Leuzigen
Bauernfamilie hat 15 Tonnen «nicht so schöne» Kartoffeln abzugeben – und kommt nicht nach mit Bestellungen

Die Familie Rätz aus Leuzigen BE hat gelieferte Kartoffeln wieder zurückbekommen, weil sie nicht der Norm entsprachen. Nun versucht die Bauernfamilie, 15 Tonnen anderweitig loszuwerden. Die Nachfrage ist riesig.

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Sandra und Urs Rätz haben derzeit viel zu tun mit Kartoffeln abfüllen.

Sandra und Urs Rätz haben derzeit viel zu tun mit Kartoffeln abfüllen.

Ueli Liggenstorfer

Berge von Kartoffeln lagern auf dem Bauernhof der Familie Rätz. 15 Tonnen mussten zurückgenommen werden. «Weil sie nicht so schön sind», schrieb Sandra Rätz am Mittwochmorgen in einem Facebook-Post. Kleine Wurmeinstiche sind zu sehen. Das bedeutet für den Grossabnehmer: Nicht verkäuflich.

«Es ist traurig aber wahr, wie mit Lebensmitteln umgegangen wird», meint Rätz. Sie und ihr Mann Urs Rätz haben nun einen anderen Weg gesucht, die Kartoffeln der Sorte Erika dem Verzehr zuzuführen – und die Bevölkerung für Food-Waste zu sensibilisieren. Für 25 Rappen das Kilo werden die Kartoffeln nun verkauft. Die Leuziger Landwirte boten auch an, an Kinder- oder Altersheime zu spenden.

Screenshot

Die Antworten liessen nicht lange auf sich warten. Der Beitrag wurde bis Donnerstagmorgen über 10'000 mal geteilt und auch über WhatsApp verbreitet. Hunderte unterstützende Kommentare und Bestellungen gingen ein. Personen aus der Innerschweiz, aus Basel und anderen Teilen der Schweiz melden sich. Darunter sind nicht nur Privatpersonen. Auch Gastronomen rufen an. Für ein Restaurant kam beispielsweise eine Bestellung für 2 Tonnen herein.

Tag der offenen Tür

Die Bauernfamilie wurde vollkommen überrascht vom grossen Interesse. Im Verlaufe des Mittwochs bedankte sich Sandra Rätz schon per Videobotschaft auf Facebook für die zahlreichen Bestellungen. Man bearbeite nun die eingegangenen Anfragen. Für Samstag von 9 bis zirka 18 Uhr kündigte sie zudem einen Tag der offenen Tür an. Interessierte könnten mit den Säcken vorbeikommen und die «Erika» direkt vom Wagen einpacken. «Wir freuen uns über jeden Besuch und jede Kartoffel, die verkauft wird.» Man müsse aber wohl etwas Zeit mitbringen. «Es wird sehr wahrscheinlich einen Ansturm geben.»

Ueli Liggenstorfer

Am Mittwochabend konnten schon so viele Bestellungen entgegengenommen werden, dass Sandra Rätz in einem Videobeitrag auf Facebook Stopp rufen musste. «Bitte teilt den Aufruf nicht mehr. Wir wurden überrannt.» Sie bedankte sich herzlich für die Unterstützung. «Wir wissen das sehr zu schätzen, müssen nun aber stoppen, weil wir echt nicht mehr nachkommen mit dem Verarbeiten von Bestellungen. Mir fehlen die Worte.»

Das Telefon klingelt ununterbrochen. Auf der Combox gibt es nicht einmal mehr Platz, um eine Nachricht zu hinterlassen. Sandra und Urs Rätz sind nun damit beschäftigt, all die Nachrichten abzuarbeiten. «Wir werden uns Mühe geben, allen so rasch wie möglich Bescheid zu geben.» (ldu)