Stadtbummel
Ein unwillkommenes Spektakel rund um das Velodrome

PS statt Intelligenz stehen offenbar am Anfang der Krähenplage an der Neumattstrasse.

André Weyermann
André Weyermann
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Die konnten wenigstens noch fahren: Automobilslalom auf dem Badiparkplatz vor 21 Jahren.

Die konnten wenigstens noch fahren: Automobilslalom auf dem Badiparkplatz vor 21 Jahren.




Christoph Schmutz

Velodrome-CEO Peter Wirz gilt als besonnene Person, die nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen ist und gerade deshalb mit seinem Team auch immer wieder vielbeachtete Events organisiert. Überdies hat er ein Faible für Tiere, nicht zuletzt für Vögel. In der letzten Zeit sieht er jedoch bisweilen rot beziehungsweise rabenschwarz. Ein ausgefuchstes Krähen-Paar macht ihm das Leben schwer.

Dieses hat sich – ganz offensichtlich mit diebischer Freude – das Velodrome samt Areal für seine ganz speziellen «Spielchen» ausgesucht. Mit Steinen bewehrt attackieren die tierischen «Hooligans» alles einigermassen Glänzende: Dach- und Bürofenster des Radtempels werden dabei ebenso wenig verschont wie jene der Restaurantküche. Als weitere lohnende Opfer seines verderblichen Tuns hat sich das diabolische Pärchen die auf dem Gelände stationierten Automobile ausgesucht. Die Beiden hinterlassen jeweils zwar nicht gerade eine Spur der Verwüstung, aber doch nachhaltige Schäden an Glas und Karosserie.

Das schreit geradezu nach Gegenmassnahmen. Irritierende «Bändeli» sowie kräftiges «In-die-Hände Klatschen» fruchteten nur temporär. Selbst das Betätigen einer Startschuss-Pistole (in die Luft natürlich) kann auf Dauer nicht die Lösung sein.

Inzwischen ist denn auch die Jagdaufsicht informiert worden. Die Vögel als Bösewichte also? Natürlich nicht. Schon bei Hitchcocks Thriller steht der Mensch am Anfang, wenn etwas in der Natur schiefläuft. Dem ist auch hier so. Überwachungskameras entlarven die wahren Übeltäter. Menschliche Idioten veranstalten an der geradezu dafür prädestinierten Neumattstrasse zwischen Velodrome und Badi mit ihren protzigen «Potenzersatz-Karossen» nächtliche Beschleunigungsrennen.

Der davor und danach nur teilweise verschlungene Fastfood-Frass landet dabei zu plärrender Musik in der freien Wildbahn und wird somit zu einem verlockenden Angebot für die intelligenten Rabenvögel. Das ungehörige Tun der Möchtegern-Autostars zeitigt ausserdem noch weitere unliebsame Folgen: Die Hotelgäste werden ihres wohlverdienten Schlafes beraubt. Auch hier wurden die zuständigen Behörden informiert, in der Hoffnung sich wieder ungestört der eigentlichen Arbeit zuwenden zu können.

Schon bald steht die «Track Cycling Challenge» an (17. Und 18. Dezember), ein Bahnradevent der höchsten internationalen Einstufung. Trotz geschildeter Unbill ist das Velodrome-Team dabei auf Kurs. Peter Wirz vermeldet eine recht grosse Nachfrage seitens der Fahrerinnen und Fahrer. An die zwanzig Länder bekunden ihr Interesse, darunter auch bekannte Namen der Szene. Ein diesmal willkommenes Spektakel darf erwartet werden.