Crémines
Die Leidenszeit hat ein Ende: René Stricklers Raubtiere leben sich im Siky Park ein

Die Grosskatzen von René Strickler konnten im frisch sanierten Siky Park in Crémines ihre vier neuen Gehege in Beschlag nehmen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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 Medienkonferenz mit Führung durch den Park vor der Neueröffnung des Siky Park in Crémines
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 v.l. René Strickler, Werner Ballmer und Marc Zihlmann an einer Medienkonferenz am Tag vor der Eröffnung
Medienkonferenz mit Führung durch den Park vor der Neueröffnung des Siky Park in Crémines
 Der Siky-Express
 Hier gehts zur neuen Raubtieranlage
 René Strickler und seine Raubkatzen
 Fast auf Tuchfühlung mit einem Löwen

Medienkonferenz mit Führung durch den Park vor der Neueröffnung des Siky Park in Crémines

Hanspeter Bärtschi

Der Medienrummel war am Freitagnachmittag im neu renovierten Siky Park in Crémines gewaltig. Nach langer Odyssee konnte der Tierlehrer René Strickler das neue Zuhause für seine Grosskatzen präsentieren. Die Nervosität war Strickler und dem Verwaltungsratspräsidenten des neu gegründeten Siky Parks, Werner Ballmer, anzumerken, denn noch standen ein paar Baumaschinen herum, die erst gerade noch im Einsatz waren.

Die lange als Trauerspiel konzipierte Geschichte um den Verbleib von René Stricklers Grosskatzen ist nach neun Jahren zu einem Happy End gekommen. «Nach 13-monatiger Bauzeit ist es uns gelungen, den Siky Park komplett zu sanieren und so zu erweitern, dass Stricklers Tiger, Löwen und Pumas in neuen, tiergerechten Gehegen untergebracht werden können», so Ballmer. Und auch die anderen Siky-Tiere, die Affen, Vögel, Ponys, Alpacas, Rothirsche oder Waschbären haben frisch sanierte Unterkünfte bekommen.

Auch das Restaurant wurde renoviert, sowie die Durchgangswege und die Besucherlenkung verbessert. Höhepunkt des seit 45 Jahren bestehenden Tierparkes mit wechselvoller Geschichte sind nun aber René Stricklers Raubkatzen, die sich – auch zur Verblüffung des Betriebsleiters und Tierpflegers Marc Zihlmann – erstaunlich schnell auf dem Gelände heimisch fühlten.

Finanzierung

8,5 Mio. Franken wurden für diese Neugestaltung aufgewendet, war zu erfahren. Das Geld kam durch eigenes Aktienkapital, Aktionärsdarlehen, sowie Beiträgen von Gönnern und dem «Freundeskreis Siky Park» zusammen. «Grossen Dank schulden wir auch der Standortgemeinde Crémines», sagte Ballmer. Man habe ihr Vorhaben unbürokratisch rasch möglich gemacht, indem jetzt neu insgesamt 50'000 m2 Land in Baurecht zur Verfügung stehen.

«In acht bestehenden Gebäuden wurden Sanierungen durchgeführt, vier wurden komplett neu gebaut.» Die neuen Bauten für die Raubtiere wurden, als Novum für einen Zoo, in Fertigbauweise aufgestellt. Am nordwestlichen Parkende sind die Gehege für die sechs Tiger entstanden. Ihre rund 1663m2 grosse Anlage besteht aus einem 376m2 grossen Nachthaus, den Rest bildet die weitläufige, tiergerechte Aussenanlage.

Bei der Führung durchs Gelände war denn auch sofort spürbar, wie wohl sich die Tiger hier fühlen. Neugierig beobachteten sie den vorbeziehenden Gästepulk, schlenderten vom Innen- in den Aussenbereich und wieder zurück. Sobald sie Stricklers Stimme hören konnten, kamen sie heran. «Bei allen Gehegen wurde viel Wert darauf gelegt, dass die Tiere ihre Sichtebenen verändern können», so Zihlmann. «Aussichtspunkte mit Weitblick und die Möglichkeit, dass sich die Tiere jederzeit zurückziehen können, gehören zum Konzept.

Noch sind das Aussengelände nicht fertig angepflanzt und die Wasserstellen noch nicht gefüllt. «Ja, dafür hat es jetzt noch nicht gereicht», gesteht Zihlmann. Eine Besonderheit hat es beim Tigerhaus: Von aussen kann man einen Blick in die sogenannte Fleischküche werfen. «Wir glauben, dass es unsere Besucher interessiert, zu sehen, was eine solche Katze pro Mahlzeit auch benötigt.»

