Wahlkampf
Für Nationalrats-Kandidat Marc Thommen ist kein Aufwand zu teuer

Marc Thommen (FDP) ist ein Quereinsteiger. Doch der Chef einer Oltner Firmengruppe steckt so viel Geld in den Wahlkampf wie wohl kein anderer im Kanton Solothurn.

Sven Altermatt
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«Wenn ich schon kandidiere, dann kandidiere ich eben richtig.» Marc Thommen FDP-Nationalratskandidat.

«Wenn ich schon kandidiere, dann kandidiere ich eben richtig.» Marc Thommen FDP-Nationalratskandidat.

Keystone

Marc Thommen ist überall. Keiner schaltet so fleissig Inserate wie der FDP-Nationalratskandidat aus Hägendorf. An den Strassenrändern lächelt er von unzähligen Plakaten, manche sind zwölf Quadratmeter gross. Seine Website wird eifrig mit Videos und Bildern bespielt, sein Programm gibt es zum Herunterladen. Auf Fotos posiert er mit Persönlichkeiten wie Armeechef André Blattmann. Für Thommens Kandidatur («Bringt frischen Wind!») weibelt der bekannte PR-Berater Rolf Schmid. Allein für seine Werbespots in Kinos soll er mehrere tausend Franken bezahlt haben.

Der Mann, so scheint es, scheut keine Kosten. Kein anderer Bewerber im Kanton Solothurn stecke so viel Geld in seinen Wahlkampf wie Thommen, sagt ein Insider aus dem inneren Kreis der FDP. Und im freisinnigen Kandidatenfeld werden manche schon nervös: Ein Mitbewerber spricht von «finanziellen Möglichkeiten, die wir anderen schlichtweg nicht haben».

Wer legt sein Wahlkampfbudget offen?

Wie viel Geld investieren die Kandidierenden in ihren Wahlkampf? Die Frage ist ein Dauerthema, doch Antworten sind spärlich. Auf der Wahlplattform Smartvote können die Bewerber ihr Budget offenlegen. Unter den Politikern, die auf den Stammlisten kandidieren, tut das kaum jemand. Zu den Ausnahmen gehört FDP-Nationalrat Kurt Fluri. Sein eigenes Budget beträgt demnach 3000 Franken. Weitere 6000 Franken überweist er seiner Kantonalpartei. Diese finanziert die Werbeauftritte der freisinnigen Listen. Bei Fluris Parteikollege Roger Siegenthaler beläuft sich das Wahlkampfbudget auf 10 000 Franken, davon sollen 70 Prozent aus eigenen Mitteln stammen. Mit Urs Unterlerchner macht ein weiterer FDP-Mann sein persönliches Budget transparent. 4500 Franken investiert er gemäss Smartvote in seinen Wahlkampf. Weitere 1700 Franken habe er unterdessen für einen zusätzlichen Postversand ausgegeben, sagt Unterlerchner. Auch dieser Betrag stamme zu hundert Prozent aus eigenen Mitteln.

Zu den drei Freisinnigen gesellt sich der Grüne Felix Wettstein. Sein Budget beträgt 10 000 Franken, wobei die Hälfte davon aus eigenen Mitteln stammt. Die andere Hälfte setzt sich aus Parteibeiträgen und privaten Spenden zusammen. Tatsächlich lassen sich die Angaben der Kandidaten nur schwer nachprüfen, und ein Vergleich ist ohnehin heikel. Die einen zählen auf die kostenlose Unterstützung ihrer Partei, die anderen sind auf sich alleine gestellt. Viele arbeiten mit Werbeagenturen, manche kommen ohne aus.

Nicht über Geld reden

Und wie stehen die Solothurner Kandidierenden zu der Forderung nach einer transparenten Politikfinanzierung? Auf der Wahlplattform Vimentis können sie sich dazu äussern, ob Beiträge an Parteien und politische Kampagnen von über 50 000 Franken offengelegt werden sollen. Eine Auswertung der Stammlisten zeigt: Die Kandidierenden von SVP und FDP sind mehrheitlich gegen eine verpflichtende Offenlegung. SP und Grüne sowie GLP, BDP, EVP und EDU würden hingegen mehr Transparenz begrüssen. Die CVP spaltet sich bei dieser Frage in zwei Lager. Unter den Ständeratskandidaten fordert einzig Roberto Zanetti (SP) mehr Transparenz. (sva)

Thommen selbst will sich gegenüber dieser Zeitung nicht zur Höhe seines Wahlkampfbudgets äussern. Seine Ausgaben seien aber nicht so hoch, wie einige wohl vermuten würden. «Wenn ich schon kandidiere», sagt Thommen, «dann kandidiere ich eben richtig.» Für ihn ist das nicht zuletzt eine Frage der Ernsthaftigkeit. Zudem betreibe er seinen Wahlkampf ja auch im Interesse der Partei.

Vernetzt und verflochten

Marc Thommen führt die familieneigene Thommen-Gruppe mit Hauptsitz in Olten. Politisch ist der 46-Jährige vor seiner Kandidatur kaum in Erscheinung getreten. Er beschränkte sich auf das Präsidium der Hägendorfer FDP-Ortspartei. Im östlichen Kantonsteil gilt er unter Freisinnigen jedoch als bestens vernetzt. Thommen sei einer, der Klartext spricht, lässt sich etwa Alt-Ständerat Rolf Büttiker zitieren.

Der Architekt und Baumeister ist, das zeigt sein Politprofil, ein klassicher Wirtschaftsliberaler. Thommen ist mit einflussreichen Organisationen verflochten, sitzt im Vorstand der Handelskammer und in 15 Verwaltungsräten. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Ausschlaggebend für seine Kandidatur sei der Wunsch gewesen, «einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten». Unter den Solothurner Vertretern in Bern vermisse er bisweilen das Verständnis für das Unternehmertum.

In Stellung für weitere Mandate

Doch trotz aller Aufwände sind seine Wahlchancen gering. Der Kanton Solothurn verliert einen seiner Sitze im Nationalrat, sieben Bisherige werden am 18. Oktober um sechs Mandate kämpfen. Politische Quereinsteiger haben es da besonders schwer. Das weiss auch Marc Thommen. «Aber eben», sagt er und betont erneut: Wenn er etwas mache, dann richtig. Darum gebe er jetzt Gas im Wahlkampf. Sein Ziel ist zumindest ein Ersatzmandat.

Thommen verneint nicht, dass er sich mit seiner Kandidatur schon mal für andere Politmandate in Stellung bringt. Vielleicht kandidiert er in zwei Jahren für den Kantonsrat. Immerhin dürfte sein Bekanntheitsgrad nach seinem ersten Wahlkampf schlagartig gestiegen sein.