Stadtbummel Grenchen
Wenn das nächste Mal der Böög nicht brennt ...

Letzten Mittwoch hätte der Böög auf dem Marktplatz brennen sollen. Der Anlass fand nicht statt, denn nur fünf Personen dürfen sich ohne Probleme treffen. Heute zweifle ich, ob ich überhaupt fünf Personen ohne Probleme finden würde.

Roger Rossier
Roger Rossier
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Schlechtes Omen? Der nicht brennende Böög 2020.

Schlechtes Omen? Der nicht brennende Böög 2020.

Oliver Menge

Dieses Wortspiel passt zur heutigen Situation. Was erlaubt ist und was nicht, aber auch die Gedankengänge der Regierenden sind nicht immer nachvollziehbar. Im letzten Stadtbummel wunderte sich meine Bummel-Kollegin Brigitte Stettler über die Gegebenheit, dass ein Grenchner Dessous Geschäft zwar Unterwäsche im Laden verkaufen könne, aber die Pyjamas nicht. Vielleicht dachte sich der Gesetzgeber, Pyjamas gehörten nicht zum täglichen Bedarf, weil man diese in der Nacht trägt ... Oder wieso kann man in Warenhäusern Kerzen kaufen, während die dazu passenden Kerzenständer dem Verkaufsverbot zum Opfer fallen? Lustig wird es, wenn man Wäscheklammern im Megapack erwerben darf, aber der dazu gehörende Beutel mit Klebeband abgeschirmt im Regal liegen bleiben muss.

In den Sportferien wollte ich meinem achtjährigen Stadt- und Enkelkind Vincent etwas Besonderes bieten: Nachtskifahren auf dem Grenchenberg. Die erste Stunde versuchte Vincent, mich abzuhängen, indem er unermüdlich den Berg runter und mit dem Tellerskilift hochfuhr. Er war begeistert und fasziniert von der im Scheinwerferlicht glitzernden, gut präparierten Schneepiste. Doch mit fortschreitender Zeit und stärker werdender Bise sank die Temperatur auf gefühlte minus 20 Grad.

Den heissen Kakao aus der Thermosflasche hatten wir bereits getrunken. Vorbildlich und Greta-Thunberg-like sind wir mit dem Bus hochgefahren. Dafür wurden wir belohnt, dass wir nun bis 21 Uhr auf die Rückfahrt warten mussten. Als ich den schlotternden und an den Füsschen frierenden Vincent vor mich sah, klopfte ich ans Fenster des geschlossenen Bergrestaurants. Die Wirtin erbarmte sich unser und gewährte uns Eintritt in die Vorratskammer, damit wir uns aufwärmen konnten. Unsere Stimmung wurde noch besser, als wir kurze Zeit später eine heiss dampfende, leckere Suppe und Pommes erhielten. Diese spontane, herzliche Gastfreundschaft hat mich beeindruckt. Stadtkind Vincent erzählte noch Tage später von dieser besonderen Nacht.

In der Fussgängerzone begegne ich Personen, die stolz «Ich-bin-geimpft-Buttons» auf dem Revers des Wintermantels tragen. Hört man beim Vorbeigehen den Konversationen zu, glaubt man, es entstehe ein Hype rund um die Impfstoffe. Da werden munter gemachte Erfahrungen mit AstraZeneca, Moderna, BioNTech/Pfizer usw. untereinander ausgetauscht. Ich kann da nicht mitreden. Nachdem ich mich gerade daran gewöhnt habe, in vielen Kreisen wie im Beruf, im Sport oder in Vorständen schon zu den älteren Semestern zu gehören, erfahre ich jetzt, dass ich für eine Impfung noch zu jung sei. Corona sei Dank, darf ich mich nochmals zu den Jungen zählen.

Vor einem Jahr wollte der Böög partout nicht brennen. War das bereits ein Zeichen, eine Warnung vor dem Virus, das uns ein paar Tage später heimsuchte? Wenn bei einem nächsten Aschermittwoch der Böög wieder nicht Feuer fangen sollte, werde ich wissen, was zu tun ist: Masken, Desinfektionsmittel, Toilettenpapier und Aktien der Pharmaindustrie kaufen ...