Eröffnung
Kanton greift der neuen Weissenstein-Seilbahn unter die Arme

Die neue Gondelbahn auf den Weissenstein wird zum Weihnachtsgeschenk: Die Eröffnung soll am Samstag, 20. Dezember 2014 stattfinden. Möglich wird das unter anderem, weil der Kanton die Seilbahn mit einem zinslosen Darlehen unterstützt.

Lucien Fluri
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Statt Baumaschinen sollen hier ab dem 20. Dezember Gondeln fahren.

Statt Baumaschinen sollen hier ab dem 20. Dezember Gondeln fahren.

Hanspeter Bärtschi

Jetzt ist bekannt, ab wann die neue Seilbahn auf den Weissenstein fährt: Mitten in der fast schon sommerlichen Hitze hat Seilbahn-Verwaltungsratspräsident Urs Allemann am Mittwoch ein Weihnachtsgeschenk für die Solothurner angekündet: Am 20. Dezember, dem letzten offiziellen Herbsttag, startet er Betrieb am Berg wieder.

«Wir schlagen ein neues Kapitel am Solothurner Hausberg auf», so Allemann. «Wir geben dem Weissenstein die Chance, sich weiterzuentwickeln». - Bereits beim Spatenstich Mitte Februar hatte VR-Vizepräsident Rolf Studer betont, der Herbst dauere bis zum 20. Dezember und damit die Hoffnungen gedämpft, dass ein Start im Frühherbst unrealistisch ist.

2 Mio. zinslos von Bund und Kanton

160 Aktionäre waren am Mittwoch zur Generalversammlung der Seilbahn Weissenstein AG in den Solothurner Konzertsaal gekommen. Und das definitive Datum der Inbetriebnahme blieb nicht die einzige erfreuliche Nachricht für die Bahnbesitzer: Die Seilbahn erhält auch ein 3-Mio. schweres, zinsloses Darlehen aus der Neuen Regionalpolitik des Bundes.

So geht es am Berg weiter

«Die Steine rollen am Weissenstein», sagte Projektleiter Johannes Sutter. Der Aushub für die drei Stationen ist am Laufen oder bereits abgeschlossen, die Fundamente werden erstellt. Bei der Talstation sind die Bodenplatten bereits betoniert und die Wände des Untergeschosses sichtbar. Nicht einfach sei der geologische Untergrund bei der Mittelstation, erklärte der Projektleiter.
Bis Anfang August werden auch die Fundamente für die Stützen erstellt sein. Highlight der Bauarbeiten ist der Flugtag Mitte August, wenn ein Helikopter die Stützenelemente passgenau an ihre künftigen Standorte fliegt. Anschliessend folgt die Installation der Seilbahntechnik. Im November und Dezember stehen dann die Betriebsvorbereitungen wie Bremstests und die Abnahme durch die Behörden an. Dem Frischlufterlebnis der früheren Sesseli stellte Sutter den Panoramablick der Gondeln entgegen.
Von einer «bemerkenswerten und einmaligen Stationsarchitektur» spricht Verwaltungsratspräsident Urs Allemann. «Wir haben sehr spektakuläre Stationsbauten, die sicher ein Alleinstellungsmerkmal der neuen Bahn sein werden.» Architekt ist der Solothurner Guido Kummer. Grundsätzlich seien möglichst viele Firmen aus der Region berücksichtigt worden, sagt Allemann. (lfh)

Konkret heisst das: Bund und Kanton steuern eine Million bei, die Seilbahn selbst, so die Vorgaben, muss ebenfalls eine Million beitragen - und erhält so faktisch 2 Mio. Franken Darlehen.

«Die Seilbahn hat Hilfe gesucht und wir haben geschaut, was möglich ist», sagte am Mittwoch auf Anfrage der an der Generalversammlung anwesende Baudirektor Roland Fürst - federführend ist das Volkswirtschaftsdepartement von Esther Gassler.

