Regierungsrat Solothurn

Heim und Fürst gehen gemeinsam: CVP-Doppelvakanz lädt SVP und FDP zum Angriff ein

Scherzhaft auch mal «Der doppelte Roland» genannt: Roland Fürst (l.) und Roland Heim nach dem für die CVP erfolgreichen zweiten Wahlgang am 14. April 2013.

Scherzhaft auch mal «Der doppelte Roland» genannt: Roland Fürst (l.) und Roland Heim nach dem für die CVP erfolgreichen zweiten Wahlgang am 14. April 2013.

Überraschende Doppelvakanz der CVP sorgt für spannende Ausgangslage bei den Gesamterneuerungswahlen der Regierung 2021.

Dass Finanzdirektor Roland Heim im nächsten März nicht mehr antreten wird, das sahen Politbeobachter seit längerem voraus. Dass aber auch sein Parteikollege, Bau- und Justizdirektor Roland Fürst auf eine Wiederwahl verzichten will, das ist eine echte Überraschung. Gestern gab die kantonale CVP bekannt, dass die zwei 2013 gemeinsam in den Regierungsrat gewählten Politiker ihre politische Karriere 2021 auch wieder gemeinsam beenden werden. Während Roland Heim Ende Juni seinen 65. Geburtstag feiern kann und damit das Pensionsalter erreicht, hat man beim 59-jährigen Roland Fürst allgemein erwartet, dass er gerne noch eine weitere Legislaturperiode anhängen würde.

Partei wurde erst im letzten Monat informiert

Doch nun macht der Bau- und Justizdirektor gesundheitliche Gründe für einen Verzicht geltend: Die Rede ist in der Parteimitteilung von schmerzhaften «Spätfolgen seiner intensiven sportlichen Vergangenheit». Sie habe von «Bresten» gewusst, aber nicht von deren Ausmass, sagt Parteipräsidentin Sandra Kolly auf Anfrage dieser Zeitung. Auch sie und das Präsidium seien von Fürst erst im Mai über den Entscheid informiert worden, den sie sehr bedaure.

Damit gestalte sich die «Ausgangslage, beide Sitze zu verteidigen, sicher schwieriger», ist sich Kolly bewusst. Umso mehr, als «die anderen Parteien» angesichts der Doppelvakanz erst recht Morgenluft wittern werden: Die FDP, die wieder zu einem zweiten Regierungssitz kommen möchte und erst recht die SVP, die trotz mehrfacher Anläufe den Sprung in die Exekutive bisher nie geschafft hat.

Die CVP will beide Sitze verteidigen

So oder werde die CVP mit zwei Kandidaturen zu den Wahlen vom nächsten Frühjahr antreten, macht Kolly deutlich: «Wir werden sicher nicht kampflos einen Sitz aufgeben. Wir kämpfen bis zum Schluss, das sind wir auch unserer Basis schuldig.» Ihr Ziel sei es, dem Nominationsparteitag vom 5. November in Oensingen gar eine Kandidatenauswahl zu unterbreiten. Und woher will die Parteipräsidentin diese Auswahl herzaubern? Die Bezirksparteien seien aufgefordert, entsprechende Meldungen zu machen, sagt Kolly. Und: «Wir haben eine Reihe sehr guter Leute» – Namen will sie allerdings partout noch keine nennen.

Bereits früher öffentlich genannt wurden etwa Fabian Gloor, Gemeindepräsident von Oensingen; Kantonsrätin Susanne Koch Hauser aus Erschwil oder Nationalrat Stefan Müller-Altermatt aus Herbetswil. Ob er allerdings die grosse Bühne der eidgenössischen Politik für einen Regierungssitz aufgeben würde, scheint eher fraglich. Ein «willkommenes Zugpferd» wäre er für die CVP aber allemal, wie Kolly dann doch einräumt. Und sie selber? Die Neuendörferin lacht zunächst nur, bestätigt schliesslich aber, dass sie «von mehreren Seiten gebeten worden» sei, zu kandidieren. Als Parteipräsidentin spüre sie einen gewissen Druck aus der aktuellen Situation und die Verantwortung, sich Gedanken über ein Antreten zu machen.

Kein Geringerer als die graue Eminenz der «Schwarzen», alt Regierungsrat Walter Straumann, soll die Suche nach geeigneten Papabili aufgleisen helfen: Er ist vom Kantonalvorstand mit der Leitung der Findungskommission beauftragt worden.

Mehr Zeit als Tambour und als Fotograf

Derweil werden Heim und Fürst schon bald wieder mehr Zeit auch für ihre Hobbys haben: Heim als Tambour und Chansonnier, Fürst als Fotograf. Bis zu ihrer Wahl 2013 in den Regierungsrat hatten beide dem Kantonsrat angehört und beide waren während ihrer Regierungszeit zweimal Landammann. Als wichtigste Geschäfte nennt die CVP bezüglich Roland Heim das Massnahmenpaket zur Stabilisierung der Kantonsfinanzen, die Ausfinanzierung der Pensionskasse sowie die kantonale Umsetzung der AHV-Steuerreform. Für Roland Fürst werden die Überarbeitung des kantonalen Richtplanes, die Arealentwicklung Attisholz Süd/Biogen-Ansiedlung sowie der Neubau des Bürgerspitals genannt.

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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