Wetter
Die Windgeschwindigkeit wird in Grenchen neu per Laserstrahl gemessen

An der Wetterstation von Meteoswiss in Grenchen wurde diese Woche ein neues Messgerät installiert. Das sogenannte Lidar misst die Windstärke.

Andreas Toggweiler
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Ludovic Renaud (links) und Philipp Bättig beim Montieren des Lidar-Messgerätes (vorne). Im Hintergrund der Radar-Windprofiler.

Ludovic Renaud (links) und Philipp Bättig beim Montieren des Lidar-Messgerätes (vorne). Im Hintergrund der Radar-Windprofiler.

Bild: Andreas Toggweiler

Ein Dreierteam von Meteoswiss aus Payerne hat das Gerät auf dem Gelände der Wetterstation bei der Segelflugpiste des Grenchner Flughafens montiert. Dies nachdem keinerlei Einsprachen gegen die Aufrüstung der Wetterstation eingegangen waren.

Worum geht es?

Die Messstation Grenchen ist Teil eines Mess- und Prognosesystems, das der meteorologischen Überwachung der Kernkraftwerke dient. Bei einem Störfall spielt nämlich die Wetterlage, insbesondere die Windrichtung, eine grosse Rolle beim Perimeter des betroffenen Gebietes. Dieses System, genannt EMER-Met, ist seit zehn Jahren in Betrieb und wird im Rahmen eines Innovationsprojektes erneuert und modernisiert.

Im Rahmen der Modernisierung wird die Messstation mit einem neuen Messgerät ausgerüstet, das der besseren Erfassung von Windgeschwindigkeit und -richtung in den untersten Atmosphärenschichten (Boden bis 1500 m über Boden) dient.

Nur vier Geräte im Einsatz

Das neue Gerät, Lidar genannt (Light Detection and Ranging), ist ziemlich exklusiv. Von Meteoschweiz werden lediglich drei weitere solche Einrichtungen betrieben, davon eine mobil. An den Standorten Schaffhausen, Payerne und Grenchen messen Fernerkundungs- instrumente – Windprofiler, Temperatur-Radiometer und neu auch Windlidar – vom Boden aus bis in mehrere Kilometer Höhe kontinuierlich Wind, Temperatur und Feuchte.

Der Windprofiler ist ein Radar, der aus den Reflektionen des Radarstrahls an den Luftturbulenzen ein vertikales Profil der Windgeschwindigkeit und Windrichtung für alle Höhen bis 8 km über Boden ableitet. Das Windlidar beruht auf dem gleichen Messprinzip, verwendet aber einen «augensicheren» Laserstrahl anstelle eines Radarstrahls und misst mit höherer Genauigkeit den Wind bis 2 km über Boden. Die Temperatur-Radiometer schliesslich leiten aus der Intensität der natürlichen Mikrowellenstrahlung der Atmosphäre die Temperatur ab.

Je nach Wetterlage und Höhe der Luftschicht (z. B. Nebel) bietet das eine oder andere Messsystem (Radar oder Laser) die besseren Daten, weshalb an den Messstationen beide Systeme zum Einsatz kommen.

Daten dienen auch dem «normalen» Wetterbericht

«Natürlich werden die Meteodaten dieser speziellen Messstationen auch ins übrige Messnetz von Meteoschweiz eingespiesen», erklärte Projektmitarbeiter Philipp Bättig vor Ort. Dieses umfasst mehrere hundert weitere Messtationen mit unterschiedlicher Ausstattung.

Das Messgerät, etwa ein Kubus von 1 Meter Seitenlänge, wurde fertig montiert auf einem Betonsockel platziert. Oder besser gesagt, fast fertig. Denn zum Schluss montierte Bättig noch einen selbst konstruierten Scheibenwischer samt Waschanlage für die Laser-Optik. Zur Inbetriebnahme gehörte auch die Eichung des Gerätes und der Anschluss ans Swisscom-Datennetz.

Zurzeit sind gewisse Wetterdaten für Grenchen bei Meteoswiss nicht abrufbar. Es wird vermutet, dass eine Datenleitung beschädigt ist, womöglich durch die Wassermassen. Die Swisscom arbeitet zurzeit am Problem.