoll

«Praktisch jede Stelle der Heilpädagogen oder Förderlehrperson kann nicht durch ausgebildete Lehrpersonen respektive auch sonst nur mit grösster Mühe besetzt werden», sagt Adrian van der Floe, der den Schulleitern des Kantons vorsteht. Der Markt sei schlicht ausgetrocknet, sagt auch die höchste Lehrerin im Kanton, Dagmar Rösler. Dieselbe Einschätzung gibt auch das Volksschulamt ab.

Der Markt besteht aus ausgebildeten Fachpersonen, die nach dem Bachelor zur Lehrperson noch den Master im Bereich Heilpädagogik gemacht haben. Dieses Berufsfeld sei «attraktiv, aber sehr anspruchsvoll», sagt Christian Irgl von der Fachhochschule Nordwestschweiz, zu welcher auch die Pädagogische Hochschule in Solothurn gehört.

So winkt einerseits ein gutes Einkommen. Laut einer Lohndatenerhebung des Bildungsraumes Nordwestschweiz beträgt der Lohn im Einstiegsjahr im Kanton Solothurn bereits über 90 000 Franken – und steigt danach an bis auf 140 000 Franken. Auf der anderen Seite sind Heilpädagoginnen und Heilpädagogen oft nur mit kleineren Pensen angestellt und arbeiten mit knapp bemessenen Förderlektionen mit Kindern und Jugendlichen, die mehr Betreuung beanspruchen. Oder sie schaufeln sich ein Vollzeitpensum durch mehrere Lektionen an verschiedenen Schulen zusammen.

Situation «nicht befriedigend»

Öfters machen zudem Lehrpersonen, die schon seit Jahren arbeiten, erst später das Studium in der Heilpädagogik. Weniger Junge hängen den Master direkt an den Bachelor an. Das führt auch dazu, dass nur 43,5 der knapp 394 Vollzeitpensen von Personen bis 30 besetzt sind. Den grössten Teil macht die Gruppe der 60 bis 65-Jährigen aus, mit knapp 60 Vollzeitstellen.
Werden diese pensioniert, oder wechseln die Fachpersonen aus anderen Gründen, haben die Schulen dann öfters kaum Bewerbungen für die offene Stelle.

«Im Bereich Heilpädagogik ist die Situation noch immer nicht befriedigend», sagt Yolanda Klaus vom Volksschulamt. Der Kanton habe aber reagiert: So bietet die Fachhochschule Nordwestschweiz eine Weiterbildung an, mit der die Ausbildung in der Heilpädagogik schrittweise möglich ist. Diese kann ans spätere Masterstudium angerechnet werden. Aber: «Da die Ausbildung drei bis vier Semester dauert, ist die Wirkung noch nicht sichtbar», so Klaus.

Englisch ist beliebter als Franz

Eine Statistik zur Anzahl Französischlehrpersonen im Kanton gibt es nicht. Jedoch sagt etwa Schulleiter van der Floe diesbezüglich: «Französisch auf Stufe Primar-und Sekundarschule ist sehr schwierig zu besetzen.» Auch beim Volksschulamt heisst es, es gebe «nicht allzu viele» Bewerbungen.

An der PH Solothurn können sich Studierende bei der Ausbildung zur Primarlehrperson zwischen Englisch und Französisch entscheiden, Französisch wird ab der 3. Klasse unterrichtet, Englisch ab der 5. Wobei Französisch dabei deutlich weniger beliebt ist im Kanton: Laut Irgl von der Fachhochschule Nordwestschweiz entscheiden sich in Solothurn drei von vier Studierenden für Englisch.

Einfacher als in Nachbarkantonen

Dafür hat die Anzahl der Studierenden an der PH Solothurn insgesamt zugenommen. Laut Irgl waren es 2014 noch knapp 190 Personen – heute sind es 280 Personen, die sich zur Kindergarten- und Primarlehrperson ausbilden lassen. Das ist ein Anstieg um 50 Prozent in den letzten fünf Jahren.

Wie eingangs erwähnt: Allgemeiner Lehrermangel herrscht nicht im Kanton. Schulleiter van der Floe: «Gegenüber den umliegenden Kantonen stellen wir fest, dass es nicht so schwierig ist, die Stellen mit geeigneten Lehrpersonen zu besetzen.» Ausnahmen bilden die Bereiche Französisch und Heilpädagogik. Schwierig sei es weiter auch, für den Musikunterricht und technisches Gestalten Lehrpersonen zu finden. Eher wenig Bewerbungen gebe es teils auch auf Sek-B-Stufe und auch Logopäden finde man kaum. Im Allgemeinen sind es laut van der Floe die kleinen Pensen, die schwierig zu besetzen sind.

Trotzdem sei man im Vorteil gegenüber anderen Kantonen, sagt auch Dagmar Rösler. Ein Erklärungsansatz liefert der erneute Blick in die Lohndatenstatistik: So liegt der Einstiegslohn bei Primarlehrpersonen im Kanton Solothurn bei knapp 81 000 Franken – im Kanton Bern sind es knapp 74 000, im Kanton Aargau knapp 78 000.