Vorbild Krüger Nationalpark

Ungefähr dort, wo früher die Rothirschherde lebte, ist jetzt das Löwengehege angesiedelt. Auch für die drei Löwen wurde ein Innen- und Aussenbereich geschaffen. Was auf ihrem Gelände irritiert, ist ein breiter Weg mit einem alter Safari-Jeep darauf. Zihlmann erklärt: «Wir orientierten uns bei der Schaffung dieses Bereichs am Krüger Nationalpark. Dort nimmt die Strasse auch einen grossen Teil ein. Die Tiere wandern darauf, natürlich auch die Löwen.» Und so tun sie es auch im Siky Park. Wichtig sei auch hier, den Löwen Aussichtsplattformen zu schaffen, damit sie das Tal überblicken können.

Beim Rundgang war zu beobachten, wie stolz René Strickler ist. «Ich bin erleichtert. Wenn ich sehe, wie sich meine Tiere hier zurechtfinden. Da geht mir das Herz auf.» Es sei heute ein freudiger Tag, auch wenn er gerne an die Zeit in Subingen zurückdenke. «Es war auch dort sehr schön und ich hatte eine gute Zeit». Er betont, dass er heute mit der Landbesitzerin, die sein dortiges Gelände verkaufen wollen, ein gutes Einvernehmen habe. In Subingen sei fast alles abgebaut. «Was ich bedaure ist, dass die fast 190, zum Teil alten Bäume, die auf dem Gelände standen, abgeholzt wurden. Schade, denn es war wie eine grüne Oase im Industriequartier».

Er selbst sei derzeit daran, sein Haus in Subingen zu verkaufen. «Inzwischen wohne ich in Laupersdorf, um näher bei den Tieren zu sein.» Er sei momentan daran, ein neues Agility-Programm zusammenzustellen, damit die Raubkatzen – und auch er selber – beschäftigt seien. «Zunächst warten wir aber noch etwas ab, damit sie sich noch besser an die neue Umgebung gewöhnen.»

Eröffnung Siky Park 25./26. August

Chronologie: von Stricklers Raubtierpark zum Siky Park

Die bewegte Geschichte des Siky Parks, vor 45 Jahren mit den Namen Siky Ranch gegründet, begann mit der drohenden Zwangsräumung des Raubtierparks in Subingen und wurde schliesslich zum Glücksfall – nicht nur für die Tiere von René Strickler, sondern auch für die sanierungsbedürftige Siky Ranch, die dank der Übernahme umgebaut und erweitert werden konnte.

- 2003: René Strickler richtet in Subingen den Raubtierpark ein.

- 2009: Die Vermieterin, die Espace Real Estate, kündigt den Vertrag, daraufhin folgen zwei Mieterstreckungen.

- 2014: Es gibt einen Vergleich – Strickler verpflichtet sich, bis Ende 2015 zu gehen.

- 2016: Das Projekt «Rettung der Raubtiere von Subingen» wird ins Leben gerufen. Man sucht eine neue Lösung für die Tiger, Löwen und Pumas von René Strickler.

- März 2016: Das zuständige Amtsgericht ordnet die Räumung des Tierparks per Juli 2016 an.

- Mai/August 2016: Das Solothurner Obergericht und das Bundesgericht bestätigen das Urteil.

- März 2017: Der Park ist nach wie vor nicht geräumt. René Strickler kündigt die Übernahme der Siky Ranch und den Wegzug von Subingen an.

- Juni 2017: Übernahme der Siky Ranch.

- Herbst 2017: Das Bundesgericht weist eine zweite Beschwerde von Strickler ab.

- Oktober 2017: Ein erster Teil des Siky Parks ist bereits für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Parallel zum Zoobetrieb finden weiterhin Bauarbeiten statt.

- März bis August 2018: Der Bau für die Tiger- und Löwenanlagen kann beginnen. Dank innovativem Elementbausystem sind die Aussenanlagen und die Nachtgebäude innerhalb kürzester Zeit errichtet. Die Pumas können bereits im April einziehen, Tiger und Löwen folgen gestaffelt bis zum 22. August.

- 24./25. August 2018: Der Siky Park wird offiziell eröffnet.

In der Sikypark AG haben 25 Aktionäre Einsitz. Der Verwaltungsrat ist besetzt mit: Werner Ballmer (Präsident), Thomas Stadler und Claudia Schwarz. Betriebsleiter ist Marc Zihlmann; das Restaurant führt Geraldine Marquis. 15 Mitarbeitende sind beschäftigt.

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