Flugplatz Grenchen
Fluglehrer hat Flotte mit eigenem Design: «Das Rot steht für die Liebe zur Fliegerei»

Der erfahrene Fluglehrer Tony Birrer hat schon Generationen von Piloten ausgebildet. Über 20 Jahre ist er am Flugplatz Grenchen tätig.

Patric Schild
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Das Flugzeug ist sein Arbeitsplatz: Fluglehrer Tony Birrer.

Das Flugzeug ist sein Arbeitsplatz: Fluglehrer Tony Birrer.

michelluethi.ch

34'235 Flugstunden absolviert, 105'310 Landungen ohne einen Zwischenfall gemeistert und dabei 3013 verschiedenen Personen Flugunterricht erteilt. So sieht die stolze Bilanz von Tony Birrer nach 46-jähriger Tätigkeit – davon über 20 Jahre in Grenchen – als Fluglehrer aus.

1970 absolvierte der gelernte Automechaniker, den die Aviatik bereits seit seiner frühsten Kindheit begeistert, die Ausbildung zum Berufspiloten mit Instrumentenflugberechtigung in Zürich mit dem Ziel, Linienpilot zu werden. Da zu jener Zeit die Chancen auf eine Stelle in der Verkehrsluftfahrt klein waren, musste er sich anderweitig umschauen. So landete er 1972 beim – mittlerweile geschlossenen – Flugplatz Ascona, wo er seine Dienste fortan als Rund- und Taxiflieger anbot.

Serie

Jobs am Flughafen

Der Flughafen ist für Grenchen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In unserer Serie «Arbeitsplatz Flughafen» stellen wir verschiedene Menschen, Firmen und Tätigkeiten vor, die man auf dem Flughafenareal antrifft.

Heute sind wir zu Besuch bei Fluglehrer Tony Birrer.

Im Tessin begann schliesslich auch seine langjährige Karriere – wenn auch völlig unerwartet: «Eigentlich wollte ich nie Fluglehrer werden», erklärt Birrer. Doch sein damaliger Chef kam eines Tages zu ihm und sagte, dass er als Fluglehrer prädestiniert wäre. Er sei vor lauter Schreck fast umgefallen, sagt Birrer weiter, denn seine Zukunftspläne sahen zu jener Zeit ganz anders aus: «Mein Ziel war es, Co-Pilot zu werden und dann später auf den Jet zu wechseln.» Ein Jahr später hatte er die Fluglehrerprüfung erfolgreich bestanden.

Das Büro ist immer dabei

Es folgten vier Jahre als leitender Fluglehrer in Beromünster, bis schliesslich 1978 der Schritt in die Selbstständigkeit in Angriff genommen wurde. Auf dem Flugplatz Triengen leitete er seine eigene Flugschulabteilung unter der Flugschule Flying Ranch. Zehn Jahre lang arbeitete Birrer in Triengen und leistete dort rund 1000 Flugstunden jährlich. Dann stand er plötzlich vom einen auf den anderen Tag auf der Strasse – mitsamt seinen Flugzeugen.

Grund dafür war eine, zwar angekündigte, aber dann doch überraschend eingetroffene Nachfolgeregelung der Betreiberfamilie des Flugplatzes. Birrer konnte schliesslich bei der Flugschule des Euro-Airports Basel Fuss fassen, wo er während sieben Jahren wieder in einem Angestelltenverhältnis tätig war. 1996 wagte er es erneut, sich mit einer Einzelfirma selbstständig zu machen, und so kam er schliesslich in die Uhrenstadt. Birrer wandte sich an den damaligen Flugplatzleiter Urs Rupp, der das Fliegerhandwerk ebenfalls bei ihm gelernt hatte.

«Safety Pilot»

Wenn jemand zwar bereits das Flieger-Brevet erhalten hat, aber sich unsicher fühlt, weil er beispielsweise eher selten fliegt oder mit einem ihm ungewohnten Flugzeugtyp in die Lüfte steigen will und aus diesem Grund lieber zusätzliche Sicherheit möchte, dann kommt der Safety Pilot zum Einsatz. Diese erfahrenen Fluglehrer und Piloten helfen unter anderem bei der Flugplanung, schwierigen Landungen oder beim Anfliegen eines unbekannten Flugplatzes. Tony Birrer hat in seiner Karriere bereits 238 Einsätze als Safety Pilot absolviert. (psg)

Schliesslich bekam er vom Verwaltungsrat der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG das Einverständnis zum Führen einer Flugschule: Es war die Geburtsstunde der «flugschule birrer» in Grenchen. Büroräume von Tony Birrer sucht man auf dem Grenchner Flughafengelände jedoch vergeblich: «Das hier ist mein Büro», sagt Birrer lachend und zeigt auf die Umhängetasche, die an seiner Schulter hängt, sowie auf die Aktenmappe, die er sich fest unter den Arm geklemmt hat. «So kann ich ständig meine Termine koordinieren, sei es im Auto oder im Flugzeug».

Denn als Einmann-Betrieb obliegt ihm natürlich auch die gesamte Terminorganisation mit der Kundschaft. Überhaupt, für seine Kunden ist Birrer jederzeit erreichbar. Sogar dann, wenn er gerade in den USA in den Ferien weilt und um 02.00 Uhr morgens das Telefon klingelt, weil in Grenchen gerade jemand ein Flugzeug mieten möchte. Kundenfreundlichkeit und Lockerheit werden bei Birrer grossgeschrieben, und das ist es auch, wofür sie ihn so schätzen. «Bei mir gibt’s keine Klubmitgliedschaft oder sonstigen Verpflichtungen», erklärt Birrer. Rund 200 Kunden hat er jährlich.

In seinen insgesamt zehn Jahren in Triengen und den gut 20 Jahren in Grenchen hat er sich so eine 1100 Personen zählende Kundenkartei angelegt. Und dieser Kundenstamm wird auch gepflegt: «In den rund 30 Jahren habe ich 7800 Neujahrskarten an meine Kunden verschickt», erzählt der Fluglehrer.

Flotte von drei Maschinen

Birrers Flotte umfasst eine Cessna C-152 (HB-CHA), eine Cessna C-172 (HB-CGB) sowie die Rockwell AC-114 (HB-NCS). Das Design der Maschinen mit den schwarz-weiss-roten Streifen hat er selber entworfen: «Weiss sieht man im Sommer gut, Schwarz im Winter und das Rot steht für die Liebe zur Fliegerei», sagt der Aviatik-Fan stolz. Bis vor einigen Jahren befand sich auch noch eine Cessna C-172 (HB-CGU) in seinem Besitz. Jedoch wurde diese während eines missglückten Fluges einer Privatperson so schwer beschädigt, dass eine Reparatur aussichtslos gewesen wäre.

Zwar hätte er sich vom Versicherungsgeld eine neue Maschine anschaffen können, doch der 77-Jährige ist mittlerweile auf Nachfolgesuche und möchte daher etwas kürzertreten. Nichtsdestotrotz brennt die Leidenschaft fürs Fliegen aber noch immer so stark wie am ersten Tag in ihm, sodass ans definitive Aufhören noch lange nicht zu denken ist.

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