Lageressen
Die Köche machen das Essen im Ferienlager unvergesslich

Sommerzeit – Lagerzeit. Doch neben den Kindern und dem Leiterteam ist ein Bereich besonders wichtig: das Küchenteam. Was treibt sie an? Wir haben in verschiedenen Ferienlagern die Köche nach ihren besten Rezepten befragt.

Drucken
Teilen
Schoggibananen gehören zu den Genüssen, die man vielleicht nie vergisst.

Schoggibananen gehören zu den Genüssen, die man vielleicht nie vergisst.

Unsere Umfrage ergab, dass es sich vielfach um Leute handelt, die in ihrem ganz normalen Alltag nichts bis fast nichts mit Kochen und Küche zu tun haben. Und doch sind es Personen, die sich jährlich immer wieder in den Lagern hinter die Kochtöpfe stellen und schon am frühen Morgen Rösti braten oder Birchermüesli mischen.

Vielfach haben sie selbst als Kinder und Jugendliche an Lagern teilgenommen.

Und so kennen sie die Essenswünsche und -bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen bestens, die nach einem ereignisreichen Tag für ein gutes und nahrhaftes Essen dankbar sind. Wer erinnert sich nicht an die besten Schnipo, die süssesten Schoggi-Bananen oder den feinsten Tee, den es nur im Lager gab. Bis ins Erwachsenenalter sind solche Genüsse präsent. (frb)

Philipp Dobler und Urs Brunner

Philipp Dobler und Urs Brunner

Fränzi Rütti-Saner

Philipp Dobler (47, r.) und Urs Brunner (47, l.) sind derzeit im Jubla Lager Balsthal in Adelboden mit dabei, wo sie für 40 Personen kochen müssen. Das Motto dort heisst «Asterix und Obelix». Dobler ist im Hauptberuf Chauffeur, Brunner Betriebsmechaniker. Die beiden kochen schon zum fünften Mal zusammen in einem Lager. Im privaten Leben kochen sie gelegentlich am Sonntag, sagen sie. Ansonsten seien sie keine grossen Hobbyköche. «Als Buben haben wir selbst an den Jungwachtlagern teilgenommen. So wurden wir direkt angefragt, im Lager zu kochen», erzählt Dobler. Nach einem Probekochen beschlossen sie, diese Aufgabe wahrzunehmen. Als Spezialität gibt es bei ihnen jeweils einen feinen Schweinsbraten oder Indianerbohnen mit Speck und Zwiebeln. «Wenn möglich, kaufen wir unsere Produkte vor Ort ein.» (frb)

Fränzi Müller

Fränzi Müller

Fränzi Rütti-Saner

Das Jubla-Lager St. Niklaus hat seine Zelte in Boudry aufgeschlagen. Als Lagermotto wurde die Geschichten um «Super Mario» gewählt, und das Küchenteam unter Fränzi Müller (25, im Bild) mit Anna Probst (25), Thomas Mühletaler (26) und Patrizia Studer (22) schafft es jeden Tag, am offenen Feuer ein tolles Essen für die rund 50 Kinder und Jugendlichen zu zaubern. «Ich war als Kind schon bei diesen Lagern mit dabei», schwärmt Fränzi Müller. «Und ich bin auch heute noch fasziniert.» Einmal eine ganz andere Umgebung, ganz andere Tätigkeiten, die Natur und die Kinder zu erleben, tue ihr einfach gut. Als kulinarisches Highlight erwähnt Müller Hacktätschli oder die kleinen, über dem Feuer gebackenen Pizzen. Die Lebensmittel würden in der Regel beim Dorfbäcker oder -metzger eingekauft. «Wir bestellen immer alles im Voraus. Das ergibt ebenfalls schöne Kontakte.» (frb)

Gabriel Wyss, Ruth Stampfli und Karin Ruch (unten)

Gabriel Wyss, Ruth Stampfli und Karin Ruch (unten)