Nicht zum ersten Mal unterstützt der Kanton ein Tourismusprojekt über die Neue Regionalpolitik des Bundes: 2010 sprach der Kanton 2 Mio. Franken für das neue Schiff MS 300 auf dem Bielersee - damals allerdings nicht als zinsloses Darlehen, sondern als à-fonds-perdu-Beitrag.

Immer mehr Auflagen

Schon fast vergessen haben die meisten Solothurner den langen Kampf, den die Seilbahn Weissenstein AG um ihren Neubau geführt hat. Noch nicht ganz verwunden hat es Urs Allemann, der als Verwaltungsratspräsident an vordester Front für die Bahn kämpfte.

Bahn: Gewinn trotz «Stillstand»

Auch ohne Bahnbetrieb hat die Seilbahn Weissenstein 2013 einen Gewinn geschrieben - dank Sesseliverkauf, Spenden und Sponsoring. Dieser beträgt 332 000 Franken besteht der Reingewinn, wie Verwaltungsrats-Vizepräsident Rolf Studer den Aktionären erklärte. Dank Schlittenvermietung und den über 100 verkauften Sesseli, die alleine rund 139000 Franken in die Kasse brachten, besserte sich die Rechnung auf. Mit 140 000 Franken schlugen die Abbrucharbeiten 2013 zu Buche, eine erste Tranche über 2 Mio. Franken überwies die Seilbahn für den Kauf der neuen Bahnanlage. Möglich war der Gewinn dank der Beiträge der Sponsoren, die 2013 rund 1 Mio. Franken bezahlt haben. Besonders engagiert sind AEK, Baloise Bank Soba und die GAW. Weitere Einnahmen erhofft sich die Bahn auch durch Werbung in der Bahn. Für jede Gondelkabine wird auf der Homepage ein Götti gesucht. 5000 Franken kostet ein metallenes Namensschild in einer der Gondeln.
Noch hat der seit längerem bekannte positive Rechnungsabschluss und der nun absehbare Termin für die Inbetriebnahme der Bahn nicht auf den Aktienkurs der Seilbahn Weissenstein AG durchgeschlagen. Der Kurs des im September 2013 erstmals über die Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank gehandelten Titels bewegt sich seither mehrheitlich zwischen 100 und 105 Franken. Nur einmal, Mitte März, wechselte ein grösseres Paket zu 80 Franken die Hand. Dagegen ging am 20. Mai mit 150 Aktien zu 100 Franken die bisher grösste Einzeltransaktion über die Bühne. Seit dem Start auf der Handelsplattform generierten 202 Abschlüsse ein Volumen von fast 2300 Aktien im Umfang von rund 230 000 Franken. Das Aktienkapital der Seilbahn Weissenstein AG von 12,2 Millionen Franken ist eingeteilt in 122 202 Inhabertitel mit einem Nominalwert von 100 Franken. (FS/LFH)

Der Rüttener CVP-Kantonsrat nannte die konkreten Spuren, die das lange Verfahren bei der Aktiengesellschaft hinterlassen hat: Vier ertragslose Jahre, eine Teuerung in dieser Zeit und rund 110 neue Auflagen von Bund und Kanton für die neue Bahn. «Zeitverzögerungen und Auflagen sind nicht gratis zu haben», so Allemann.

«Hätten wir das Projekt gemacht, wenn wir vor zehn Jahren gewusst hätten , was auf uns zukommt?», fragte er die Aktionäre rhetorisch und betonte nochmals die Hindernisse und den steinigen Weg.

Als man 2008 mit dem Planungsverfahren begann, rechnete man mit einer Eröffnung 2009. Allemann wollte dann doch nicht «im Zorn zurückzuschauen» und richtete den Blick nach vorn.

«Ihr seid sicher erfreut und froh, dass das Warten am Berg ein Ende hat», so der Verwaltungsratspräsident an seine Aktionäre. Er dankte nochmals für die breite Unterstützung der Solothurner Bevölkerung. «Ich hätte da nicht immer in der Haut des Gegners stecken wollen», wagte er wohl seine letzte Spitze an einer Generalversammlung. Wenn die Aktionäre nächstes Jahr zusammenkommen, wird die Bahn schon einige Monate fahren.

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