Solothurn-Moutier-Bahn
Betreiber Gondelbahn: «Für uns ist die Moutier-Bahn ein idealer Zubringer»

Die Betreiber der Seilbahn Weissenstein fürchten, mit der Solothurn-Moutier-Bahn einen wichtigen Zubringer zu verlieren. Die Seilbahn ist darauf angewiesen, dass ihre Talstation in Oberdorf vom öffentlichen Verkehr erschlossen wird.

Sven Altermatt
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Die Moutier-Bahn verlässt den Bahnhof Lommiswil: Man werde sich für den Erhalt der Bahnlinie einsetzen, sagt Gemeindepräsidentin Erika Pfeiffer.

Die Moutier-Bahn verlässt den Bahnhof Lommiswil: Man werde sich für den Erhalt der Bahnlinie einsetzen, sagt Gemeindepräsidentin Erika Pfeiffer.

Hansjoerg Sahli

Urs Allemann ist es gewohnt, gegen Widerstände anzukämpfen. Spätestens seit dem jahrelangen Sesseli-Gondeli-Hickhack würde das niemand bestreiten. Und doch ist der Verwaltungsratspräsident der Seilbahn Weissenstein AG bemüht, den Ball flach zu halten.

Wenn es nötig sei, sagt Allemann, «werden auch wir uns für den Erhalt der Bahnlinie Solothurn–Moutier einsetzen». Natürlich weiss er ganz genau: Die Seilbahn ist darauf angewiesen, dass ihre Talstation in Oberdorf vom öffentlichen Verkehr erschlossen wird. Im kommenden Dezember sollen die ersten Gondeln auf den Hausberg fahren. «Für uns ist die Moutier-Bahn ein idealer Zubringer», sagt Allemann. Ob man das in Bern auch so sieht? Der Bund spielt mit dem Gedanken, den Weissensteintunnel zu schliessen und die Bahn aufs Abstellgleis zu schieben.

Nur mässig wirken da die Beruhigungspillen, die das Bundesamt für Verkehr verteilt hat. Wenn der Weissensteintunnel schliesse, sagte ein Sprecher jüngst in dieser Zeitung, «könnte die Strecke zwischen Solothurn und Oberdorf weiterhin von der Bahn bedient werden». Und selbst bei der Umstellung auf Busbetrieb sei im mittleren Leberberg nur mit geringen Zeitverlusten zu rechnen. Was Pendler aus Oberdorf oder Lommiswil milde stimmen mag, ist für Seilbahn-Präsident Allemann ein schwacher Trost. Der Zubringer aus Solothurn sei das eine, sagt er, die nördliche Anbindung das andere. «Viele wandern vom Weissenstein ins Thal runter und fahren mit der Moutier-Bahn zurück nach Solothurn.» Dasselbe gelte im Winter für Schlittenfahrer, so Allemann.

Sanierung oder Stilllegung?

Breite Empörung

Aus Sicherheitsgründen müsste der Weissensteintunnel für 170 Millionen Franken saniert werden. Anfang August haben Recherchen dieser Zeitung publik gemacht: Der Bund zieht in Betracht, den Tunnel zu schliessen und die Bahnlinie Solothurn–Moutier stillzulegen. Demnächst sollen Gespräche mit den Kantonen Bern und Solothurn stattfinden. Besonders im Thal sorgen die amtlichen Planspiele für Beunruhigung. Und bald wird sich auch der Bundesrat zur möglichen Stilllegung der Bahnlinie äussern müssen: Vergangene Woche hat der Herbetswiler CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt einen Vorstoss im Bundesparlament angekündigt. Zudem fordert die SP-Fraktion im Solothurner Kantonsrat in einer Interpellation eine Beurteilung durch den Regierungsrat. (sva)

Die Fakten liegen seit zwei Wochen auf dem Tisch: Die Strecke Solothurn–Moutier steht beim Bund auf einer Liste der gefährdeten Linien. Ihr Kostendeckungsgrad liegt bei mageren 22 Prozent, im Schnitt fahren pro Tag nur 500 Reisende mit der Bahn durch den Weissensteintunnel. Lohnt es sich unter diesen Voraussetzungen, 170 Millionen Franken in die Tunnelsanierung zu stecken? Die derzeitigen Bedingungen seien nur bedingt aussagekräftig, sagt Allemann. «Die Gondeln werden sich positiv auf die Frequenz der Bahnlinie auswirken.» Vielleicht, vermutet er, habe der Bund einfach die Gunst der Stunde zu wissen genutzt.

Wie viele Passagiere die Moutier-Bahn dereinst nach Oberdorf bringen könnte, lässt der 2010 verabschiedete «Kantonale Nutzungsplan Weissenstein» erahnen. Ziel sei die Verlagerung des privaten auf den öffentlichen Verkehr, heisst es dort. Ferner soll die «Anbindung des öffentlichen Verkehrs an die Talstation verbessert werden».

Bis zu 1800 Bahn-Passagiere?

Ein Raumplanungsbericht, den die Seilbahnbetreiberin vor sieben Jahren in Auftrag gegeben hat, kommt zu einem verheissungsvollen Schluss: An Spitzentagen am Wochenende könnte die Seilbahn bis zu 3600 Personen transportieren. Wird ein Modal-Split von 50 Prozent angestrebt, würden also 1800 Personen mit dem öffentlichen Verkehr zur Talstation fahren. Der Modal-Split zeigt, wie viele Passagiere mit den Öffentlichen oder dem Auto anreisen. Allein deshalb macht es für Urs Allemann nur wenig Sinn, «zum jetzigen Zeitpunkt über eine Stilllegung der Bahn nachzudenken».

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