Betrug

Checkbetrüger aus England treiben im Kanton Solothurn ihr Unwesen

Mit diesem Chek haben die Engländer versucht, einen Wirt um mehrere tausend Franken zu betrügen.

Mit diesem Chek haben die Engländer versucht, einen Wirt um mehrere tausend Franken zu betrügen.

Mit Bankchecks versuchen Betrüger aus England regionale Gastwirte abzuzocken. Sie geben vor, Ferien machen zu wollen und bezahlen mit einem (nicht gedeckten) Check über einen zu hohen Betrag. Den Überschuss versuchen sie dann beim Wirt einzufordern.

Die Reservationsanfrage an Stephan Wüthrich kam per E-Mail, in Englisch. Doug Turnbull erklärte, dass er und seine 12 Kollegen insgesamt elf Tage Ferien in der Region machen werden und das Restaurant Hirschen in Günsberg für die abendliche Verköstigung ausgewählt hätten.

Er gab weiter an, dass sie pro Nachtessen ein Budget von 35 Euro pro Person zur Verfügung gestellt bekämen - Getränke würden die Gäste dann vor Ort selbst bezahlen. Da Wirt Wüthrich wenig englisch spricht, bat er eine Kollegin um Hilfe.

Diese übersetzte und bestätigte anschliessend im Namen des Wirtes die Reservation. «Ich bot ihm ein Gesamtpaket fürs Essen an, Kostenpunkt 5700 Franken.» Keine Stunde später meldete sich der Engländer wieder und versprach den Betrag als Vorschuss schnellstmöglich zu bezahlen, aber: «Nur per Bank-Check». «Da wurde ich zum ersten Mal etwas misstrauisch», sagt Wüthrich.

Der Wirt antwortete, dass er die, für ihn ungewöhnliche Bezahlung, akzeptiere. Darauf rechtfertigte Turnbull die Bezahlung per Bank-Check: «Unser Sponsor kann nur mit Bank-Checks bezahlen», schrieb er und fügte an, dass, wenn diese Bezahlform nicht möglich sei, sie sich für ein anderes Restaurant umsehen müssten. Wüthrichs Misstrauen wurde grösser, trotzdem akzeptierte er.

Extra zu hoch

Acht Tage später traf im Restaurant Hirschen per Post ein Bank-Check ein. Dieser war aber ausgestellt für 7600 Pounds (rund 11 300 Franken) - beinahe das doppelte vom ausgemachten Betrag also.

Wüthrich meldete sich wieder beim Engländer. Dieser hatte prompt eine Erklärung parat: «Ich war ausser Land, als unser Sponsor den Check ausgefüllt hatte. Der Betrag ist inklusive unserer Reise, Hotel und Flugticket ...»

Er bat, den Überschuss zurückzuzahlen, sobald die Bank den Check beglaubige. Nun zögerte Wüthrich nicht lange und meldete sich bei seiner Bank. «Die haben bestätigt, was ich mir schon dachte, ‹auf keinen Fall bezahlen, das ist ein Betrugsversuch!›»

Wüthrich erklärt seine Vermutung: «Höchstwahrscheinlich stellen die den Check extra zu hoch aus, verlangen den Überschuss zurück, dann zahlst Du, willst anschliessen den Check einlösen, dieser ist aber nicht gedeckt und die Betrüger gewinnen.»

Bisher keine Schädigung

Bei Wüthrichs Bank hatte gar ein weiteres Restaurant aus der Region über einen ähnlichen Fall berichtet. Nach einiger Recherche im Internet hatte er zudem von Betrugsfällen in Deutschland gelesen, «und zwar nicht nur Restaurants.»

Natürlich habe er den Fall anschliessend gleich der Kantonspolizei Solothurn (Kapo) gemeldet. Das Problem sei aber, dass diese nichts unternehmen könne, da bisher kein Betrug vorliege.

Auf Anfrage bestätigt die Kapo: «Wenn keine Schädigung vorliegt, kann auch keine Anzeige eingereicht werden.» Weitere Fälle von Restaurants sind der Polizei indessen nicht bekannt.

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