Fränzi Rütti-Saner

Ruth Stampfli (42, r.), Hubersdorf, ist im «normalen Leben» kaufmännische Angestellte und Mutter. Sie nimmt als Köchin zusammen mit Karin Ruch (unten) und Gabriel Wyss (l.) am Lager teil, weil es gut ist, etwas für die Jungen zu tun. «Dieses Lager ist der Hammer», sagt Stampfli. Ihr Team kocht für 72 Personen und sie tut das zum dritten Mal. Durch die vorherige, langjährige Köchin sei sie in dieses «Amt» hereingerutscht. «Man darf keine Angst haben, etwas anzupacken, zu improvisieren», sagt sie. «In unserem Dreierteam machen alle alles. Jeden Tag besprechen wir die Abläufe.» Das Essen richtet sich nach einem vorher bestimmten Menüplan. Und man achtet darauf, dass das Menü auch zum Lagermotto passt. Das Highlight dieses Lagers waren die Hamburger am Dienstag zum Zmorge», sagt Stampfli. Wider Erwarten seien sämtliche Portionen aufgegessen worden. Grund für dieses ungewöhnliche Morgenessen war das Lagermotto «Weltreise». «An diesem Tag waren wir in Neuseeland zu Gast. Und da ist wegen der Zeitverschiebung alles anders.» Ansonsten gehört auf den Speiseplan des Unterleberberger Jugendlagers jedes Jahr Pasta «Cinque Pi» oder die «Spätzlipfanne», erzählt Stampfli. Das seien die beliebtesten Menüs. (frb)

Thomas Altermatt, Vroni Schindelholz, Jrmgard Roth, Ursula Rebholz) - in der Mitte Lagerleiterin Tamara Roth

Thomas Altermatt, Vroni Schindelholz, Jrmgard Roth, Ursula Rebholz) - in der Mitte Lagerleiterin Tamara Roth

Fränzi Rütti-Saner

Das Viererteam Thomas Altermatt (44), Vroni Schindelholz (52), Jrmgard Roth (50), Ursula Rebholz (49) (v.l.) - in der Mitte Lagerleiterin Tamara Roth - kocht zusammen im Juniorenlager des FC Welschenrohr in Bad Ragaz. Altermatt erklärt: «Der FC führt alle zwei Jahre dieses Lager durch. Ich bin zum dritten Mal dabei. Zweimal als Trainer, dieses Jahr zum ersten Mal als Koch.» Dieser «Aufstieg» mache ihm sehr viel Spass, berichtet der Swisscom-Kundenberater. Sie kochen für rund 55 Personen. Er selbst sei als Koch immer wieder bei Anlässen im Dorf anzutreffen, sagt er weiter. «Es ist wichtig, dass unsere Lagerteilnehmer, die zwischen 12 und 17 Jahre alt sind und täglich trainieren, genügend essen und trinken.» Am besten kommen Riz Casimir und Schnitzel mit Pommes frites an. Und auch die Rösti, die es jeweils einmal zum Zmorge gibt, stösst auf grossen Zuspruch. Jrmgard Roth, die schon seit 20 Jahren als Lagerköchin Erfahrung habe, erstelle jeweils den Menüplan, erzählt Altermatt weiter. Schon vor zwei Monaten sei das Küchenteam nach Bad Ragaz gereist, um mit den Lebensmittelhändlern Kontakt herzustellen. So sei es klar, dass die Frischprodukte vor Ort eingekauft würden.(frb)

Fränzi Rütti-Saner

Das Pfadilager der Stadt Solothurn und Bettlach hat eine ganz besondere Küchenmannschaft. Fünf 14- bis 16-jährige Pioneers managen die Küche während dieser Woche. Louis Stemmer erzählt, wie das kam: «Zwei von uns kochen gerne, und da kam uns die Idee, wir könnten das Kochen im Lager doch selbst organisieren.» Man habe im Vorfeld die Rollen in der Küche verteilt, doch jetzt im Lageralltag sei Improvisation hoch geschrieben. Besonders hilfreich ist ihnen dabei das «Tiptopf». Kulinarische Highlights waren die Fotzelschnitten, das Chilli con Carne oder Teigwaren mit verschiedenen Saucen. «Auch die Desserts kommen stets gut an», sagt Stemmer. «Besonders wenn sie von den Müttern kommen oder dasjenige, das uns der Bäcker von Scuol gespendet hat.» (frb)